- 08.02.2012, 18:15:30
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Gleiches Recht für alle statt Erbsenzählerei - von Esther Mitterstieler
Warum soll jeder gleich viel Maut zahlen, egal, wie weit er fährt?
Wien (OTS) - Was wir uns längstens denken konnten, kristallisiert
sich dieser Tage fein säuberlich heraus: Das seit Wochen in
verschiedensten Medien zizerlweise lancierte Sparpaket wird ein
unfeiner Steuerhammer. Steuererhöhungen sind nicht nur eigentlich
eine Provokation, wie es Hannes Androsch, Industrieller und selbst
ehemals Finanzminister der Republik, bezeichnet - auch uneigentlich
sind Steuererhöhungen das inadäquateste Mittel, Budgetlöcher auf
lange Sicht zu stopfen.
Sprich: Statt langfristig Reformen umzusetzen, werden kurzfristig.
Erbsen gezählt. Und jeder Bereich ist in irgendeiner Form betroffen:
Die Beamten wüten, weil sie sich doppelt angegriffen fühlen. Von
einem Arbeitsplatzsicherungsbeitrag bis Ende der automatischen
Gehaltsvorrückungen alle zwei Jahre ist die Rede, aber auch von
Abschaffung des Versetzungsschutzes (dass es so etwas gibt, ist ja
nun wirklich unglaublich). Die Bauern und Selbstständigen müssen
höhere Beiträge in die Pensionsversicherung einzahlen,
Besserverdienende ab 150.000 Euro Jahreseinkommen sollen einen
Solidarbeitrag leisten, die Höchstbeitragsgrundlage für die
Sozialversicherung soll angehoben werden et cetera, et cetera.
Was die Regierung bei all diesen Maßnahmen vergisst, sind die
psychologischen Effekte der Geldeintreiberei. De facto fühlt sich
jeder im Land drangsaliert. Warum leistet sich die Regierung schon
wieder eine unsägliche Erbsenzählerei und greift nicht dorthin, wo es
sich langfristig auszahlt? Das Pensionsantrittsalter könnte man
erhöhen, indem unnötige Frühpensionierungen mit Abschlägen für
Betriebe wie für Arbeitnehmer gelten. Wenn Beamte alle zwei Jahre
Gehaltssprünge haben und Journalisten alle fünf Jahre, ist das nicht
zeitgerecht: Automatische Vorrückungen schaden nachhaltig jeder
Seite. Das macht Arbeitnehmer zu teuer und leider letztendlich auch
zu Mobbingobjekten. Besser wäre es, hier einen leistungsgerechten
Schlüssel zu finden, der die Tüchtigen wirklich belohnt - aber bitte
abseits persönlicher Sympathien und per Benchmark, damit die
Unternehmen auch die Richtigen belohnen. Statt Lohnnebenkosten zu
erhöhen, müssten diese heruntergeschraubt werden, den Leuten würde
mehr in den Taschen bleiben und sie könnten leichter einen Beitrag
leisten. Überhaupt wäre ein kostenorientiertes Vorgehen
wünschenswert. Warum soll ein Autofahrer, der 100.000 Kilometer pro
Jahr auf Österreichs Autobahnen fährt, gleich viel Maut zahlen wie
einer, der 2000 Kilometer fährt? Noch Fragen? Das ist Österreich, wie
es leibt und lebt.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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