OTS0173   3. Feb. 2012, 14:38

Stift Admont: Betroffene an Bischof Kapellari: "Du sollst nicht lügen!"


In dieser Woche erhoben zwei ehemalige
Schüler von Stift Admont schwere Vorwürfe gegen zwei Pater: rituelle
Auspeitschungen, schwere körperliche und sexuelle Gewalt. Einer der
Pater ist bis heute als Priester im Einsatz. Bereits 2010 waren
Kardinal Schönborn, Bischof Kapellari und die Klasnic Kommission
darüber informiert worden, sagt einer der Betroffenen. In seiner
gestrigen Presseaussendung behauptet der steirische Diözesanbischof
Egon Kapellari nun:

1. dass er 2010 lediglich von den Vorwürfen physischer Gewalt
erfahren habe, nicht jedoch von den schweren sexuellen Übergriffen.

2. dass er sich als Diözesanbischof der Steiermark nicht für die
beiden steirischen Priester zuständig fühle und an die Klasnic
Kommission verwiesen habe.

Die Wahrheit ist:

Die beiden beschuldigten Pater haben im Nachrichtenmagazin
"profil" im März 2010 ihre Taten zugegeben. Bischof Kapellari wurde
am 26. Juli 2010 über das ganze Ausmaß der Vorwürfe schriftlich
informiert (laufende rituelle Vergewaltigungen durch die beiden
Priester, Bericht über 70% Gehörverlustes eines Betroffenen durch
exzessive Gewalt eines Priester). Kapellari hat den Erhalt dieses
Briefes am 4. August 2010 bestätigt.

Auch Kardinal Schönborn sagt offensichtlich die Unwahrheit. Im
gegenständlichen Fall seien ihm keine sexuellen Übergriffe
geschildert worden, sagt Schönborn in einer aktuellen Aussendung und
spricht von böswilligen und haltlosen Vorwürfen. (Anm.: schwere
körperliche Gewalt tangiert den Kardinal offensichtlich gar nicht
mehr). Wahr ist jedoch: Kardinal Schönborn wurde schon in einer
eingeschrieben Briefsendung vom 8. April 2010 über die Vorfälle
informiert, dabei wurde auch die sexuelle Gewalt angesprochen. Den
Erhalt des Briefes hat der Kardinal bestätigt. Er erklärte sich
ebenfalls für unzuständig für einen offensichtlich pädokriminellen
Priester, der nach wie vor im Amt ist und verwies auf die Klasnic
Kommission. Die Klasnic-Kommission ist spätestens seit 29. November
2010 über das ganze Ausmaß der sexuellen und physischen Gewalt im
Stift Admont informiert geworden, insbesondere auch über die
rituellen Vergewaltigungen - an jenem Tag hat der zweite Betroffene
sich an die Kommission gewandt und die Schilderungen des ersten
bestätigt.

Sepp Rothwangl, Sprecher der Plattform Betroffener kirchlicher
Gewalt, mahnt in diesem Zusammenhang Kardinal Schönborn und Bischof
Kapellari an das biblische Gebot: "Du sollst kein falsches Zeugnis
von dir geben." Und schon gar nicht, wenn es um die Vertuschung
krimineller Handlungen und auf Kosten von minderjährigen Gewaltopfern
geht", fügt Rothwangl an.

www.betroffen.at

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0173 2012-02-03 14:38 031438 Feb 12 PUR0001 0382



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