Pneumokokken - unterschätzte Gefahr für die 50+ Generation - ANHÄNGE
Indikationserweiterung zum Schutz vor lebensbedrohlichen Infektionen auch bei Erwachsenen ab 50 Jahren
BILD zu OTS - Im Bild: vlnr. Abteilungsvorstand der 11. Medizinischen Abteilung mit Lungenkrankheiten und Langzeitbeatmungszentrum im Geriatriezentrum Am Wienerwald Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp, Leiter Epidemiologie und Reisenmedizin am Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Medizinuniversität Wien Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Vize-Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer Mag. Dr. Christiane Körner, Impfreferent der Ärztekammer für Wien Dr. Rudolf Schmitzberger
ANHANG zu OTS - Factsheet Pneumokokken Schutzimpfung
Wien (OTS) - Durchschnittlich erkrankt fast täglich eine
Österreicherin / ein Österreicher an einer schweren invasiven
Pneumokokken-Infektion, die Lungenentzündungen, Gehirnhautentzündung
und Blutvergiftung verursachen kann. Der Verlauf von schweren
Pneumokokken-Infektionen kann dramatisch und innerhalb weniger
Stunden lebensbedrohlich sein - wie auch das Beispiel eines
prominenten britischen Popstars (1) erst kürzlich gezeigt hat.
Trotzdem wird die Gefahr einer Pneumokokken-Infektion häufig
unterschätzt. Neben Säuglingen und Kleinkindern weisen vor allem
Erwachsene ab 50 Jahren ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auf. Durch die
Indikationserweiterung bietet die Pneumokokken-Schutzimpfung ab
sofort nicht nur für unsere Jüngsten sondern auch für Erwachsene ab
50 Schutz vor gefährlichen Infektionen.
Pneumokokken sind bakterielle Erreger, die schwere Infektionen
auslösen können. Sie breiten sich schnell aus und sind meist sehr
schwierig zu behandeln. Pneumokokken besiedeln den Nasen- und
Rachenraum der Menschen, ohne dass diese davon etwas merken oder
daran erkranken. Dennoch können sie als Träger die Bakterien an
andere durch eine Tröpfcheninfektion - z.B. durch Niesen, Husten,
Spucken - weitergeben. "Gelangen die Erreger in die Nasennebenhöhlen,
das Mittelohr, die Bronchien oder Lungenbläschen, können sie lokale
Infektionen wie Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen, schwere
Bronchitis oder Lungenentzündungen auslösen", erläutert Prim.
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp, Abteilungsvorstand der 11.
Medizinischen Abteilung mit Lungenkrankheiten und
Langzeitbeatmungszentrum im Geriatriezentrum am Wienerwald, den
Krankheitsverlauf. "Wird der Erreger durch das Blut weiter
ausgebreitet, kann es zu bakteriämischen Lungenentzündungen,
Blutvergiftung und/oder Gehirnhautentzündung kommen. Der Verlauf ist
dabei dramatisch und kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich
sein." Ein Großteil aller schweren bakteriellen Lungenentzündungen
(med. Pneumonien) weltweit wird durch Pneumokokken verursacht (2),
die meist plötzlich auftreten und mit einer hohen Sterblichkeit
verbunden sind. Laut WHO sterben jährlich 1,6 Millionen Menschen
durch die gefährlichen Pneumokokken-Bakterien.
Risikogruppe 50+
In Österreich erkrankten 2010 laut dem Jahresbericht (3) der
Nationalen Referenzzentrale für Pneumokokken der AGES 325 Menschen an
einer invasiven Pneumokokken-Infektion. 16 von ihnen starben an den
Folgen der Infektion. Mehr als Dreiviertel der Erkrankungen betrafen
Österreicher/-innen ab 45 Jahre. Popp: "Mit zunehmendem Alter wird
die Abwehrkraft des Körpers schwächer und das Erkrankungsrisiko
steigt. Dieser Umstand ist vielen "Best Agern" aber nicht bewusst
oder sie unterschätzen die Gefahr, die von einer
Pneumokokken-Infektion ausgeht. Kommen zum höheren Alter noch weitere
Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholismus, intensiver Kontakt mit
Risikogruppen wie beim Aufenthalt in Pflegeheimen sowie bestehende
Grunderkrankungen wie Asthma, Diabetes oder COPD etc. hinzu, steigt
das Infektionsrisiko zusätzlich an."
