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OTS0203   1. Feb. 2012, 14:30

MA 22: Feinstaub-Ferntransport durch aktuelle Wetterlage begünstigt

Stadt Wien bekämpft hausgemachten Anteil auf allen Ebenen


Das aktuelle Wetter mit extrem, kalter und trockener
Luft begünstigt die Feinstaubbildung in ganz Europa, laut Experten
bedingt die derzeitige Wetterlage den Ferntransport der kleinen
Feinstaubpartikel über tausende von Kilometer. Ein Indiz für den
Ferntransport ist, dass die Werte an absolut verkehrsarmen
Messstellen wie in der Lobau oder am Schafberg ähnlich jener des
stark befahrenen Währinger Gürtels liegen. "In der Lobau gibt es
keine lokalen Verursacher wie Verkehr - die aktuell erhöhten Werte
sind eindeutig dem Ferntransport zuzurechnen", erläutert Dr. Karin
Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung - MA
22.

Nach den witterungsbedingt hohen Feinstaubwerten in ganz Europa im
vergangenen November lag die Feinstaubbelastung im Dezember 2011 in
Wien auf einem im Vergleich zu den Messergebnissen der Vorjahre sehr
niedrigen Niveau. Auch im jetzigen Jänner setzte sich der durch die
Witterung begünstigte positive Trend in Sachen Luftgüte fort.

Derzeit ist ein Ansteigen der Feinstaub-Werte durch die
einsetzende kalte Witterung und den damit einhergehenden verstärkten
Ferntransport aus den östlichen Nachbarstaaten zu beobachten.

3/4 des Feinstaubs in Wien durch Ferntransport - Wien bekämpft
hausgemachten Anteil

Den Ferntransport hat schon Prof. Puxbaum von der TU Wien 2005 in
der sogenannten Aquella-Studie eindeutig nachgewiesen. Er hat die
Zusammensetzung des Feinstaubs in Wien mit modernsten Methoden
untersucht und belegt wissenschaftlich, dass nur ein Viertel des
Wiener Feinstaubs hausgemacht, drei Viertel kommen durch Ferneintrag
nach Wien. "Den selbstverursachten Feinstaub bekämpfen wir auf allen
Ebenen und vielen Maßnahmen. Jeder von uns muss einen Beitrag
leisten, denn beim Feinstaub sind wir alle Verursacher und Opfer
zugleich", so Umweltstadträtin Ulli Sima. "Wir setzen derzeit das 3.
Feinstaubpaket um. Selbstverständlich braucht es aber auch
überregionale Maßnahmen, denn die Luft macht bekanntlich vor Grenzen
nicht halt", betont Sima.

Wien kämpft seit vielen Jahren und auf allen Ebenen gegen den
Feinstaub, aktuell wird das 3. umfassende Maßnahmenpaket umgesetzt,
das vom Bereich Raumwärme über Baustellen, Verkehr und Winterdienst
alle relevanten Verursachergruppen umfasst:

1. Bereich Raumwärme:
o Der Fernwärmeanteil wird auf 50 % bis 2020 gesteigert.
o Die Erneuerbaren Energien werden verdoppelt. Zentral ist die
Forcierung der Solarenergie mit 1 Mio Fördergelder pro Jahr.
o Das Fernkälteangebot wird ausgebaut.
o Die Förderungen zur Einsparung von Heizenergie im Wohnbereich
werden weitergeführt: Durch die Verbesserung der Gebäudedämmung im
Zuge von Wohnhaussanierungen und Wohnungsneubau werden die Emissionen
zur Energieerzeugung reduziert.
o Verbot von neuen Kohleheizungen ist aktuell in Umsetzung.

2. Bereich Baustellen:
o Mit der Novelle des Wiener Abfallwirtschaftsgesetzes gilt seit 2011
die Verpflichtung bei größeren Bauvorhaben, ein Abfallkonzept und
eine Schadstofferkundung (z.B. Asbest bei Abbruchobjekten) zu
erstellen.
o Im Bereich der Baustellen wird der Dialog mit der Bauwirtschaft
weitergeführt. Ziel ist es, notwendige Abbruch- und Bautätigkeiten so
emissionsarm wie möglich durchzuführen.

