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OTS0212   8. Feb. 2012, 20:38

Die Charité braucht Sicherheit


Das Ziel scheint auf den ersten Blick nicht wirklich
ambitioniert: Vermeintlich "nur" 4,5 Millionen Euro will die Charité
in diesem Jahr als Überschuss erwirtschaften. Denn der Umsatz von
Deutschlands größtem Universitätsklinikum liegt bei 1,39 Milliarden
Euro. Doch die 4,5 Millionen Euro sind ein Zeichen: Die Uniklinik mit
ihren 13.500 Mitarbeitern hat nach Jahrzehnten, die durch Defizite
geprägt waren, den wirtschaftlichen Turnaround geschafft. Wenn nach
einer schwarzen Null im vergangenen Jahr in diesem Jahr ein kleiner
Gewinn erwirtschaftet wird, ist das die Leistung des Vorstands, der
sein dreijähriges Sanierungsprogramm auch gegen viele Widerstände
durchgesetzt hat. Aber es ist auch die Leistung der vielen Ärzte,
Schwestern, Pfleger und Mitarbeiter in der Verwaltung, die in den
vergangenen Jahren vieles mittragen mussten. Denn bei allem Sparen -
die Charité gehört seit Jahren zu den besten Gesundheitseinrichtungen
Europas. Das zeigen nicht nur die vielen wissenschaftlichen
Leistungen, sondern auch eine Zahl: 150 Millionen Euro an
Drittmitteln konnte das Klinikum im vergangenen Jahr einwerben. Das
ist deutschlandweit Spitze. Während es nach außen viel Glanz gibt,
liegt über der Charité nach innen aber auch ein Schatten. Die Klinik
leidet an der maroden Bausubstanz, vor allem an den Standorten in
Mitte und in Steglitz-Zehlendorf. Wenn nun schon keine Versicherung
mehr für Wasserschäden aufkommen will, zeigt das eine dramatische
Entwicklung. 33 Millionen Euro bekommt die Charité vom Land Berlin
für Investitionen pro Jahr. Notwendig wären aber 100 Millionen Euro.
Eine Entlastung soll hier die für 2013 bis 2016 avisierte Sanierung
des Bettenhochhauses in Mitte bringen. Hier ist die Charité-Führung
gefordert, dass die Kosten eingehalten werden. Andererseits braucht
der Vorstand auch die Rückendeckung der Politik. Wenn - wie vor
einigen Wochen geschehen - der neue Senat die Sanierung wieder
infrage stellt, könnte das Vorhaben um Jahre zurückgeworfen werden.
Denn die Charité ist weit mehr als ein Aushängeschild für Berlin. Und
sie ist weit mehr als ein Ausbildungsbetrieb für angehende Mediziner
(die Zahl der Studenten pro Jahr liegt bei 700). Das international
angesehene Klinikum gehört neben dem landeseigenen Krankenhauskonzern
Vivantes zu den Wachstumsmotoren der Gesundheitswirtschaft. Viele der
Arbeitsplätze an dem Klinikum sind qualitativ hochwertig.
Gleichzeitig hängen viele weitere Jobs im Dienstleistungsbereich an
dem Gesundheitskonzern. Auch wenn der Gewinn in 2012 "nur" 4,5
Millionen Euro sein soll - die Menschen, die von der Arbeit im
Klinikum leben, stärken die Wirtschaftskraft in der Hauptstadt. Vom
Image-Gewinn für die Wissenschafts- und Forschungsmetropole ganz zu
schweigen. Der Vorstand der Charité ist gefordert, den hohen
Leistungsstand der vergangenen Jahre zu halten und die
Wirtschaftlichkeit weiter zu verbessern. Das ist sicherlich nicht
leicht. Der neue Senat muss dem Universitätsklinikum dafür aber
Sicherheit bei den Rahmenbedingungen geben. Nur so kann sich das
Unternehmen weiterentwickeln - zum Wohl der Stadt.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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