• 21.02.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Hellas-Zündschnur ist verlängert - von Hans Weitmayr

Das Wichtigste: Eine weitere Kontaminierung der Eurozone blieb aus

Wien (OTS) - Sieht man sich die gestern erzielte Einigung zum
Thema Griechenland an, so bleibt zur Beschreibung des Abkommens
eigentlich nur ein Adjektiv: atemberaubend. Zwar ist dieses in diesem
Zusammenhang nicht nur positiv zu werten - einen Teilaspekt kann man
jedoch nicht hoch genug würdigen: Obwohl das Land de facto in eine
geordnete Pleite geschickt wurde und die Privaten durchaus
substanziell am Schuldenerlass beteiligt wurden, blieb das aus, wovor
die Verantwortlichen zu Beginn der Krise gewarnt hatten: eine
Kettenreaktion. Die weitere Kontaminierung in Form steigender
Renditen an den Anleihemärkten der Peripherieländer blieb grosso modo
aus, Spanien gelang am selben Tag sogar eine erfolgreiche Auktion
neuer Schulden. Das ist der Tatsache zu verdanken, dass man mit den
diversen Schutzschilden sowie den erfolgten und noch anstehenden
Eingriffen der EZB in den Kreditmarkt der Banken genügend finanzielle
Feuerkraft positioniert hat, um die Märkte dort in Schach zu halten,
wo es am wichtigsten ist: am Markt für Staatsanleihen, über den sich
funktionierende Nationen refinanzieren.

Dass das Problem Griechenland somit isoliert erscheint, kann als
Errungenschaft nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie stellt den
wichtigsten Schritt auf dem Weg zu einer Lösung der Europa-Krise dar.
Aber eben nur einen.

Der zweite müsste dahin gehen, die Märkte davon zu überzeugen, dass
ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone kein Fiasko mehr
darstellt. Wir haben in den vergangenen Tagen bereits erste Anläufe
in diese Richtung erlebt - denn alle Beteiligten wissen, dass die
Kreditlinien für Griechenland nur eine Verlängerung der Zündschnur
darstellen. Rechnet man die einschlägigen IWF-Daten durch, die von
einem weiteren Schrumpfen des BIP bei einem gleichzeitig
auftauchenden, deutlichen Defizit ausgehen, ist zu befürchten, dass
der Gesamtschuldenstand des Landes bereits Ende dieses Jahres bei 120
Prozent des BIP liegt - und das unter Berücksichtigung des
Schuldenerlasses von mehr als 100 Milliarden Euro.

Will das Land aber die Vorgaben für die EU/IWF-Kreditlinien erfüllen,
muss es bis 2020 diesen Verschuldungsgrad etwa halten. Das heißt: Das
Land müsste wohl ab dem nächsten Jahr ausgeglichen bilanzieren. Will
man die Realitätsnähe des Gelingens dieses Vorhabens beschreiben,
solange man in Griechenland mit dem Euro zahlt, kommt man nicht
umhin, zu fragen, wie wahrscheinlich fliegende Schweine und eine
zufrierende Hölle sind.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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