Creditreform - INSOLVENZEN in Europa 2011/12 - ANHANG
Zentraleuropäische Länder und Peripherieländer mit unterschiedlicher Entwicklung - Insolvenzen, ein Spiegel der Krise
ANHANG zu OTS - Insolvenzen in Europa 2011/12
Wien (OTS) - Die prekäre Lage der Volkswirtschaften Südeuropas
spiegelt sich im Insolvenzgeschehen wider: So finden sich
Griechenland (plus 27,3 Prozent auf 452 Fälle), Spanien (plus 18,7
Prozent auf 5.752 Fälle), Italien (plus 16,9 Prozent auf 11.792
Fälle) und Portugal (plus 17,1 Prozent auf 6.025 Fälle) unter den
Ländern mit deutlichen Zuwächsen bei den Unternehmensinsolvenzen. Der
vergleichsweise guten Entwicklung in den zentraleuropäischen Ländern
wie Deutschland (minus 5,8 Prozent auf 30.200 Fälle), Frankreich
(minus 3,0 Prozent auf 49.506 Fälle), Österreich (minus 7,0 Prozent
auf 6.194 Fälle) und den Niederlanden (minus 2,9 Prozent auf 7.000
Fälle) ist es zu verdanken, dass die Insolvenzsituation in diesem
Jahr kein dramatischeres Ausmaß angenommen hat.
Peripherieländer im Schatten der Schuldenkrise
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den EU-15-Ländern plus
Norwegen und der Schweiz ist im vergangenen Jahr auf 174.917
gestiegen. Damit konnte ein leichter Zuwachs von 0,3 Prozent
gegenüber 2010 registriert werden, als noch 174.463 Unternehmen von
einer Insolvenz betroffen waren. Im historischen Vergleich befindet
sich die Zahl der Insolvenzfälle seit dem Beginn der Finanzkrise
2008/09 auf einem hohen Niveau.
Anstieg bei insolvenzgefährdeten Stellenverlusten - jede dritte
Insolvenz ein Dienstleistungsunternehmen
Die Verschärfung der Lage im europäischen Insolvenzgeschehen hat
sich auf die insolvenzbedingte Arbeitslosigkeit ausgewirkt. So ist
die Zahl der drohenden Arbeitsplatzverluste im Jahr 2011 um 7,1
Prozent auf 1,5 Millionen gestiegen (2010: 1,4 Millionen).
In Westeuropa sank die Zahl der insolventen
Dienstleistungsunternehmen von 65.598 auf 64.544. Jedoch besaß der
Dienstleistungssektor im Jahr 2011 mit 36,9 Prozent immer noch den
größten Anteil am Insolvenzgeschehen. 18.366 Insolvenzen kamen aus
dem Verarbeitenden Gewerbe. Dies entspricht einem Anteil von 10,5
Prozent (2010: 10,9 Prozent; 19.016 Fälle). In den übrigen
Wirtschaftsbereichen haben die Insolvenzzahlen zugenommen. So ist die
Zahl der Firmenzusammenbrüche im Handel und Gastgewerbe von 53.211
auf 54.574 gestiegen. Der Anteil am Insolvenzgeschehen erhöhte sich
binnen Jahresfrist von 30,5 auf 31,2 Prozent. Der Anteil des
Bausektors erhöhte sich von 21,0 auf 21,4 Prozent. Im Jahr 2011
wurden insgesamt 37.432 insolvente Baufirmen registriert (Vorjahr:
36.637 Fälle).
Rückgang bei den Privatinsolvenzen
Die Situation bei den Privatinsolvenzen hat sich entspannt. 2011
wurden in Westeuropa insgesamt 373.284 zahlungsunfähige natürliche
Personen erfasst. Damit wurden rund 5.800 Personen weniger gezählt
als im Vorjahr (379.091 Fälle). Dies entspricht einem Rückgang um 1,5
Prozent. Der Rückgang lässt sich hauptsächlich auf die positive
Entwicklung in Deutschland (minus 5,8 Prozent; 129.800 Fälle) und
Großbritannien (minus 8,8 Prozent; 143.871 Fälle) zurückführen. Ein
deutlicher Zuwachs an Privatinsolvenzen musste in Frankreich (plus
26,4 Prozent; 56.079 Fälle), gefolgt von den Niederlanden (plus 26,0
Prozent; 14.344 Fälle) und Finnland (plus 19,7 Prozent; 3.531 Fälle)
gemeldet werden.
