OTS0134   16. Feb. 2012, 11:50

Sery-Froschauer: "Werbekonjunktur auf Rekordkurs? Antizyklische Investition in Werbung wirkt"

Euro-Krise schlägt nicht auf die Werbewirtschaft durch - Appell an die Politik, den Konjunkturmotor nicht abzuwürgen


"Österreichs Werbewirtschaft hat 2011 ein
gutes Jahr hinter sich; allerdings lief der Werbemotor bis zur durch
die Lehman-Pleite ausgelöste Krise - angetrieben durch die
Fußballeuropameisterschaft 2008 - noch besser. Der Ausblick auf 2012
entwickelt sich - entgegen dem gesamtwirtschaftlichen Trend -
außerordentlich positiv", fasst Angelika Sery-Froschauer, Obfrau des
Fachverbandes Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ), zur aktuellen Auswertung des WIFO-Werbeklimaindex
zusammen. Und weiter: "Die Ergebnisse sind für uns alle
überraschend. Sie zeigen aber jedenfalls eines: Anti-zyklische
Investition in Werbung wirkt." Für 2012 ist im Euro-Raum mit keinem
weiteren Anstieg der Wirtschaftsleistung zu rechnen. Während in der
Folge auch die heimische Konjunktur merklich an Dynamik verlieren
wird, überwiegen unter den Werbeunternehmern die Optimisten.

Sery-Froschauer & Pavlovec-Meixner: Praxistaugliches
Lobbying-Gesetz beschließen!

Die Werbe- und PR-Branche kann sich zwar einerseits über
hervorragende Konjunkturaussichten freuen, allerdings bereiten uns
voreilige politische Schnellschüsse wie das Lobbying-Gesetz große
Sorge", so Andrea Pavlovec-Meixner, Obfrau-Stellvertreterin im
Fachverband Werbung und Marktkommunikation: "Der Letztentwurf zum
Lobbying-Gesetz bringt ungerechtfertigte Bürokratisierungen und
Verwaltungskosten für die gesamte PR-Branche mit sich und würde
besonders KMUs und Ein-Personen-Unternehmen hart treffen. Transparenz
ist der Branche ein großes Anliegen, doch durch dieses Gesetz wird
die Zielsetzung, unsauberes Lobbying zu vermeiden, nicht erreicht
werden. Weil ein paar Politikerinnen und Politiker mit Lobbying nicht
umgehen können, müssen tausende seriöse Unternehmerinnen und
Unternehmer in der PR- und Kommunikationsbranche reguliert werden!"

Nachfrage nach Werbedienstleistungen hat im 4. Quartal 2011 weiter
zugenommen

Gerhard Schwarz, Wirtschaftsexperte im Österreichischen
Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) schildert die positiven
Ergebnisse im Detail: "Die Nachfrage nach Dienstleistungen im Bereich
Werbung und Marktkommunikation hat im 4. Quartal 2011 weiter
zugenommen." 41 Prozent der befragten Unternehmer berichten von einem
Anstieg, gegenüber acht Prozent, die sich mit rückläufiger Nachfrage
konfrontiert sahen. Auch die Geschäftslage der Werbewirtschaft hat
sich sehr positiv entwickelt: Rund 36 Prozent der befragten
Unternehmen berichten von einer verbesserten Geschäftslage: Dem
stehen wiederum zehn Prozent gegenüber, deren Geschäftslage sich
verschärft hat.

Die Auftragslage ist weiterhin gut: 82 Prozent der Unternehmen
melden ausreichende oder sogar mehr als ausreichende
Auftragsbestände. Ihre Kapazitäten haben die Werbetreibenden mit 89
Prozent gut ausgelastet. 27 Prozent geben sogar an, ihre Kapazitäten
voll ausgelastet zu haben.

Kommunikationsbranche in Deutschland und Österreich ist
Europameister"

