OTS0246   30. Jan. 2012, 18:22

DER STANDARD-KOMMENTAR "Befehl zum Abmarsch" von Nina Weißensteiner

Ausgabe vom 31.1.2012


Monatelang niedrige Dienste für höhere Militärs: Oft
genug mutiert die Ausbildung an der Waffe später zu einem simplen
Handlangerjob. Da werden Grundwehrdiener in den Heeresgroßküchen zum
Tellerschrubben vergattert, in den Amtsstuben mit lästigem Bürokram
eingedeckt oder in den tarnfarbenen Fahrzeugen als Chauffeure
benutzt.

Bei diesen Aussichten kein Wunder, dass dem Bundesheer die jungen
Männer abhandenkommen. Nicht nur wegen der geburtenschwachen
Jahrgänge, nein, immer mehr Taugliche ziehen es vor, statt des
Wehrdienstes unter Dauerbefehlston lieber Zivildienst im Sozialwesen
oder bei den Blaulichtorganisationen abzuleisten - und zwar ganze
neun Monate lang statt sechs, wohlgemerkt.

Mit Recht will der Verteidigungsminister zunächst die Systemerhalter
im Heeresbetrieb abbauen und dann endlich die Wehrpflicht abschaffen
- auch wenn sich über sein politisches Vorgehen bekanntlich trefflich
streiten lässt.

Auch 21 von 27 EU-Staaten haben die Sinnlosigkeit des Einziehens von
meist widerwilligen Volljährigen längst erkannt - und setzen nur mehr
auf freiwillige Berufs- und Zeitsoldaten. Doch die ÖVP denkt
angesichts der schrumpfenden Zahl an Rekruten lieber daran,
Untaugliche mit Drohgebärden gefügig zu machen. Stur hält sie an der
Wehrpflicht fest - aber wohl nur zu einem einzigen Zweck: dass sie
damit Darabos Mission scheitern lassen kann.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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