• 17.02.2012, 11:41:53
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"Kulturmontag" am 20. Februar: Milos-Forman-Porträt in den "art.genossen", schwere Zeiten für die Lipizzaner

Weiters: Russland - Milliardenprojekt Sotschi und "Wojna"-Aktionisten gegen Putin

Wien (OTS) - Clarissa Stadler führt am Montag, dem 20. Februar
2012, ab 22.30 Uhr in ORF 2 durch einen "Kulturmontag", der diesmal
unter anderem die Geschichte der Spanischen Hofreitschule
nachzeichnet und Leiterin Elisabeth Gürtler zum Interview bittet.
Weitere Themen sind die Milliarden-Baustelle Sotschi, wo die
Errichtung von Sportanlagen und Hotels für die Olympischen
Winterspiele 2014 kritische Umweltschützer und Architekten auf den
Plan ruft, sowie die Aktionistengruppe "Wojna", die für demokratische
Präsidentenwahlen in Russland mobil machen. Die "art.genossen" zeigen
zum 80. Geburtstag des Regisseurs das neue Porträt "Milos Forman -
Ein Störenfried wird 80", in dem der Meister selbst, Michael Douglas
oder Louise Fletcher Geheimnisse zur Entstehung seiner Filme
verraten. Als "art.film" steht um 0.00 Uhr "Das Leben der Anderen"
von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck auf dem Programm von
ORF 2.

Ross-Kür: Nationalgut Lipizzaner. Hohe Schule, schwere Zeiten

Als Kind hatte der niederländische Journalist und Autor Frank
Westerman ein Erweckungserlebnis: Da stand er vor einem weißen Ross
und sein Reitlehrer raunte ihm zu: "Wenn du einen Lipizzaner
berührst, berührst du Geschichte." Nicht durchgängig so pathetisch,
vielmehr spannungsgeladen arbeitet Westerman nun - Jahrzehnte später
- die Geschichte des 20. Jahrhunderts in seinem Buch "Das Schicksal
der weißen Pferde" auf. Nach Zusammenbruch der k. u. k. Monarchie
drohte den Lipizzanern buchstäblich die Schlachtung, später stritten
Mächte und Mächtige um sie. Die Nazis wollten ihnen mehr
militärischen Drill verordnen; ihre Rettung durch eine
US-Panzereinheit vor der Sowjetarmee verarbeitete Walt Disney zu
einem Rührstück mit Lilli Palmer. Und heute? Da müssen diese
"Kronjuwelen" des Habsburgerreichs Kasse machen. Seit die Spanische
Hofreitschule 2001 aus der staatlichen Verwaltung ausgegliedert und
in eine Gesellschaft öffentlichen Rechts überführt wurde, lastet
nicht nur finanzieller Druck auf dem Ross-Ballett. Das bedeutet eine
Steigerung der Aufführungen, Rationalisierungsdruck und
Merchandising-Offensiven. Eine ausgeglichene Bilanz für 2011
verkündet Hofreitschul-Leiterin Elisabeth Gürtler. Ob diese auch für
Tiere und Bereiter gilt, beschäftigt mittlerweile sogar das deutsche
Feuilleton. Kritik an gnadenloser Expansion und Niveauverlusten in
der Hohen Schule wird offiziell stets dementiert. Der "Kulturmontag"
zeichnet die Geschichte der Kultpferde nach und bittet Elisabeth
Gürtler zum Interview.

