Karlheinz Töchterle: Erfolgreiche Teilnahme am Rahmenprogramm für Forschung und Innovation weiter ausbauen
Wissenschafts- und Forschungsminister beim Rat Wettbewerbsfähigkeit in Brüssel - Verhandlungen zu "Horizon 2020" beginnen
Wien (OTS) - "Die erfolgreiche Teilnahme Österreichs soll im neuen
Rahmenprogramm ausgeweitet werden", so das klare Ziel von
Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Karlheinz Töchterle. Er
nimmt heute am Rat Wettbewerbsfähigkeit in Brüssel teil, wo die
beginnenden Verhandlungen zum neuen "Rahmenprogramm für Forschung und
Innovation - Horizon 2020" im Mittelpunkt stehen. Das österreichische
Positionspapier wurde in den vergangenen Wochen und Monaten mit
zahlreichen Vertreter/innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und
Gesellschaft diskutiert und nach interministeriellen Verhandlungen
vergangenen Dienstag im Ministerrat beschlossen. Es beinhaltet die
wichtigsten österreichischen Anliegen, die der Europäischen
Kommission, dem Europäischen Parlament und den anderen
Mitgliedstaaten mitgeteilt werden.
Das derzeit laufende 7. EU-Rahmenprogramm (2007 bis 2013) ist mit
einem Gesamtbudget von 50,5 Milliarden Euro das weltweit größte
transnationale Forschungsförderprogramm. Die erfolgreiche
österreichische Teilnahme zeigt sich u.a. an der hohen Rückflussquote
von 125 Prozent. Auch bei den Grants des Europäischen Forschungsrates
sind die Wissenschaftler und Forscher in Österreich sehr erfolgreich:
An österreichischen Forschungseinrichtungen wurden seit 2007 mehr als
60 Forschungsprojekte bewilligt. Österreichische Institutionen weisen
mit 13,2 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Bewilligungsquote
(Durchschnitt 9,6 Prozent) auf. Mehr als 2.000 österreichische
Forscher/innen nehmen schon heute am EU-Rahmenprogramm teil. Sie
kommen aus den Universitäten, den Fachhochschulen, aus vielen
außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie kleinen und großen
Unternehmen.
"Horizon 2020" (Laufzeit 2014 bis 2020) bündelt erstmals Forschung
und Innovation unter einem Dach und verfolgt damit "einen
ganzheitlichen Ansatz europäischer Forschungs- und
Innovationspolitik. Damit wird der Baustein für künftige Innovationen
gelegt", so Töchterle. "Horizon 2020" widmet sich vielen
Lebensbereichen des Menschen mit dem Ziel, die Lebensqualität der
Bevölkerung zu verbessern, beispielsweise im Bereich der Energie mit
Forschung und Entwicklung an effizienteren Heiz- und Kühlsystemen auf
Grundlage erneuerbarer Energien.
Das österreichische Positionspapier - ausgewählte Aspekte im
Überblick:
- "Simplification": Durch eine konsequent betriebene Vereinfachung
der Teilnahmebedingungen sollen die Bedürfnisse der FTI-aktiven
Unternehmen und Forschungsinstitute in erhöhtem Maße berücksichtigt
werden.
- Zentrale Zukunftsthemen: Sechs Themen, die als gesellschaftliche
Herausforderungen die Menschen betreffen (wie z.B. gesundes
Altwerden; ausreichende und sichere Nahrung; nachhaltige
Energieversorgung zu erschwinglichen Preisen; effizientes und
nachhaltiges Verkehrssystem; effizienter Einsatz von Rohstoffen)
werden in "Horizon 2020" erforscht. Immer geht es dabei um Forschung,
die zu konkreten Umsetzungsmaßnahmen in der Gesellschaft führen soll.
- Österreich setzt sich dafür ein, dass die Geistes- und
Sozialwissenschaften bei der wissenschaftlichen Bearbeitung der
großen Herausforderungen adäquat berücksichtigt werden. Denn: Nicht
alle Herausforderungen lassen sich durch technische Innovation lösen.
Eine effiziente Ressourcennutzung hängt zum Beispiel auch von
sozialen Bedingungen und Verhaltensweisen ab. Die Geistes- und
Sozialwissenschaften können hier wesentliches Wissen beitragen, das
zu Innovationen führt.
- Der Europäische Forschungsrat (ERC) soll in "Horizon 2020" deutlich
ausgebaut werden. Damit wird eine großzügige Förderschiene für
exzellente Forscher/innen in Österreich geboten.
- Optimierte KMU-Integration in "Horizon 2020": Wesentlicher Beitrag
zur Entfaltung der ökonomischen Multiplikatorwirkungen von
europäischen FTI-Aktivitäten.
- Österreich hat im vergangenen Jahr im Lichte der Nuklearkatastrophe
von Fukujima eine Neuorientierung der europäischen Nuklearforschung
zu Gunsten der Sicherheitsaspekte eingeleitet. Diese Linie soll auch
in "Horizon 2020" konsequent und mit Nachdruck fortgesetzt werden: Im
Bereich der Nuklearforschung sollen ausschließlich Sicherheitsaspekte
zum bestmöglichen Schutz der Bevölkerung erforscht werden. Österreich
wird es nicht akzeptieren, dass Kernenergie als Beitrag zur Senkung
der CO2 Emissionen genannt wird.
- Forschungsprojekte der EU setzen die Prüfung der Projektanträge in
ethischer Hinsicht voraus. "Horizon 2020" wirkt dadurch auf die
Entwicklung von ethischen Standardverfahren ein.
Die Verhandlungen zu "Horizon 2020" beginnen mit dem heutigen Rat
Wettbewerbsfähigkeit. Die dänische EU-Präsidentschaft beabsichtigt,
über die Grundlinien des Programms beim Rat Wettbewerbsfähigkeit Ende
Mai 2012 weitgehend Einvernehmen zu erzielen. Parallel zum
EU-Ministerrat wird auch im Europäischen Parlament verhandelt. Mit
dem Abschluss der Verhandlungen ist bis in der zweiten Jahreshälfte
2013 zu rechnen, damit danach die Vorbereitungen für den
Programmstart am 1. Jänner 2014 zeitgerecht erfolgen können.
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