• 20.02.2012, 15:23:31
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  • OTS0173 OTW0173

Neue Verfassung: Türkei konsultiert erstmals Christen

Patriarch Bartholomaios I. präsentierte Anliegen der Kirchen für geplante neue Verfassung vor verfassungsgebendem Parlamentsausschuss

Ankara, 20.02.12 (KAP) Erstmals hat die Türkei offiziell Vertreter
ihrer nicht-muslimischen Minderheiten nach ihren Wünschen für die
geplante neue Verfassung gefragt. Der griechisch-orthodoxe Patriarch
Bartholomaios I. sowie Vertreter der syrisch-orthodoxen Kirche
präsentierten am Montag ihre Vorschläge vor dem verfassungsgebenden
Parlamentsausschuss in Ankara. Bartholomaios I. sprach
Medienberichten zufolge von einem historischen Ereignis: "Eine neue
Türkei wird geboren", zitierte ihn der türkische Nachrichtensender
NTV.

Auch der Pressesprecher des Ökumenischen Patriarchats, Dositeos
Anagnostopulos, zeigte sich am Montag im "Kathpress"-Gespräch
zuversichtlich. Er hoffe, dass es sich bei der Anhörung nicht nur um
eine Alibiaktion gehandelt habe sondern tatsächlich positive
Entwicklungen folgen werden. Angesichts der Tatsache, dass es ein
Gespräch in dieser Form in der Geschichte der Türkischen Republik
noch nie gegeben habe, könne man wohl von einem "bahnbrechenden
Ereignis" sprechen. Patriarch Bartholomaios hege tatsächlich große
Hoffnung auf eine positive Zukunft, ließ Anagnostopulos durchblicken.

Der Ausschuss zur Einigung auf eine neue Verfassung ist ein
All-Parteien-Gremium des Parlaments. Es wurde im Oktober 2011
gegründet und soll Vorschläge zur neuen Verfassung aus allen
Bereichen der Gesellschaft sammeln. Der Text soll bis Jahresende
stehen und das derzeitige Grundgesetz der Türkei ablösen, das 1982
unter Militärherrschaft in Kraft getreten war.

Rund 99 Prozent der Türken sind Muslime. Die Türkei ist eine
säkulare Republik, in der alle Bürger nach dem Gesetz gleich sind.
Im Alltag sind aber religiöse Minderheiten benachteiligt, etwa in
der Frage des Immobilienerwerbs, auf dem Arbeitsmarkt oder bei der
Ausbildung von Geistlichen. Die Verbesserung der rechtlichen Lage
von Christen und Juden gehört zu den Hauptforderungen der EU an den
Beitrittsbewerber Türkei.

Mehr auf www.kathpress.at (ende) gpu/hkl/

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