Bau-Stelle: Milliardenprojekt Sotschi. Die Olympia-Stadt klotzt mit
Superlativen

Wo heilende Quellen sprudeln, rollt auch der Rubel. Jetzt rollen in
der Kurstadt am Schwarzen Meer vor allem Bagger und schweres Baugerät
an: Sotschi, das war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein exklusiver
Treffpunkt der Hocharistokratie, später errichtete Stalin hier eine
seiner Datschen und sprach von seinem "grünen Hain". Heute offenbaren
sich dem Besucher Schlamm, Erdhaufen und Baustellen. Die Stadt an der
"russischen Riviera" wird olympiafit gemacht, 2014 werden die
Winterspiele hier ausgetragen. Bauvolumen: geschätzte 950 Milliarden
Rubel, rund 25 Milliarden Euro. Für Wladimir Putin ist Sotschi Causa
prima: Im Entstehen sind eine ganze Reihe von Eishallen, ein
Medienzentrum für 17.000 Journalisten; drei Hotels, von denen das
größte 4.200 Zimmer fasst, werden in die einstige Beschaulichkeit
geklotzt. Die Stadien - fünf an der Zahl - werden direkt am Meer in
einem ehemaligen Vogelschutzgebiet errichtet. Unweit, in der Kernzone
eines Nationalparks, ist ein riesiges Skigebiet im Entstehen. Die
österreichische Firma Doppelmayr baut im Gebiet um Krasnaya Polyana
40 Seilbahnen, eine davon wird sogar für den Transport von Autos
geeignet sein. Eine Million Kubikmeter Holz ist den Bauarbeiten
bisher zum Opfer gefallen. Umweltaktivisten sprechen von irreparablen
Schäden, Architekten beklagen den sorglosen Umgang mit historischer
Bausubstanz. In der Zwischenzeit feiert sich die Stadt mit dem
"Winter International Arts Festival". Ein Lokalaugenschein im
"Kulturmontag".

Wahl-Kämpfe: Putin spaltet Russlands Künstler. Mit den Aktionisten
von "Wojna" in Moskaus Untergrund

Es herrscht Krieg in Russland: ein Krieg der Worte, ein Krieg der
Symbole. "Putin hau ab!" stand auf den Plakaten Zehntausender
Demonstranten, die in Moskau für demokratische und faire
Präsidentenwahlen mobil machten. Ungeachtet jeder sibirischen Kälte:
Solch eisigem Gegenwind ist der Mann, der sich Anfang März zum
dritten Mal ins Präsidentenamt wählen lassen will, noch nie
ausgesetzt gewesen. Zu Deutsch "Krieg" lautet der Name der
Aktivistentruppe Wojna. Mit Bildern, die sich ins kollektive
Bewusstsein brennen und auch von den Machthabern nicht einfach
weggewischt werden können, proben die Kunst-Guerilleros schon seit
2007 den Aufstand. Auf eine Brücke in St. Petersburg malte die Truppe
einen 60 Meter langen Phallus. Als die Brücke - wie in Sommernächten
üblich - aufgezogen wurde, bekam der in direkter Nachbarschaft
angesiedelte Inlandsgeheimdienst die erektile Provokation zu sehen.
Aber es sind nicht nur die Interventionen und gezielten Sabotageakte
von Wojna, die - via YouTube - gesehen und gehört werden, auch die
Stimme der russischen Intelligenzija stößt auf Resonanz. Boris
Akunin, einer der populärsten Krimiautoren des Landes, kritisiert
Wladimir Putin ganz offen. Kein Wunder, dass dieser vor allem
Künstler auf seine Seite ziehen will. Der erfolgreiche Regisseur
Stanislaw Goworuchin ist Chef von Putins Wahlkampfstab. Neben Maestro
Valery Gergiev findet sich auch der Name von Anna Netrebko auf der
Liste von Putins Unterstützern. ORF-Korrespondentin Carola Schneider
gelang unter abenteuerlichen Umständen ein Geheimtreffen mit den
polizeilich gesuchten Kunst-Outlaws von Wojna, die sie bei ihren
Aktionen durch eine Moskauer Nacht begleitet hat - ein Bericht über
Russland im denkbar heftigsten Wahlkampf.

art.genossen: Milos Forman - Ein Störenfried wird 80

Zu seinem 80. Geburtstag widmet der ORF Milos Forman, dem Regisseur
von so großartigen Filmen wie "Amadeus" oder "Einer flog über das
Kuckucksnest", ein neues Filmporträt. Der Meister selbst, Michael
Douglas und Louise Fletcher verraten darin auch Geheimnisse zur
Entstehung der Filme.

Für die Oscar-prämierte Romanverfilmung "Einer flog über das
Kuckucksnest" wurde ihm bereits 1975 das Attribut Regielegende
verliehen. Nach wie vor zählt er zu den Größten seiner Zunft - der am
18. Februar 1932 in der Tschechoslowakei geborene Jan Tomas Forman.
Jetzt wird der US-amerikanische Regisseur und Filmemacher
tschechischer Herkunft, Milos Forman, 80.

