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OTS0121   9. Feb. 2012, 12:33

Weihbischof Laun in "Am Punkt": Wenn man "Gott eliminiert, wird man krank"

Heftige Debatte in ATV-Diskussionssendung über Ursachen psychischer Krankheiten


Mehr als 900.000 Österreicher jährlich werden wegen
psychischer Probleme behandelt. In der ATV-Diskussionssendung "Am
Punkt" wurde gestern darüber gestritten, wieso immer mehr Menschen
Hilfe brauchen. Der deutsche Managementberater und Bestsellerautor
("Die Entscheidung liegt bei Dir!", "Das Prinzip
Selbstverantwortung") provozierte mit der These, dass die Menschen
keine Verantwortung mehr für ihr eigenes Leben übernehmen würden. Es
gebe eine Tendenz zur "organisierten Unverantwortlichkeit, das
Abschieben auf Experten, in Therapie gehen", dabei wäre
"Selbstdisziplin doch auch eine Möglichkeit der Selbsthilfe."

Die Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für
Psychotherapie, Eva Mückstein, widersprach heftig: "Sie sprechen
genau davon, was psychisch Kranke immer wieder zu hören bekommen: Sie
sind selber an ihrem Unglück schuld, sie sind willensschwach, sie
haben nicht genug Motivation, ihr Leben in die Hand zu nehmen. All
diese Stigmatisierungen gehen so weit vorbei an der Realität, dass
Sie damit den Betroffenen wirklich ein Leid antun, wenn Sie so etwas
sagen."

Der ehemalige ORF-Moderator Gerald Groß, der früher selbst mit
einem Burnout zu kämpfen hatte und über Panikattacken berichtete,
sieht ähnlich wie Sprenger zumindest eine Tendenz, dass manche
Menschen sich selbst sehr schnell ein Burnout zuschrieben. In "Am
Punkt" sagte er: "Das, was wir heute so auch ein bisschen flapsig und
salopp als die Flucht ins Burnout bezeichnen, ist schon auch ein
volkswirtschaftliches Problem und da denke ich mir manches Mal schon
auch, wenn ich dann diese sogenannten ehemaligen Burnoutopfer treffe,
bei Extremsportarten, die beim Wien Marathon mitlaufen, dann habe ich
irgendwie etwas falsch gemacht." Allerdings betonte Groß auch, dass
es sehr oft auch wirkliches Leid gebe: "Soziale Zwänge und überzogene
Erwartungshaltungen machen die Seele krank. Sich das einzugestehen,
erfordert Mut."

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun machte in "Am Punkt" die
Abkehr vom Glauben verantwortlich für psychische Leiden: "Wenn es
wahr ist, wovon ich überzeugt bin, wenn der Mensch auf Gott hin
geschaffen ist, es zu seiner Natur gehört, und du eliminierst Gott
total, dann wird man krank." Gleichzeitig übte er Selbstkritik: "Ich
erinnere mich an eine Psychiaterin in Salzburg, die mir gesagt hat:
Seit eure Beichtstühle leere sind, sind unsere psychiatrischen
Wartezimmer gefüllt. Das gibt uns natürlich zu denken, wir sagen, was
haben wir falsch gemacht, dass die Leute mit ihrer Schuld, ihrer Not
nicht zu uns kommen wollen."

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0121 2012-02-09 12:33 091233 Feb 12 ATP0001 0398



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