- 01.02.2012, 14:12:56
- /
- OTS0197 OTW0197
"Pfarrer-Initiative": Neues Buch will Versachlichung der Debatte
Wiener Theologe Tück bringt in neuem Buch über Pfarrer-Initiative und Kirchenreform u.a. Kardinal Schönborn, Helmut Schüller und Paul Zulehner "an einen Tisch"
Wien, 01.02.12 (KAP) "Pfarrer-Initiative", "Aufruf zum Ungehorsam",
Kirchenreformdebatte - in das Gewirr an Schlagworten, die in den
letzten Monaten die Gemüter erhitzt haben, platzt nun ein neues
Buch, dass den Anspruch stellt, die laufenden Debatten
zusammenzuführen und zu versachlichen. "Risse im Fundament? Die
Pfarrerinitiative und der Streit um die Kirchenreform" heißt der im
Freiburger Herder-Verlag erschienene Band des Wiener Theologe
Jan-Heiner Tück. Das besondere daran: Tück versammelt in dem Ende
Februar erscheinenden Buch erstmals die zentralen Stimmen und
Stichwortgeber der Debatte an einem Tisch: Kardinal Christoph
Schönborn, den Obmann der "Pfarrer-Initiative", Helmut Schüller,
Paul M. Zulehner, die Wiener Pastoralamtsleiterin Veronika
Prüller-Jagenteufel und andere.
Geklärt werden soll in dem Buch laut Tück die Frage, "wie tief der
Dissens wirklich reicht". Deuten sich gar "Risse im Fundament der
Kirche an, die sich zu einer echten Spaltung auswachsen können?"
fragt der Theologe in seinem Vorwort. Tatsächlich sei die Situation
"alles andere als harmlos", hat die österreichische Initiative doch
mittlerweile zahlreiche Nachahmer und Ableger auch im
internationalen Raum gefunden. Es bestehe die Gefahr, warnt Tück,
dass durch überzogene Erwartungen an die kirchlichen
Reformbestrebungen, durch Ungeduld, aber auch durch "unverhohlene
Dreistigkeit" die "sakramentale Grundstruktur der Kirche"
untergraben werde.
Die Beiträge stehen dabei laut Tück nicht unverbunden nebeneinander
- vielmehr sei allen Autoren und Beiträgen die Sorge "um die Zukunft
der Kirche" gemeinsam. "Es besteht Einigkeit darin, dass der
aktuelle Zustand der Kirche kritisch ist und Reformen dringend
notwendig sind. Strittig ist allein der Weg, der aus der Krise
herausführen soll." Während nämlich die "Pfarrer-Initiative"
Strukturdefizite attestiere und sich für Änderungen einsetze, setze
ein Großteil der Bischöfe auf einen anderen, sanfteren Reformweg,
der der "Glaubenskrise durch den Aufbau einer glaubensstarken Kirche
in der Gesellschaft" entgegentreten will, so Tück.
Insgesamt fordert Tück ein höheres Maß an Demut bei allen
Beteiligten ein. Die Tiefe der Krise rufe Bischöfe, Priester und
Gläubige gleichermaßen dazu auf, "die aktuelle Kirchenkrise als
Anlass zur Umkehr und Erneuerung zu begreifen". Ein zunehmender
"religiöser Analphabetismus" auf der einen Seite und ein
gleichzeitig steigendes Bedürfnis nach religiöser und ethischer
Orientierung auf der anderen Seite würden die Kirche zunehmend unter
Zug- und Reformzwang setzen, so Tück, der in einem eigenen Beitrag
die Forderungen der "Pfarrer-Initiative" einer kritischen Würdigung
unterzieht.
Frontstellungen aufbrechen möchte etwa Kardinal Christoph Schönborn.
So zeige ein detaillierter Blick auf die Praxis der Seelsorge bei
wiederverheirateten Geschiedenen, dass die Kirche ganz und gar nicht
unbarmherzig sei, sondern - etwa in Form der von ihm für die
Erzdiözese Wien eingeführten "Fünf Aufmerksamkeiten" - nach Wegen
sucht, der Realität ins Auge zu blicken und zugleich Barmherzigkeit
zu üben.
Mehr auf www.kathpress.at (ende) hkl/fam/
nnnn
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | KAT






