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OTS0022   5. Feb. 2012, 12:39

Kirche gedenkt der Papstwahl Pius' XI. vor 90 Jahren

Papst Pius XI. nahm den geistigen Kampf gegen Bolschewismus und Nationalsozialismus auf


Wien, 05.02.12 (KAP) Wenn von einem Papst Pius die Rede ist, denken
viele wohl zunächst an zwei Persönlichkeiten: Pius X. (1903-1914),
auf den sich die traditionalistische "Piusbruderschaft" beruft, und
Pius XII. (1939-1958) - jenen Papst, dem vorgeworfen wird, zum
Judenmord der Nazis allzu beharrlich geschwiegen zu haben. Pius XI.
haben die wenigsten im Sinn; dabei lohnt ein Blick auf diesen ersten
Mann im Vatikan der Jahre 1922 bis 1939, war er doch Gestalter und
Weichensteller, Politiker und Monarch, kurz: einer der bedeutendsten
Päpste der Kirchengeschichte überhaupt. So lautet jedenfalls das
Urteil des Wiener Kirchenhistorikers Rupert Klieber, der sich
ausführlich mit Pius XI. beschäftigt - und aus Anlass des 90.
Jahrestages seiner Wahl am 6. Februar 1922 an die weltkirchliche
Bedeutung, aber auch an Pius' spezifische Bedeutung für Österreich
erinnert.

Geboren am 31. Mai 1857 als Achille Ratti im lombardischen Desio,
schlug der 1879 geweihte junge Priester zunächst mit drei
Doktortiteln eine Gelehrtenlaufbahn an der Universität Mailand ein.
1911 berief ihn Pius X. nach Rom, wo er 1914 zum Präfekten der
Vatikanischen Bibliothek ernannt wurde. Diplomatische Meriten erwarb
sich Ratti als Apostolischer Visitator und schließlich ab 1919 als
Nuntius in Polen, wo er auch zum Bischof geweiht wurde. Als
Erzbischof von Mailand und schließlich als Kardinal führte ihn der
Weg zurück in den Vatikan, wo er am 6. Februar 1922 erst im 14.
Wahlgang zum Papst gewählt und schließlich am 12. Februar mit der
Tiara gekrönt wurde.

Eines seiner "diplomatischen Glanzstücke" war laut Klieber die
völkerrechtliche Festigung des Vatikanstaates. Durch die
Lateranverträge mit Mussolini 1929 und finanzielle Entschädigungen
wurde der Vatikan als eigenständiger Staat aus der Taufe gehoben und
ein halbes Jahrhundert "kalter diplomatischer Krieg" mit dem
Königreich Italien damit beendet.

Die stärkste Herausforderung sollten jedoch Stalinismus und
Nationalsozialismus bleiben. 1937 veröffentlichte Pius XI. die
Enzyklika "Mit brennender Sorge", eine profunde Abrechnung mit dem
deutschen Nationalsozialismus, in der er "Angriffe auf Christus und
seine Kirche" ortete und der NS-Rassenlehre eine klare Absage
erteilte. Im gleichen Jahr verurteilte er in dem Lehrschreiben
"Divini Redemptoris" den atheistischen Kommunismus. In "Quadragesimo
Anno" (1931) hatte er es für unvereinbar erklärt, zugleich Katholik
und Sozialist zu sein, wobei damit damals allgemein eine
kirchenfeindliche und sozialrevolutionäre Haltung verbunden war.

Ein geheimes Memorandum von Staatssekretär Eugenio Pacelli, dem
späteren Papst Pius XII., zeigte den Willen des Papstes auf, einen
Zusammenschluss der "höchsten moralischen Mächte der Welt" gegen
Bolschewismus und "arisches Neuheidentum" zu organisieren. Gestoppt
wurde dieser Tatendrang des bereits von Krankheit und Alter
gezeichneten Papstes schließlich durch seinen Tod am 10. Februar
1939.

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(ende) hkl/pwu/

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