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OTS0270   24. Jan. 2012, 19:43

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Lasst das Parlament in Ruhe... kontrollieren" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 25.01.2012


Es ist ja lobenswert, wenn der steirische
Landeschef Franz Voves via "Pressestunde" seine Spargesinnung auch
dem Bund überstülpen will. Doch sein Vorschlag, ähnlich dem nächsten
steirischen Landtag auch gleich den Nationalrat um zehn Prozent zu
verkleinern, ist gefährlich. Und er wird um nichts harmloser, wenn
ihn jetzt auch der Landeshauptmann Niederösterreichs, Erwin Pröll,
oder der Vorarlbergs, Markus Wallner, nachplappern. Es werden sich
weitere finden, die das Parlament reduzieren wollen und glauben,
damit beim Wähler als Sparmeister durchzugehen.

Bei näherer Betrachtung entpuppt sich das Ziel, statt 183 nur noch
165 Abgeordnete haben zu wollen, so schnöde vier bis fünf Millionen
Euro einzusparen und in die Zeit vor der Wahlrechtsreform Kreiskys in
den 70ern zurückzukehren, als doppelt fragwürdig: Dahinter steckt
entweder purer Populismus - oder Ahnungslosigkeit.

Auf Letzteres deutet hin, dass die Wortführer des neuen
demokratischen Minimalismus Landtage und Nationalrat stets in einem
Aufwasch' gemeinsam verkleinern wollen. Dass Landtage eine
Verschlankung vertragen können, mag stimmen. Das werden die
Landeshauptleute aus eigener Erfahrung wohl präzis beurteilen können.

Doch der Nationalrat ist anders aufgestellt und scheint für Voves,
Pröll & Co. Teil eines Hohen Hauses mit sieben Siegeln sein.
Vielleicht hilft dem ein Kurzporträt ab: In dieser Abgeordnetenkammer
werden schon noch Gesetze gemacht. Im Vorjahr waren es 121 an 47
Plenartagen. Daran arbeiten 38 Ausschüsse mit meist 26 Abgeordneten,
die jährlich in etwa 200 Sitzungen verhandeln.

Schon dieser Aufwand überfordert kleinere Parteien, die eine
reduzierte Abgeordnetenschar wohl endgültig überlastete. Fast jeder
Abgeordnete kann überdies ein Lied davon singen, wie sehr die Arbeit
seit Österreichs EU-Beitritt zugenommen hat, weil auch EU-Recht in
die nationale Gesetzgebung zu übernehmen ist.

Außerdem wachsen die Kontrollaufgaben etwa durch das neue
Haushaltsrecht des Bundes, weshalb im Parlament derzeit ein eigener,
achtköpfiger Budgetdienst aufgebaut wird. Er soll dazu beitragen,
dass Abgeordnete in Finanzfragen endlich mit Finanzministern auf
Augenhöhe mitreden können.

Das alles ist mit weniger Personal nicht vernünftig zu machen.
Abgesehen davon, dass weniger Abgeordnete weniger Kontakt zu den
Wählern heißt. Wenn Politiker sparen wollen, bitte gern: bei ihren
Gehältern oder Nobelschlitten. Aber nicht durch Einschnitte in die
Demokratie durch weniger Kontrollore.****

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0270 2012-01-24 19:43 241943 Jän 12 PKZ0001 0372



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