AK-Präsident Kalliauer: Arbeit besser verteilen und Vollarbeitszeit verkürzen!
Linz (OTS) - Die Wirtschaftskammer fordert eine Verlängerung der
Wochenarbeitszeit für bestimmte Branchen, Verschärfungen beim
Pensionszugang und eine schlechtere Absicherung bei Arbeitslosigkeit.
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer weist diesen ökonomisch und sozial
unsinnigen Vorstoß vehement zurück und fordert stattdessen eine
bessere Verteilung der Arbeit, eine Verkürzung der Vollarbeitszeit
und gesunde Arbeitsbedingungen.
Eine Verlängerung der Wochen- und der Lebensarbeitszeit führt nur
zu noch mehr Arbeitslosigkeit und gesundheitlicher Belastung der
Beschäftigten. Die Unternehmen haben es durch die Gestaltung der
Arbeitsbedingungen und ihre Personalpolitik selbst in der Hand,
älteren Arbeitnehmern/-innen Beschäftigung bis zum Antritt der
Alterspension zu ermöglichen. Im Bad Ischler Dialog sind daher auch
die auf Unternehmensebene zu ergreifenden Maßnahmen besonders betont
worden. Und auch die Frage, wie Überstundenzuschläge zu vermeiden
sind, ist leicht zu beantworten: durch die Einstellung zusätzlichen
Personals!
Vollzeitbeschäftigte arbeiten im Schnitt der Euroländer 39 Stunden
pro Woche. Hierzulande dauert eine Vollzeitwoche aber 40,7 Stunden im
Schnitt (3. Quartal 2011, Eurostat). Das bedeutet eine Menge
Überstunden aufgrund verfehlter Personalpolitik und geht auf Kosten
der Beschäftigten und der ganzen Gesellschaft. "Überlange
Arbeitszeiten und schlechte Arbeitsbedingungen machen krank und
kosten Arbeitsplätze", warnt Kalliauer. Allein im 3. Quartal 2011
wurden 5,5 Millionen Überstunden geleistet - und das zu knapp einem
Viertel unbezahlt! "Wir brauchen eine kürzere statt längere
Arbeitszeit, das schafft Jobs und erhöht die Lebensqualität", fordert
der AK-Präsident.
Eine wirksame Maßnahme für eine effektiv kürzere Vollarbeitszeit
ist die Verteuerung von Überstunden. "Lässt ein Betrieb übermäßig
viel Überstunden arbeiten, muss er höhere Arbeitgeberbeiträge
zahlen", schlägt Kalliauer vor. Wird es hingegen für Betriebe noch
billiger, die Beschäftigten länger arbeiten zu lassen, indem lange
Arbeitszeiten nicht mehr als Überstunden gelten, verlieren die
Betroffenen Lohn. Der Effekt auf den Arbeitsmarkt ist doppelt
negativ: Zum einen kriegen die mehr als 300.000 Arbeitsuchenden noch
schwerer einen Job. Zum anderen dämpft der Einkommensverlust wegen
des Wegfalls des Überstundenzuschlags die Konsumnachfrage. All dies
schwächt die wackelige Konjunktur weiter und verschärft die
Arbeitslosigkeit.
Geradezu ein Hohn ist es, die Invaliditätspension als
"Schlupfloch" zu bezeichnen und die ohnehin von hohem Armutsrisiko
betroffenen Arbeitsuchenden mit finanziellen Einbußen zu bestrafen.
Für hohe Krankenstandszahlen und Invalidisierungsraten müssen die
Betriebe in die Pflicht genommen werden und gesundheitsfördernde
Bedingungen schaffen. Die Beschäftigten wissen, wie das gehen kann.
Jede/-r Zweite wünscht sich eine Verringerung der Arbeitszeit, damit
er/sie die Arbeit bis 60/65 auch schaffen kann. "Arbeit fair teilen,
kürzere Vollzeit und gesunde Arbeitsbedingungen sind der Weg zu mehr
Beschäftigung, Lebensqualität und Gesundheit", so Kalliauer.
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