Angespannte Insolvenzsituation in Osteuropa
Das wirtschaftliche Umfeld in den osteuropäischen Staaten wurde zu
einem großen Teil durch die Schuldenkrise und den daraus entstehenden
Konsequenzen in den Ländern Westeuropas bestimmt. Insgesamt ist die
Situation im Angesicht der sich abzeichnenden schwierigen
Kreditsituation für Unternehmen angespannt. So hat die die Zahl der
Firmenzusammenbrüche in Osteuropa um 6,1 Prozent auf 39.423
Insolvenzfälle zugenommen (2010: 37.139 Fälle). Die größten Zuwächse
sind in Bulgarien (plus 114,3 Prozent; 1.500 Fälle), Slowenien (plus
32,4 Prozent; 675 Fälle) und Tschechien (plus 21,5 Prozent; 6.753
Fälle) zu verzeichnen. Ein deutlicher Rückgang zeigt sich in Lettland
(minus 66,8 Prozent; 800 Fälle) und Estland (minus 49,2 Prozent; 256
Fälle).
Die meisten Insolvenzfälle in Osteuropa waren dem Handel und
Gastgewerbe zuzurechnen (37,0 Prozent). Der Anteil des
Dienstleistungssektors lag bei 28,2 Prozent. Fast jede fünfte
Insolvenz (19,2 Prozent) betraf einen Betrieb aus dem Verarbeitenden
Gewerbe. 15,6 Prozent der Firmenzusammenbrüche betrafen ein
Bauunternehmen.
In Mittel- und Osteuropa dürften 230.000 Stellen durch eine
Insolvenz gefährdet sein (2010: 200.000).
Unternehmen aus der Mittelmeerregion überziehen am längsten
Wie schwierig es um die Liquidität der südeuropäischen Unternehmen
bestellt ist, zeigen die schlechten Zahlungserfahrungen
exportorientierter deutscher Unternehmen. So musste jedes vierte
deutsche Unternehmen (25,2 Prozent) einen Zahlungsverzug von über
einen Monat hinnehmen, wenn es Waren nach Italien ausführte. Ebenso
schlechte Schuldner waren spanische und portugiesische Unternehmen.
23,4 Prozent der deutschen, im Export tätigen Unternehmen klagten
über Kunden aus Spanien und Portugal, die das vereinbarte
Zahlungsziel über 30 Tage verstreichen ließen. Geschäftliche
Beziehungen nach Osteuropa waren mit ähnlichen Problemen behaftet.
Nur jeder zehnte deutsche Exporteur hatte keinen Zahlungsverzug zu
beanstanden, wenn er Waren in Länder wie Rumänien und Kroatien (10,6
Prozent) oder Tschechien und Ungarn (10,7 Prozent) ausführte.
In den zentraleuropäischen Volkswirtschaften stellte sich die Lage
positiver dar. So blieben deutsche Unternehmen bei einem Export nach
Österreich und in die Schweiz in mehr als drei von zehn Fällen (35,3
Prozent) von einem Zahlungsverzug gänzlich verschont. Als relativ
gute Schuldner zeigten sich ebenso die Benelux-Länder. Fast jedes
vierte deutsche Unternehmen (23,3 Prozent), das Waren in diese
Volkswirtschaften lieferte, musste keinen Zahlungsverzug hinnehmen.
Rückläufige Zahlen bei den US-amerikanischen Insolvenzzahlen
In den USA war das Jahr 2011 vom Schuldenabbau geprägt. So konnten
8,2 Prozent weniger Privatinsolvenzen registriert werden (2011:
1.411.000 Fälle; 2010: 1.536.799 Fälle). Ebenso positiv entwickelte
sich die Insolvenzlage im Unternehmenssektor. Im Jahr 2011 mussten
nur noch 48.500 Unternehmen Insolvenz anmelden (Vorjahr: 56.282
Fälle; minus 13,8 Prozent).
Rückfragehinweis:
Für den Inhalt verantwortlich,
Gerhard M. Weinhofer,
Leiter Öffentlichkeitsarbeit
Creditreform Österreich
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