OTS0132   2. Feb. 2012, 12:20

Gesundheitsreform: Für die Ärztekammer "ein guter Beginn"

Voraussetzungen aber sind Nachhaltigkeit und Qualitätsorientierung - Dorner mahnt Einbeziehung von Ärztinnen und Ärzten ein


Ärztekammerpräsident Walter Dorner begrüßt in einer
ersten Stellungnahme die Bemühungen, die Aufgaben im
Gesundheitsbereich neu zu verteilen und insbesondere die ambulanten
Leistungen stärker in den niedergelassenen Bereich auszulagern,
Krankenhausleistungen zu bündeln sowie eine zentrale Steuerung von
Geldflüssen ins Auge zu fassen. Er mahnt aber auch ein, die
Ärzteschaft stärker als bislang in den Reformprozess
miteinzubeziehen. ****

Dorner erinnert daran, dass die Österreichische Ärztekammer
bereits vor drei Jahren umfassende Leitlinien zur Gesundheitsreform
herausgegeben habe, deren Inhalte sich im Wesentlichen mit jenen
deckten, die aktuell von den Gesundheitsreform-Verhandlerinnen Sonja
Wehsely und Ingrid Reischl herausgegeben wurden. "Ich freue mich,
wenn sich die Politik unseren Empfehlungen zu Reformen des
österreichischen Gesundheitswesens anschließt", sagt Dorner. Nun sei
es an der Zeit, sich mit den eigentlichen Fachleuten und Trägern des
Gesundheitssystems, den Ärztinnen und Ärzten, zusammenzusetzen, um
die Reformvorhaben effizient voranzutreiben.

Der Ärztekammerpräsident erwartet sich eine deutliche Stärkung des
niedergelassenen Bereichs, vor allem was die Finanzierung und
Honorierung betrifft, sowie die Entbürokratisierung des
Krankenhaussystems. Auch hofft Dorner auf eine "regional behutsame
Anpassung der Strukturen". Die Verhältnisse in einer Großstadt wie
Wien seien anders zu bewerten als die Notwendigkeit einer
flächendeckenden Versorgung am Land: "Ein flexibles System, das
ambulante Gruppenordinationen erlaubt, die auch finanziell
überlebensfähig sind, ist sicherlich gut."

Keine Limitierung beim Zugang zur Spitzenmedizin

Laut dem Ärztekammerpräsidenten sollte grundsätzlich überdacht
werden, ob die Finanzierung des Gesundheitssystems aus zwei Töpfen
erfolgen müsse. Wesentlich sei jedenfalls, dass die Gesundheitsreform
nicht als Alibi dafür verwendet werde, mit dem Rechenstift
medizinische Leistungen zu reduzieren, den Zugang zur Spitzenmedizin
zu reglementieren und zu limitieren sowie einen Verwaltungsapparat
aufzublähen, der letztendlich weder Fortschritte für das
Gesundheitssystem noch Vorteile für die Patienten mit sich brächte.

Erste Kritik übt Dorner jedenfalls am Umstand, dass bei der
angedachten Gesundheitsreform Maßnahmen zur Prävention sowie die
Thematisierung der Pflege fehlten, "was angesichts der demografischen
Entwicklungen und damit der bereits aktuell vorherrschenden
Altersgesellschaft besonders wichtig wäre".

In diesem Zusammenhang weist Dorner auch darauf hin, dass die
Ausgaben für das Gesundheitssystem in Österreich auch in Zukunft
steigen werden, weil die Bevölkerung älter werde, der Pflegebedarf
sich erhöhe, der medizinische Fortschritt Geld koste und auch in
Forschung und Ausbildung investiert werden müsse. "Ich stehe
vollinhaltlich zur Notwendigkeit einer Gesundheitsreform in
Österreich - aber unter den Voraussetzungen von Nachhaltigkeit und
Qualitätsorientierung sowie der Einbindung der Ärzteschaft in den
Diskussionsprozess." (hpp)

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0132 2012-02-02 12:20 021220 Feb 12 NAW0001 0423



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