- 02.02.2012, 11:44:01
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Wiener Industrie: 1.550 neue Jobs in den nächsten Jahren
Industrie-Umfrage: Beschäftigungswachstum von drei Prozent in drei bis fünf Jahren erwartet - Personalverantwortliche registrieren Abrutschen des Bildungsniveaus
Wien (OTS) - "Gesund, flexibel und leistungsorientiert - die
Wiener Industrie beweist ihre Stärke auch in wirtschaftlich
schwierigen Zeiten. Verschlechtern sich die Rahmenbedingungen nicht
dramatisch, werden 1.550 neue Jobs geschaffen. Daran sollte die
Politik denken, wenn Gebühren und Abgaben zu Lasten des
Wirtschaftsstandortes erhöht werden", erklärte Brigitte Jank,
Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, heute Donnerstag bei einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit Industrie-Spartenobmann Stefan
Ehrlich-Adám. Präsentiert wurde die alle zwei Jahre stattfindende
Umfrage zum Arbeitskräftebedarf unter den Personalverantwortlichen
der 170 größten Industriebetriebe Wiens, die gemeinsam rund 55.000
Mitarbeiter beschäftigen.****
Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern steigt überdurchschnittlich
"Lehre mit Matura, HTL, technisches FH-Studium oder Uni-Studium
bieten die besten Chancen auf eine steile Karriere in einem Wiener
Industriebetrieb. Den Karriereturbo zündet man mit einer Kombination
aus Allgemeinbildung und technischer Ausbildung", analysiert Stefan
Ehrlich-Adám. Denn die Wiener Industrie hat in den nächsten Jahren
insgesamt 840 Stellen allein an Akademiker zu vergeben. Betriebswirte
werden jedoch seltener gesucht, während die Nachfrage für
Technik-Absolventen zunimmt. Glänzende Aussichten auf eine goldene
Karriere haben Absolventen von Studienrichtungen wie Maschinenbau,
Elektrotechnik oder Mechatronik. Ebenfalls hoch im Kurs der
Personalverantwortlichen stehen nach wie vor HTL-Absolventen - 500
werden in den nächsten Jahren nur für Industrie-Jobs in der
Bundeshauptstadt gesucht. Besonders positiv bewerten die
Personalisten die Lehre mit Matura - 91 Prozent der Befragten sehen
für junge Menschen mit dieser Doppelqualifizierung hervorragende
Zukunftschancen.
Schlechtes Zeugnis für Schulsystem
Ein Bild in grau und schwarz malen die Personalchefs über die
Qualität der Pflichtschule. Insbesondere mit den Leistungen der
Polytechnischen Schulen können die Personalisten wenig anfangen. 84
Prozent der Befragten beurteilen das Ausbildungsniveau der
Lehrstellenbewerber mit polytechnischem Schulabschluss mit mangelhaft
bis schlecht. 76 Prozent registrieren ein insgesamt schwächeres
Bildungsniveau der Lehrstellenbewerber als in den Jahren zuvor - 2006
waren es "erst" 57 Prozent. Außerdem sind für die überwiegende
Mehrheit der Befragten die schulischen Qualifikationen bei den Wiener
Lehrstellenbewerbern geringer als bei Jugendlichen aus den
Bundesländern.
Es gibt allerdings auch Erfreuliches zur Industrie-Lehrausbildung zu
berichten: 81 Prozent der Betriebe haben gute Erfahrungen mit Mädchen
in technischen Berufen gemacht. Die Zufriedenheit mit Lehrlingen mit
Migrationshintergrund liegt überhaupt bei 93 Prozent. Insgesamt gibt
es einen steigenden Bedarf an Fachkräften, die aus einem Lehrberuf
kommen. Deshalb ist es umso dramatischer, dass in rund einem Viertel
der Wiener Industriebetriebe nicht alle offenen Lehrstellen besetzt
werden konnten; besonders in den Bereichen Elektrotechnik/Elektronik,
Metalltechnik und Maschinenbau.
Kampagne Industrielehre 2012 - Erfolg von Anfang an
Österreich hat ein veritables Fachkräfteproblem: Derzeit beginnen 40
Prozent der 15-Jährigen eine Lehre, in fünf Jahren werden es nur mehr
30 Prozent sein - Tendenz sinkend. Um das Image der 42 Lehrberufe in
der Wiener Industrie aufzuwerten, stellt die Wirtschaftskammer ihre
diesjährige Industrie-Lehrlingskampagne unter das Motto "Mach mehr
aus dir!". Denn eine Industrielehre bietet eine fundierte Ausbildung
mit Option auf die Matura, beste Jobaussichten und ein gutes
Einkommen von Anfang an. Das sind keine Marketingüberschriften,
sondern nachweislich belegbare Fakten: 48 Prozent der
Industriebetriebe in Wien beschäftigen ehemalige Lehrlinge in
Führungspositionen. Außerdem sind Industrie-Lehrlinge die
Spitzenverdiener unter den Auszubildenden - ein Lehrling in der
Bauindustrie verdient im vierten Lehrjahr 1.830 Euro pro Monat. "Es
ist ein beinharter Kampf um die besten Lehrlinge entbrannt. Deshalb
müssen wir auch klar und deutlich kommunizieren, dass eine
Industrie-Lehre das Tor zu einem erfüllten Berufsleben weit öffnet",
erklärt Ehrlich-Adám.
Berufsorientierung muss Schwerpunktthema werden
"Der Berufseinstieg darf heute keine Reise mehr ins Ungewisse sein.
Die Berufsorientierung muss daher rasch fixer Bestandteil des
Lehrplans werden", fordert Jank. So könnte ein praxisnahes
Pflichtfach "Beruf und Wirtschaft" quer über alle Schulformen in der
7. Schulstufe innerhalb kürzester Zeit dazu beitragen, junge Menschen
auf die Realitäten der Arbeitswelt besser vorzubereiten. "Die Wiener
Industrie und auch alle anderen Branchen benötigen dringend
motivierte und qualifizierte Fachkräfte. Das marode Bildungssystem
kann aber diese Nachfrage kaum decken. Die Zeit des Zaudern und
Zögerns ist abgelaufen, die Politik muss Handeln und das
Bildungssystem reformieren. Sonst ist es zu spät."
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Wien Martin Sattler Presse & Medienmanagement Tel.: 01 51450-1314 mailto:[email protected] http://www.wko.at/wien
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