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OTS0054   21. Feb. 2012, 10:00

Brennpunkt Bildgebung: Akute abdominelle Notfälle bei Kindern


21. Februar, 2012.
Abdominelle Notfälle bei Kindern und Kleinkindern sind Situationen,
in denen eine unmittelbare Symptomatik die Möglichkeit einer akut
therapiebedürftigen Erkrankung anzeigt und daher rasch eine
aussagekräftige, zuverlässige und dennoch möglichst schonende
Diagnostik notwendig wird. Insbesondere in Hinsicht auf den
Strahlenschutz besteht bei diesen Patienten ein deutlicher
Unterschied zu Untersuchungen bei Erwachsenen.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
Ein Grundsatz, der bei allen radiologischen Untersuchungen von
Kindern zutragen kommt, ist dass Kinder keine kleinen Erwachsenen
sind, sondern zahlreiche Besonderheiten haben.
"Nicht nur die viel höhere Strahlensensibilität und längere weitere
Lebenserwartung - mit dadurch höherem Risiko, strahleninduzierte
Tumore zu erleiden - spielt eine wesentliche Rolle bei der Auswahl
und Festlegung der Bildgebung. Auch diverse weitere kinderspezifische
Faktoren, wie noch nicht verknöcherte Anteile des Skeletts, andere
Lage- und Größenrelationen mit daraus folgenden anderen
Verletzungsmustern und Unfallsarten, andere Gewebszusammensetzung und
Kreislaufverhältnisse, sowie vieles mehr sind zu berücksichtigen", so
Univ.Prof. Dr. Michael Riccabona von der Klinischen Abteilung für
Kinderradiologie am LKH-Universitätsklinikum Graz.

Trauma und Krankheiten als Auslöser für abdominelle Notfälle
Abdominelle kindliche Notfälle können nach einem Trauma entstehen,
allerdings gibt es auch zahlreiche nicht-traumatische pädiatrische
Baucherkrankungen, die einer prompten und richtigen bildgebenden
Diagnostik bedürfen.
Auf Seiten der trauma-bedingten Verletzungen wären hier vor allem
Verletzungen wie Nieren-, Milz-, Bauchspeicheldrüsen- oder Leberriss
und Darmverletzungen zu nennen, manchmal mit schwerer Blutung und /
oder Luftaustritt in den Bauchraum, die trotz der kindlich anderen
und oft initial milderen Allgemeinsymptome in der Frühphase nach
einem Trauma nicht übersehen werden dürfen.
Typische nichttraumatische Krankheiten und Krankheitsbilder wären der
Volvulus (Verdrehung des Darms um ein versorgendes Gefäß), die
Invagination (Einstülpung des Darms), die Urosepsis (Harnwegsinfekt
mit Abflussbehinderung), aber auch ein mechanischer Ileus
(Darmverschluss) oder eine perforierte Appendizitis
(Blinddarmentzündung), sowie die akute Harnsteinkolik. Die Häufigkeit
variiert mit dem Alter, ebenso kann bei Kindern altersabhängig die
Symptomatik recht unterschiedlich sein - von einem nur
apathisch-krank wirkenden Kind mit oder ohne Fieber und ohne
spezifische Symptome bis zu schwersten Koliken sind unterschiedlich
abgestufte Symptomatiken zu beobachten.