Schutzimpfung zur Vorbeugung invasiver Pneumokokken-Erkrankungen
"Pneumokokken-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Ursache für
Todesfälle, die durch Impfungen vermeidbar sind.(4) Eine Impfung ist
die einzige Möglichkeit sich vor den gefährlichen Infektionen zu
schützen", so Popp. Die 13-valente Konjugat-Schutzimpfung ist nun
auch für Erwachsene ab 50 Jahren zugelassen. Die 13 im Impfstoff
enthaltenen Serotypen sind für den Großteil der invasiven
Pneumokokken-Erkrankungen bei Erwachsenen ab 60 Jahren
verantwortlich. 2010 hätte der Konjugat-Impfstoff ca. 71% der in
Österreich vorkommenden Serotypen bei Erwachsenen ab 60 Jahren
abgedeckt.(5) Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter der
Arbeitsgruppe "Epidemiologie und Reisemedizin" am Institut für
Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen
Universität Wien erklärt: "Neben der guten Verträglichkeit weist der
Konjugat-Impfstoff einige wichtige Vorteile gegenüber einem
konventionellen Polysaccharid-Impfstoff auf. Im Besonderen sind das
die Ausbildung eines immunologischen Gedächtnisses sowie die bessere
Immunantwort. Das bedeutet: Durch die Konjugat-Impfung bildet das
Immunsystem ein Langzeitgedächtnis und setzt vermehrt Antikörper
gegen die 13 Bakterienstämme frei. Dadurch kommt es im Vergleich zu
Polysaccharid-Impfstoffen zu einer verbesserten Abwehrreaktion und zu
einem immunologischen Gedächtnis." Für Erwachsene ab 50 Jahre reicht
eine einmalige Impfung, die ganzjährig verabreicht werden kann.
Außerdem wirken sich Konjugat-Impfstoffe günstig auf die
Bakterien-Ansiedlung im Nasen-Rachen-Raum aus. Da geimpfte Personen
keine Überträger der Erreger mehr sind, schützen sie nicht nur sich
selbst, sondern auch ihre Mitmenschen.
Über 435 Mio. verimpfte Dosen weltweit bei Kindern
Der Impfstoff kann auf umfassende Sicherheitsdaten von mehr als
6.000 Erwachsenen über 50 Jahre inklusive Erwachsene mit bestehenden
Grunderkrankungen zurückgreifen.(5) Darüber hinaus baut der
13-valente Konjugat-Impfstoff auf den etablierten wissenschaftlichen
Grundlagen des 7-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffes auf. Von
beiden Impfstoffen wurden weltweit über 435 Mio. Dosen bei Kindern
und Säuglingen verimpft. Kollaritsch: "Da Pneumokokken jederzeit
übertragen und eine Infektion das ganze Jahr über auftreten kann, ist
die Impfung ganzjährig möglich und ratsam. Für Erwachsene ist eine
einmalige Impfung empfohlen."
Information und Aufklärung der Risikopersonen wichtig
"In Österreich ist die Impfskepsis relativ hoch, es herrschen
häufig Verunsicherung und Fehlinformation vor. Das gilt auch für die
Pneumokokken-Impfung. Es ist daher eine wichtige Aufgabe des Arztes,
Risikopersonen ausführlich über die Infektionskrankheit, das Risiko
aber auch über Wirkung und Nebenwirkungen einer Impfung aufzuklären.
Gleichzeitig müssen Ärzte ihren Patienten bewusst machen, dass
Impfungen zu den wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum Schutz
vor Infektionskrankheiten zählen", erläutert Dr. Rudolf
Schmitzberger, Impfreferent der Wiener Ärztekammer.
Pneumokokken-Impfaktion bis 31. März 2012
"Um die Gesundheitsförderung in Österreich zu stärken leisten auch
die Apotheken einen wichtigen Beitrag. Sie bieten das ganze Jahr über
Impfaktionen an und verzichten in diesem Zeitraum auf einen
wesentlichen Teil der Gewinnspanne. Dadurch kann zum Beispiel der
Pneumokokken-Impfstoff um ein Drittel billiger angeboten werden",
weist Mag. Dr. Christiane Körner, Vize-Präsidentin der
Österreichischen Apothekerkammer, hin. Die Österreichischen Apotheken
bieten noch bis 31. März 2012 den 13-valenten
Pneumokokken-Konjugatimpfstoff zu einem vergünstigen Preis von EUR
72,40 statt EUR 108,-- an. Außerdem informieren Apotheker/-innen
umfassend über Erkrankungen und Impfung und motivieren Risikogruppen
zur schützenden Impfung.
Referenzen:
1) George Michael Health Update www.georgemichael.com, Zugriff am 5. Januar 2011 2) Kunze, Ursula/Kunze, Michael: Epidemiologie und Krankheitslast durch Pneumokokken-Erkrankungen bei Erwachsenen - Burden of Disease Report; Update, Internationale Zeitschrift für ärztliche Fortbildung, Dezember 2011 3) Jahresbericht 2010 der Nationalen Referenzzentrale für Pneumokokken; Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Graz 4) World Health Organization. 23-valent pneumococcal polysaccharide vaccine: WHO position paper. Wkly Epidemiol Rec. 2008; 83:373-384. 5) Prevenar13 Fachinformation, Stand Oktober 2011Vergrößern
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