BIO AUSTRIA Bauerntage im Zeichen einer neuen Agrarkultur 2100
Austausch und fundierte Wissensvermittlung bei der größten Weiterbildungsveranstaltung für Bio-Landwirtschaft in Österreich.
Wels (OTS) - Mit einer programmatischen Rede zu einer neuen
Agrarkultur eröffnete BIO AUSTRIA Obmann Rudi Vierbauch heute in
Puchberg bei Wels die achten BIO AUSTRIA Bauerntage. "Wir brauchen
dringend eine Agrarkultur, die sich von einer Ressourcen
verbrauchenden High-Input-Landwirtschaft abwendet. Diese dient nicht
uns Menschen, sondern in erster Linie dem Kapitalmarkt. Bauen wir
stattdessen auf eine soziale und umweltverträgliche
Bio-Landwirtschaft als Leitbild für eine Agrarkultur 2100."
Rudi Vierbauch weiter: "Alle, die Verantwortung tragen für die
Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) müssen sich bewusst sein:
Sie verhandeln über die Zukunft unserer Ökosysteme und über die
Zukunft unserer bäuerlichen Existenzen. Beide sind die Basis für
unser aller Lebensmittel und somit die Lebensgrundlage für uns alle.
Sie treffen dabei Entscheidungen mit Langzeitwirkung. Wissen wir
doch, dass der Aufbau fruchtbarer Böden und die Verbesserung der
Bodenfruchtbarkeit eine Arbeit von mehreren Generationen ist.
Bekennen wir uns zu dieser Verantwortung auch im zeitlichen Sinne.
Setzen wir mit einer Agrarkultur 2100 neue agrarpolitische
Eckpfeiler. Garantieren wir unseren Kindern und Enkelkindern
lebenswerte Lebensräume und gesunde Lebensmittel."
"Weiter wie bisher ist keine Option"
Hochkarätige Referentinnen und Referenten beleuchteten am
Eröffnungstag das derzeitige Landwirtschaftssystem aus verschiedenen
Blickwinkeln.
Benedikt Haerlin, Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Berlin: "Der
Weltagrarbericht der UNO und Weltbank war es, der 2008 den
Sicht-Wechsel unter dem Schlagwort "Weiter wie bisher ist keine
Option" eingeleitet hatte. Die Reaktion der Industrie, aber auch der
Weltbank und FAO, der deutschen und US Landwirtschaftsministerien,
von vielen Wissenschaftlern und der Agrarlobby waren zunächst
klassisch: ignorieren, entwerten, lächerlich machen, zur Tagesordnung
übergehen. Drei Jahre später gehören die wesentlichen Botschaften des
Weltagrarberichts zum Standard wissenschaftlicher und
institutioneller Analyse."
Prof. Winfried Blum, BOKU Wien, stuft die Entwicklung des Verlusts
unserer Lebensgrundlage, des Bodens, als alarmierend ein: "Wir stehen
inzwischen an der Wende, mit gefährlichen Entwicklungen bezüglich
weltweiter Ernährungssicherheit und der Erhaltung sozialer,
ökonomischer und ökologischer Lebensbedingungen für große Teile der
Weltbevölkerung. Die Wissenschaft kann hierbei nur die Szenarien
aufzeigen und die Probleme verdeutlichen. Entscheiden müssen aber die
Politiker und sonstige Entscheidungsträger."
Irmi Salzer, ÖBV Via Campesina, spricht sich gegen eine rein
mengenmäßige Ernährungssicherheit und für eine echte
Ernährungssouveränität aus: "Ernährungssouveränität ist das Recht
aller Menschen auf gutes, kulturell angepasstes Essen, das mittels
nachhaltiger Produktionsmethode hergestellt wurde, sowie das Recht
der Menschen, Nationen und Staatengemeinschaften, ihre Ernährungs-
und Agrarpolitik selbst zu bestimmen. Wir müssen nicht nur global
denken, sondern auch global handeln."
Dr. Felix zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender Bund Ökologische
Lebensmittelwirtschaft und Biobauer: "So wenig wie mangelnde
Produktivität die Hauptursache des Hungers ist, so wenig ist ein
System industrieller Landwirtschaft zukunftsfähig, wie es die
Vertreter von BASF und Monsanto im Sinn haben. Es verbraucht mehr
Ressourcen als uns zur Verfügung stehen. Das kann nicht mehr lange
gut gehen. Unsere Landwirtschaft muss ökologisch werden und unsere
Ernährungsweise dazu. Die ökologische Landwirtschaft, wie sie in
Europa entwickelt wurde, gibt dafür die Richtung."
Bauerntage mit hochkarätig besetzten Fachtagen
"Die biologische Landwirtschaft ist eine Wissenslandwirtschaft mit
sehr viel Praxis-Bezug, an deren Weiterentwicklung wir kontinuierlich
arbeiten. Die BIO AUSTRIA Bauerntage sind
unser Forum für Weiterbildung, Information und Austausch", betont
Christa Größ, Leiterin des Geschäftsfelds Landwirtschaft bei BIO
AUSTRIA. Neben bewährten Fachtagen wie dem Ackerbau-, Milchvieh-,
Schaf-, Ziegen- oder Geflügel- und Bienentag, findet heuer bereits
zum zweiten Mal der Jungbäuerinnen- und Jungbauerntag sowie der
Bodenpraktikertag statt. "Kooperationen mit anderen Organisationen
haben bei der Ausrichtung einzelner Fachtage bereits Tradition. Bei
der Internationalen Schweinetagung tun wir dies erstmals mit den
deutschen Bio-Verbänden Bioland und Naturland."
Innovationen für die Zukunft fördern
Bereits zum dritten Mal verleiht BIO AUSTRIA Obmann Rudi Vierbauch
am Eröffnungsabend der Bauerntage den von BIO AUSTRIA
ausgeschriebenen Innovationspreis "BIO AUSTRIA Fuchs" an die Erfinder
von drei besonders innovativen Lösungen für die landwirtschaftliche
Praxis. Der erste Preis geht an Reinhold König aus St. Margarethen in
der Steiermark für die Erfindung einer Kürbiserntemaschine, die auch
auf kleinen Schlägen und Hangflächen, die bislang händisch abgeerntet
werden mussten, problemlos einsetzbar ist. Aufgrund des geringen
Leistungsbedarf und des geringen Gewichtes der Maschine, können auch
kleinere Traktoren eingesetzt und die Kürbisse dadurch besonders
Boden schonend geerntet werden. Der zweite Preis geht an Josef
Lerchbaum aus Kogelhof in der Steiermark für die Erfindung einer
kostengünstigen, energiesparenden Milchkühlung, die zusätzlich zur
Tankkühlung eingesetzt werden kann. Die rasche Abkühlung der Milch
sorgt außerdem für eine hohe Qualität der Milch. Der dritte Preis
geht an Alois Dick aus Maishofen in Salzburg für die Erfindung einer
kostengünstigen und Zeit sparenden Kälbertränke, die optimal für die
Gruppenhaltung geeignet ist und den natürlichen Bedürfnissen der
Kälber entgegen kommt.
Erstmals wird in diesem Jahr zusätzlich ein Anerkennungspreis für
eine Idee vergeben, die eine tiergerechte Schlachtung ohne jeglichen
Stress für Tier und Bauer ermöglicht. Der Anerkennungspreis geht an
Klaus Freismuth aus St. Margareten im Burgenland.
Pressesprecherin BIO AUSTRIA
Tel.: +43/676/842 214 214
E-Mail: eva.straka@bio-austria.at
www.bio-austria.at















