OTS0139   7. Feb. 2012, 13:39

Schatz: Arbeitsbedingungen im Tourismus werden Jahr für Jahr mieser

Jammern ist zu wenig, mutige Initiativen sind gefragt


"Mich wundert es nicht, dass der Tourismus zunehmend
zur Fluchtbranche wird", meint Birgit Schatz,
ArbeitnehmerInnensprecherin der Grünen. Jede/r dritte Arbeitnehmer/in
will den Arbeitgeber- oder die Branche wechseln und die Zahl der
Lehrlinge geht seit Jahren zurück. "Die Probleme sind lange bekannt:
massive Verstöße gegen das Arbeitszeit- und Jugendschutzgesetz,
Niedriglöhne, keine Aufstiegschancen und 'hire and
fire'-Arbeitsplätze. In diesem gesamten Sektor muss dringend
aufgeräumt werden. Das wirtschaftliche Aushängeschild Österreichs
muss ein akzeptabler Arbeitsmarkt werden", fordert Schatz.

"Die Verantwortlichen versagen aber bisher komplett", meint Schatz
und erläutert: Die Gewerkschaft ist zu zahm, die Abschlüsse bei
Kollektivvertragsverhandlungen zu niedrig, was ein Mindestlohn von
1200 Euro (seit 2011) zeigt. Die Hälfte aller Beschäftigten kommt mit
ihrem Einkommen nicht aus und ist auf Unterstützung durch Angehörige
angewiesen. Viele arbeiten mit All-In-Verträgen, weit über zehn
Stunden pro Tag, was die Situation nochmals verschärft.
Von Versprechungen im Regierungsprogramm a la "Attraktivierung der
Ausbildungs- und Arbeitsplatzqualität insbesondere für Lehrlinge im
Tourismus" ist man meilenweit entfernt. Minister Hundstorfer ruht
sich gerne auf den hohen Zahlen an offenen Lehrstellen aus, die fast
nur durch das Gastgewerbe zu Stande kommen.

Er selbst fand ja noch vor geraumer Zeit, man könne die Jungen ruhig
ins Gastgewerbe in die westlichen Bundesländer schicken. Die Aussagen
des Ministers sind zynisch. " Ich würde jedem abraten, eine Lehre in
der Branche zu machen, bevor sich nichts Grundlegendes ändert", meint
Schatz.
"Seit Jahrzehnten kennt man die Missstände, die Einkommenssituation
wird immer schlechter. Wann werden endlich Konsequenzen von den
Verantwortlichen gezogen? Der nächste Kollektivvertrag muss deutliche
Verbesserungen bringen, einen Mindestlohn von 1350 Euro, die
Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung, die im Tourismus
Schwarzarbeit fördert und der All-In Verträge. Weiters fordern wir
eine Umsetzung des Regierungsprogramms und eine Aktion scharf, damit
Arbeitsrechte und Kollektivverträge endlich eingehalten werden", sagt
Schatz.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0139 2012-02-07 13:39 071339 Feb 12 FMB0005 0317



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