"Erstmals stellen wir die Ergebnisse einer europaweiten Auswertung
des Konjunkturtests für die Werbewirtschaft vor", so Sery-Froschauer.
Die Europäische Kommission koordiniert europaweit die Durchführung
harmonisierter Konjunkturumfragen. Die Daten für Österreich stammen
dabei aus dem WIFO-Konjunkturtest, der auch die Grundlage für das
WIFO-Werbeklima bildet. Die Kommission ermittelt aus den gesammelten
Daten monatlich den so genannten "Vertrauensindikator", der die
aktuellen Entwicklungen und Erwartungen der Unternehmen zusammen
fasst und der auch spezifisch für die Werbewirtschaft vorliegt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Werbewirtschaft derzeit vor allem in
reifen Industrieländern mit hohen Wachstumsraten gut dasteht
(Deutschland, Österreich, Schweden). Deutlich schlechter entwickelt
sie sich in den Krisenländern Griechenland, Italien, Portugal und
Spanien, aber auch im Vereinigten Königreich. Sery-Froschauer: "Dies
unterstreicht, dass die Werbewirtschaft nur in einem gesunden
wirtschaftlichen Umfeld prosperieren kann. Eine Entkopplung der
Nachfrage nach Kommunikationsdienstleistungen von der allgemeinen
wirtschaftlichen Entwicklung hat europaweit bis dato nicht
stattgefunden."

Werbung gibt im 1. Quartal 2012 Vollgas

Die derzeitige Abkühlung der Wirtschaft hat somit auf die
Konjunkturausblicke der österreichischen Werbeunternehmen im
Allgemeinen noch nicht durchgeschlagen. Für das 1. Quartal 2012 und
die unmittelbare Zukunft bleiben die Firmen der Werbung und
Marktkommunikation weiterhin sehr zuversichtlich. Je 34 Prozent der
Unternehmen rechnen weiterhin mit einem weiteren Anziehen der
Nachfrage und einer verbesserten Geschäftslage. Damit überwiegen die
Optimisten weiterhin deutlich gegenüber jenen 7 Prozent der
Unternehmen, die eine sinkende Nachfrage und jenen 9 Prozent, die
eine schlechtere Geschäftslage erwarten.

Ost-West-Gefälle bleibt bestehen und wieder gute Auftragslage in
Wien

Dabei zeigen sich jedoch regionale Unterschiede. "Österreichs
Kommunikationsbranche verzeichnet wie schon im Vorquartal ein
deutliches West-Ost-Gefälle", so Sery-Froschauer: "Während die
aktuelle Lage in ganz Österreich positiv beurteilt wird, fallen die
Erwartungen für die kommenden Monate in Wien deutlich skeptischer aus
als in Westösterreich." So erwarten die Wiener Unternehmen in Summe
ein Stagnieren der Nachfrage und tendenziell eine Verschlechterung
ihrer Geschäftslage. Die Westösterreichischen Unternehmen rechnen
dagegen weiterhin mit einer umfassenden Ausweitung der Nachfrage und
einer sehr günstigen Entwicklung ihrer Geschäftslage. Die
vorliegenden Daten an sich können dieses West-Ost-Gefälle nicht
erklären. "Ich vermute dahinter die bevorstehenden
Konsolidierungsmaßnahmen des Bundes und die schwache
Wirtschaftsentwicklung in unseren östlichen Nachbarländern, die auf
die in Wien vergebenen Werbebudgets ausstrahlen werden.", so
Sery-Froschauer.

Jedes 4. Unternehmen will Personal aufnehmen

In der Werbewirtschaft herrscht weiterhin Bedarf an qualifizierten
Arbeitskräften. Ein knappes Zehntel der Werbeunternehmen gibt an,
derzeit primär durch Arbeitskräftemangel in der Geschäftstätigkeit
behindert zu sein. Rund ein Fünftel der befragten Firmen will im 1.
Quartal 2012 Personal aufnehmen. Dem stehen "nur" 6 Prozent der
Werbeunternehmen gegenüber, die sich zu einem Abbau von Beschäftigten
gezwungen sehen.

Staatsschuldenkrise erfasst die Realwirtschaft

Als Reaktion auf die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum nehmen viele
Euro-Länder Einschnitte in ihrem Staatshaushalt vor. Dies wird die
Binnenkonjunktur im Euro-Raum belasten und trifft die Wirtschaft
zeitgleich mit einer Abschwächung der Weltkonjunktur."Wir gehen davon
aus, dass die österreichische Wirtschaft erst ab 2014 wieder merklich
an Dynamik gewinnen wird", interpretiert Schwarz die WIFO-Prognose
für 2012 und 2013. "Maßvolle und nachhaltig wirksame Konsolidierungs-
und Reformmaßnahmen im öffentlichen Bereich dürfen die Konjunktur
mittelfristig nicht allzu stark dämpfen," appellieren Sery-Froschauer
und Pavlovec-Meixner abschließend an die Politik. (JR)

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0134 2012-02-16 11:50 161150 Feb 12 PWK0002 0904



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