Ist auch das filmische Schaffen des Regie-Altmeisters quantitativ
überschaubar geblieben, seinen Werken wird durchwegs höchste Qualität
zugemessen. Eine handwerkliche Qualität vor allem, der sich der junge
Jan Tomas schon an der Prager Filmhochschule verpflichtet fühlte.
Seine Kindheit wurde vom Nationalsozialismus überschattet: Der
jüdische Vater floh nach Südamerika, Mutter und Stiefvater wurden vor
den Augen des Siebenjährigen nach Auschwitz deportiert. Verwandte
organisierten nach dem Krieg einen Platz in einer Internatsschule für
ihn, wo schon bald sein Interesse am Theater und an den Filmen von
Buster Keaton und Charlie Chaplin erwachte.

1964 legte Milos Forman seinen ersten Spielfilm vor. Erfolgreich auf
mehreren Festivals, wurde "Der Schwarze Peter" von der
kommunistischen Regierung der Tschechoslowakei jedoch abgelehnt. Die
Geschichte eines aufmüpfigen Teenagers wurde als "provokativ",
"komödiantisch" und für einen "kommunistischen" Film nicht passend
angesehen. Für Forman wiederum war dies entscheidend, seinem Stil
treu zu bleiben. Das hatte absehbare Konsequenzen: Die 1968 gedrehte
Gesellschaftssatire "Der Feuerwehrball" wurde in der Tschechoslowakei
verboten. Das kommunistische Regime empfand den Filmemacher als
störenden Nestbeschmutzer, doch dieser wollte nicht klein beigeben.
Er setzte auf das Demokratisierungsprogramm des liberalen
kommunistischen Parteichefs Alexander Dubcek. Der damit verbundene
aufkommende Prager Frühling wurde aber im August 1968 durch
Warschauer-Pakt-Truppen brutal beendet. Milos Forman, zu
Filmverhandlungen gerade in Paris, wurde vom eigenen Studio
denunziert. Eine Heimkehr war nicht mehr möglich. Er reiste in die
USA, lieferte schon 1971 mit "Taking off" den ersten offiziellen
US-Beitrag für die Filmfestspiele Cannes und wurde mit dem Hauptpreis
der Jury belohnt.

1975, im Jahr seiner Einbürgerung in die USA, sollte Forman mit
"Einer flog über das Kuckucksnest" sein erstes Meisterwerk vorlegen,
das in allen fünf Hauptkategorien mit einem Oscar bedacht wurde. Nach
"Hair" 1979 und "Ragtime" 1981 forcierte Milos Forman wieder die
Filmbiografie in seinem Schaffen. Im Mittelpunkt der Geschichten
stehen kontroverse Persönlichkeiten, Individuen, Nonkonformisten,
Helden des Alltags. Immer wieder dreht es sich dabei um historische
Persönlichkeiten wie auch in "Amadeus". 1985 wurde das Biopic über
Wolfgang A. Mozart mit acht Oscars als einer der besten Filme aller
Zeiten gewürdigt.

Mit einem Film über den provokanten amerikanischen Verleger Larry
Flint ("Larry Flint - Die nackte Wahrheit", 1996), den exaltierten
Performancekünstler Andy Kaufman ("Der Mondmann", 1999) und den
spanischen Maler und Grafiker Francisco de Goya ("Goyas Geister",
2006), führte Forman seine ihm eigene Filmemacher-Handschrift fort -
immer daran interessiert, Menschen zu beobachten, die sich gegen den
Wind stellen, Nichtgefügige, Unangepasste.

Milos Forman: "Mich interessiert immer das konfliktfreudige
Individuum, das sich gegen die Institution erhebt. Nebensächlich, ob
es damit scheitert oder Erfolg hat."

Der "Kulturmontag" steht als zeitnahe Servicewiederholung jeweils am
Dienstag im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und
Information und ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar.

Rückfragehinweis:

ORF-Pressestelle
   Alexandra Wittenberg
   Tel.: (01) 87878 - DW 12238
   http://presse.ORF.at

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