WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Gezeitenwende an Europas Aktienmärkten - von Alexander Hahn
Der Aufschwung an den Börsen ist mehr als eine Eintagsfliege
Wien (OTS) - Einen Kavaliersstart haben die Aktienbörsen im neuen
Jahr aufs Parkett gelegt. Mit zweistelligen Prozentgewinnen zeigten
die Märkte in Frankfurt und Wien die beste Entwicklung seit mehreren
Jahren. Freilich stellt sich angesichts dieses rasanten Anstiegs die
Frage, ob sich dieser Kursaufschwung als nachhaltig herausstellen
wird.
Sicher kann es nicht in diesem Tempo weitergehen, die Märkte haben
sich eine Verschnaufpause mehr als verdient. Des Weiteren steht fest,
dass wir auch 2012 nicht in der besten aller Welten leben - weder die
Schuldenkrise noch der Iran-Konflikt sind einer dauerhaften Lösung
nahe. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass die stürmische
Entwicklung der Börsen vielerorts mit großem Misstrauen gesehen wird.
Bei genauerer Betrachtung sind jedoch sämtliche Zutaten für ein gutes
Börsenjahr in Europa gegeben.
Das Problem der Staatsschulden ist zwar nicht vom Tisch, sehr wohl
jedoch die Ansteckungsgefahr für Europas Banken, welche die EZB mit
einer halben Milliarde Euro bis auf Weiteres fit gespritzt hat. Damit
wird die griechische Tragödie zum Nebenschauplatz, denn für die
Konjunktur in Europa spielen weder die Griechen noch die Portugiesen
eine tragende Rolle. Diese fällt vor allem Deutschland zu, und es
gibt einige Anzeichen, dass sich die deutsche Wirtschaft heuer besser
entwickeln wird als noch vor Kurzem befürchtet.
Zudem erweist sich die schlechte Stimmung des Vorjahres rückblickend
als heillos übertrieben. Ebenso wie manische Stimmung stets zum
Höhepunkt eines Börsenaufschwungs auftritt, herrscht Panik am Ende
einer Abwärtsbewegung. Wenn Deutschland Ende 2011 für eine
kurzfristige Finanzierung negative Zinsen erzielte, also fürs
Geldausborgen bezahlt wurde, dann sollte dieses Kuriosum als Beweis
für die nackte Angst der Marktteilnehmer gesehen werden.
Diese Entwicklung hat die Bewertungen europäischer Aktien derart in
den Keller getrieben, dass für die Kurse nun ausreichend Spielraum
nach oben besteht. Jene Investoren, die sich noch mit Renditen unter
der Inflationsrate von sicheren deutschen Staatsanleihen begnügen,
werden ihre Skepsis sukzessive abbauen, wenn andere mit Aktien gutes
Geld verdienen. Und sie werden die Folgekäufer von morgen und
übermorgen sein, die das Jahr 2012 als ein sehr gutes in die
Börsengeschichte eingehen lassen werden.
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at