Ultraschall als Methode erster Wahl
Primäre Untersuchungsmethode ist meist die Sonographie (Ultraschall),
welche nicht nur auf Grund der vor allem im Säuglings- und im
Kindesalter ausgezeichneten Bildqualität bei der Darstellung aller
abdomineller Organe und des Organsystems viele Fragestellungen
ausreichend beurteilbar macht, sondern auch ein strahlenfreies,
wiederholbares und für das Kind möglichst schonendes Verfahren
darstellt.
Bestimmte Indikationen wie z.B. Harnleitersteine oder Perforationen
mit freier intraperitonealer Luft können auch ein Röntgenbild nötig
machen, ebenso wie bei schwerem Abdominal- oder Polytrauma nach wie
vor die Kontrastmittel-CT mit an Kinder angepassten
Untersuchungsprotokollen die Methode der Wahl ist.
"Der wichtigste Punkt in Sachen Strahlenschutz ist,
strahlenbelastende Untersuchungen so gut wie möglich zu vermeiden.
Dies geschieht durch den verbreiteten Einsatz des diagnostischen
Ultraschalls, wobei dieser nur wirklich sein ganzes diagnostisches
Potential ausspielen kann, wenn entsprechende Vorbereitungen, gute
Geräte und ein gut ausgebildeter Untersucher mit Erfahrung im
pädiatrisch abdominellen Sonogramm und den entsprechenden
Krankheitsbildern zur Verfügung steht", sieht auch Prof. Riccabona im
Ultraschall die Methode der ersten Wahl.
Sollten herkömmliche Röntgenaufnahmen nötig sein, ist es vor allem
wichtig, adaptierte Belichtungsparameter zu verwenden und die Zahl
der benötigten Aufnahmen auf das unbedingte Minimum zu reduzieren.
Ebenso bei CT Untersuchungen, wo verringerte Aufnahmenphasen,
altersadaptierte CT-Protokolle sowie sekundäre
Strahlenschutzmaßnahmen wie Filter und Abdeckungen zur Anwendung
kommen.
Wenn möglich, können im (sub-)akuten Setting einzelne Fragestellungen
mittels MRT beantwortet werden, welche ohne Strahlenbelastung eine
bildgebende Schnittbilddiagnostik ermöglicht, wenngleich auch dafür
oft eine intravenöse Sedierung notwenig wird.

Strahlenbelastung so niedrig wie vernünftig möglich
Zusätzlich muss, neben den besonderen Anforderungen an die
Bildgebung, auch beachtet werden, dass insbesondere bei Kleinkindern
die Anamneseerhebung schwieriger und die klinische Untersuchung weit
weniger spezifisch ist. "Das bedeutet, dass bei Kindern häufiger eine
weiterführende Bildgebung notwendig wird, diese aber möglichst
schonend, nicht invasiv und strahlensparend sein soll (ALARA Prinzip
- As Low As Reasonably Achievable), um eine effiziente Selektion zu
ermöglichen und nur bei denjenigen kleinen PatientInnen belastendere
und aufwendigere Verfahren durchzuführen, die wirklich einer
energischeren weiterführenden Diagnostik bedürfen. Daher ist die
Rolle des Ultraschalls im Kindesalter erneut mit einem viel höheren
Stellenwert als im Erwachsenenalter zu sehen", so Prof. Riccabona.

Sozioökonomischer Druck gefährdet kindergerechte Bildgebung
Obwohl es unter medizinischen Aspekten gesehen klar auf der Hand
liegt, dass Kinder eben nicht wie kleine Erwachsene zu behandeln
sind, besteht bei steigendem sozioökonomischen Druck die Gefahr, dass
genau dies passiert und eine an Kinderbedürfnisse adaptierte
Bildgebung in den Hintergrund gedrängt wird.
Auf Grund des zunehmenden finanziellen Drucks finden viele neue
Technologien erst sehr spät, oder auch gar nicht, ihren Weg in die
Kinderradiologie, wie man am Beispiel von fehlenden Zulassungen bei
Ultraschallkontrastmitteln für pädiatrische Anwendungen oder auch
daran sehen kann, dass es nur ein zugelassenes MR-Kontrastmittel für
Neugeborene gibt.
Hinzu kommt, dass kinderspezifische MR-Spulen ebenso wie eine
entsprechend breite Palette von kinderadäquaten hochqualitativen
Schallköpfen oft nur schwer verfügbar sind, sodass die vielfältigen
Möglichkeiten der modernen Bildgebung wie MR-Spektroskopie,
Sonoelastographie, kontrastmittelgestützter Ultraschall,
3D-Sonographie und andere teilweise nur vereinzelt angeboten werden
können.

Ab 1. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen
Beim 24. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of
Radiology/ECR) vom 1. bis 5. März 2012 im Austria Center in Wien
werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der
medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten
Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung
präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für
Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über
56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der
ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse
weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in
Europa, bei der auf über 26.000 m2 rund 300 internationale Firmen die
neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

Langversion der Aussendung und Bildmaterial unter www.myESR.org/press

Rückfragehinweis:

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0054 2012-02-21 10:00 211000 Feb 12 ECR0001 0963



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David Zizka
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