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OTS0248   27. Jan. 2012, 17:00

"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Alle Hoffnung ruht auf Angela Merkel"

Nur Merkel kann die Euro- Krise lösen. Keiner muss die Deutschen fürchten.


In der kommenden Woche reisen die Staats- und
Regierungschefs wieder einmal nach Brüssel, um die Europäische Union
und den Euro zu retten. Geht es nach dem Chef der Weltbank, Robert
Zoellick, gibt es da nur eine Chance: Deutschland muss die
politische Führung übernehmen. Nur Bundeskanzlerin Angela Merkel
könne Europa aus der Krise führen.
Nun hat Angela Merkel in ihrem politischen Leben alles erreicht,
was sie sich vorgenommen hat. Ehemalige politische Rivalen verließen
die Politik, wie der hessische Ministerpräsident Roland Koch, oder
wurden neutralisiert, wie Christian Wulff, der ihr als angeschlagener
Bundespräsident nicht mehr in die Quere kommen wird. Und Frankreichs
Staatspräsident Nicholas Sarkozy hat von Merkel gelernt, dass er
"nach deutschen Konzepten haushalten muss", wie der Berater des
Präsidenten, Alain Minc, in dieser Woche in einem Interview mit dem
Spiegel erzählte.
Aber die politische Architektur Europas nach dem 2. Weltkrieg
wurde nach dem Spruch des früheren NATO-Generalsekretärs Lord Ismay
entworfen: Die Russen von Europa fernhalten, die Amis einbinden und
die Deutschen klein halten. Die deutsch-französische Freundschaft
wurde darauf aufgebaut, dass die Franzosen die politische Führung
übernehmen, während sich die Deutschen mit ihrer wirtschaftlichen
Überlegenheit zufriedengeben. Das funktioniert plötzlich nicht mehr.
Sarkozy ist angeschlagen und die Regierungschefs der anderen großen
EU-Länder sind erst kurz im Amt.
Jeder deutsche Bundeskanzler war sich seiner historischen
Verantwortung bewusst. Und im Zuge des Wirtschaftswunders wurde
schnell klar, dass politische Bescheidenheit Voraussetzung für
weitere Exporterfolge sein würde. Dafür konnte es sich vor allem
Bundeskanzler Helmut Kohl leisten, Differenzen in der EU mit
deutschem Geld zu kalmieren.
Doch kaum wird Angela Merkel geradezu dazu gezwungen, die EU zu
führen, da spielen die britischen Boulevardzeitungen schon mit
Emotionen gegen die Deutschen. Merkel-Fotos mit Hitlerbärtchen und
SS-Schleife sind der absurde Ausdruck dafür, dass Ressentiments gegen
ein starkes Deutschland sehr schnell abrufbar sind.
Dazu kommen Vorwürfe, die Deutschen hätten durch ihre auf niedrige
Löhne aufgebauten Exporterfolge die Krise erst so richtig verschärft.
Das ist besonders absurd. Die Leute kaufen eben lieber deutsche
Autos, weil sie attraktiver sind als andere.
Frau Merkel wird bei den Wahlen im kommenden Jahr ihren
Koalitionspartner FDP verlieren, aber nach aktuellen Umfragen in der
bequemen Situation sein, zwischen einer Regierung mit der SPD und den
Grünen zu wählen. Bis dahin muss sie mit viel Geschick Europa
anführen und dabei die anderen Länder so einbinden, dass niemand von
deutscher Hegemonie spricht. Das würde die notwendige Rettungsaktion
gefährden.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0248 2012-01-27 17:00 271700 Jän 12 PKU0002 0424




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