3. Bereich Verkehr
o Parkraumbewirtschaftung wird in Absprache mit den Bezirken
ausgebaut.
o Forcierung des Radverkehrs
o Ausweitung des bestehenden Euro-0-LKW-Fahrverbots auf EURO 1
o Ausbau des CarSharing- Angebots
o Forcierung des öffentlichen Verkehrs - günstigere Preise für
JahresnetzkartenbesitzerInnen
o Forcierung emissionsärmerer Fahrzeuge wie Erdgasautos, dabei
spezielle Förderung für Erdgas-Taxis
o Ausbau der Elektromobilität inkl. der dafür notwendigen
Infrastruktur
o Bewusstseinsbildung zur Reduktion des Dieselanteils in der
KFZ-Flotte (besonders wichtig gegen die Feinstaubvorläufersubstanz
Stickstoffdioxid!)
o Bewusstseinsbildung zum Thema "Defensives Fahren" in Zusammenarbeit
mit Fahrschulen und Autofahrerklubs
o weitere Attraktivierung von Grün- und Freiflächen in der Stadt

4. Bereich Winterdienst:
o Einsatz von Salzsole statt Streusplitt: Winterdienst der MA 48
setzt auf moderne Feuchtsalztechnologie und reduziert weiter
Splittmengen (133.000 im Jahr 1995 vs 3.000 Tonnen im Jahr 2009) -
somit wurde das Problem auf den Fahrbahnen wesentlich verbessert!
Heuer neu: Doppelklingenpflug, der besser räumt und somit Streumittel
weiter reduziert.
o Problemfall Gehsteige: hier bestand Nachholbedarf, daher:
o Novelle der Winterdienst-Verordnung erlassen: Sie regelt ganz
klar, dass der angrenzende Liegenschaftseigentümer von Gehsteigen
und Gehwegen für die Entfernung der Streumittel verantwortlich ist.

5. Anti-Feinstaub in stadteigenen Programmen:
o ÖkoBusinessPlan Wien: BeraterInnen informieren Unternehmen gezielt
auf Maßnahmen zur Feinstaubvermeidung. Neben staubvermeidenden
Maßnahmen auf Baustellen sind es vor allem insgesamt rund 400
verkehrsreduzierende Maßnahmen, die ÖkoBusinessPlan Betriebe bereits
gesetzt haben.
o ÖkoKaufWien: Auch hier wird besonderes Augenmerk auf die
Feinstaubproblematik gelegt, etwa im Bereich der Baustellen
o PUMA - Programm Umweltmanagement im Magistrat der Stadt Wien: Die
Maßnahmen im Bereich Heizenergie- und Stromverbrauch,
Mobilitätsmanagement und Fuhrparkökologisierung verringern die
Feinstaubemissionen im Magistrat.

Das Wiener Luftgütemessnetz

Die Stadt Wien verfügt über ein vorbildliches Luftgütemessnetz,
die Messtellen sind über die ganze Stadt verteilt. An den 17 Wiener
Luftgütemessstationen der MA 22 wird die Luftqualität rund um die Uhr
gemessen (an 13 davon wird auch Feinstaub gemessen). Die stündlich
aktualisierten Daten werden von der Wiener Umweltschutzabteilung u.
a. auf ihrer Website veröffentlicht.
www.wien.gv.at/umweltschutz/luft/

Darüber hinaus bieten der Computertonbanddienst der MA 22 unter 01
4000-8820 sowie die ORF-Teletextseiten 621 und 622 aktuelle
Informationen zur Luftgüte.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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Rückfragehinweis: Dr. Mathilde Urban
Wiener Umweltschutzabteilung - MA 22
Kommunikation und Personal
Telefon: 01 4000-73422
Mobil: 0676 8118 73422
E-Mail: mathilde.urban@wien.gv.at
www.umweltschutz.wien.at

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