Furniture Summit Istanbul: "Wir fordern faire Wettbewerbsbedingungen"
Europäer setzen sich auf dem EFIC/CAFA Möbelgipfel für das Grundprinzip des fairen und freien Handels ein
Wien/Istanbul (OTS/PWK095) - Dem gegenseitigen Kennenlernen
diente das Gipfeltreffen während der Möbelmesse iMOB in Istanbul.
Erstmals trafen sich dort Ende Januar auf Einladung des Verbandes
türkischer Möbelhersteller (MOSDER) Vertreter des Verbandes der
Europäischen Möbelindustrie EFIC (European Furniture Industries
Confederation) mit ihren asiatischen Kollegen vom CAFA (Council of
Asia Pacific Furniture Associations). "Wir fordern faire
Wettbewerbsbedingungen für die europäische Möbelindustrie", erklärte
Markus Wiesner, der EFIC-Vorsitzende aus Österreich, der auch
erfolgversprechende Strategien europäischer Möbelhersteller im
Wettstreit mit den deutlich billiger produzierenden Unternehmen aus
Asien erläuterte. Die wichtige Rolle des Gastgeberlandes als
Drehscheibe zwischen Europa und Asien wurde von ihm hervorgehoben.
Die Möbelindustrie in der Türkei boomt mit Wachstumsraten von mehr
als 10 % und einem Exportzuwachs von 20 %. Stolz verkündete der
MOSDER-Vorsitzende Ramazan Davulcuoglu, dass sein Land nicht nur
anstrebe, 2012 Möbel im Wert von 2 Mrd. US-Dollar zu exportieren,
sondern zudem ein weiteres ehrgeiziges Ziel verfolge: den Aufstieg
der Türkei unter die Top Ten der Möbelexporteure innerhalb der
nächsten fünf Jahre. Noch belegt das Land in dieser Rangliste den 21.
Platz.
Beeindruckt von der Leistungsstärke der türkischen Möbelindustrie
zeigte sich der CAFA-Vorsitzende Dr. Lim Check Sin aus Singapur. "Die
Türkei versteht das Geschäft", erklärte er. Auf der Messe gäbe es
viel Sehenswertes zu entdecken. Beim Möbelgipfel träfen zwei Teile
der Welt aufeinander. Europa sei ein Weltmarkt, und die CAFA sei hier
der Vertreter Asiens.
Der türkischen Möbelindustrie traut auch der österreichische
EFIC-Vorsitzende Markus Wiesner viel zu. Die Türkei könne von ihrer
Brückenlage zwischen Ost und West profitieren. "Design ist Ausdruck
einer Kultur", erklärte Wiesner. Dass die Türkei reich an kultureller
Vielfalt sei, wirke sich positiv auf das Design aus, das in Europa
immer mehr Anklang finde.
Doch es sind nicht die Möbelimporte aus der Türkei, sondern die
rasant wachsenden aus Asien, die dem europäischen Verband Sorgen
bereiten und zur Bedrohung für viele der ca. 1,5 Millionen
Arbeitsplätze in den rund 150 000 meist kleinen oder
mittelständischen Produktionsbetrieben werden. Um rund 50 Prozent
günstiger können Möbel in Fernost aufgrund niedrigerer Löhne, weniger
anspruchsvollen Arbeitsplatz- sowie Umweltstandards produziert
werden. Um im ungleichen Wettbewerb bestehen zu können, setzen die
EFIC-Mitglieder zunehmend auf Qualität, hochwertiges Design,
auftragsbezogene Fertigung, neueste Technologie, minimale
Lagerhaltung und geringe Lieferzeiten. "Erfolg hat die europäische
Möbelfertigung nur, wenn es ihr gelingt, sich immer wieder neu zu
erfinden und mit innovativen Produkten zu überzeugen", erklärte
Wiesner.
Der Druck für die EFIC-Mitgliedsländer, die etwa 66 Prozent des
europäischen Möbelumsatzes produzieren, ist groß. Während die
Möbelproduktion in Italien und Deutschland - den beiden
wirtschaftlich bedeutendsten Produktionsländern der EU - in den
Krisenjahren 2009 und 2010 deutlich auf einen Wert von je rund 20
Mrd. US-Dollar schrumpfte, kletterte er in China im selben Zeitraum
von rund 90 auf 130 Mrd. US-Dollar. Die Vorherrschaft Chinas
verdeutlicht noch eine andere Zahl: Das Land exportiert heute 46
Prozent mehr Möbel nach Europa als 2005, obwohl die
Gesamtmöbeleinfuhren wertmäßig nur um 12,6 Prozent höher liegen.
"ID Card" für Möbel schafft Transparenz
Eine Verbesserung der eigenen Situation verspricht sich die EFIC,
wenn ein Vorschlag des Europäischen Wirtschafts- und
Sozialausschusses (EWSA) umgesetzt wird: eine
"Wettbewerbsfähigkeitsprüfung". Vorgesehen ist, dass sie vor
Unterzeichnung eines Handels- und Partnerschaftsabkommens zwischen
der EU und Drittländern ebenso eingeführt wird wie eine "ID Card" für
Möbel, auf dem die präzise Bezeichnung, die Herkunft, jegliche im
Produkt enthaltene für den Menschen oder die Umwelt schädliche
Materialien und Substanzen, Angaben zu den verwendeten Materialien
und Produktionsverfahren, sofern sie für die Qualität oder
Eigenschaften des Produkts von Bedeutung sind, und die
Gebrauchsanleitung vermerkt sein sollen.
Schützenswert ist die Möbelindustrie in der Europäischen Union,
weil sie durch die vielfältige Verwendung von Holz Vorreiter der
"green economy" ist, einem Hauptziel der EU für die Zukunft. Auch
als Arbeitgeber hat sie große Bedeutung. In Italien verdienten sich
mit 363.000 Beschäftigten die meisten Menschen in diesem Sektor ihren
Lebensunterhalt, gefolgt von Polen, Deutschland, Spanien und
Großbritannien. Der Umsatz der Möbelindustrie lag 2008 bei ca. 110
Milliarden Euro.
"Wir wehren uns gegen Wettbewerbsverzerrungen", versicherte Markus
Wiesner. Not macht jedoch auch erfinderisch und fördert die
Kreativität, die im Konkurrenzkampf mit preisgünstigeren Möbeln
überlebenswichtig ist, um Kunden für sich zu gewinnen. Die EFIC
glaubt, dass das 2012 wieder besser gelingen kann und rechnet deshalb
trotz aller Probleme mit einem leichten Wachstum der Möbelproduktion.
(US)
Fr. Dolunay Yerit
Schwarzenbergplatz 4,
1030 Wien
Tel.: +43 (0)1 / 712 26 01,
Fax: +43 (0)1 / 713 03 09
office@moebel.at,
www.moebel.at















