OTS0258   24. Jan. 2012, 18:15

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Demokratie als Schlüssel zum Wachstum - von Eva Komarek

Der Umbruch hat die Region wirtschaftlich viel gekostet


Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi ist Geschichte,
Tunesien hat nach dem Sturz von Präsident Zine el Abidine Ben Ali
gewählt, Ägypten befindet sich in einer Transitionsphase - kurzum:
Nordafrika hat sich grundlegend verändert. Rein politisch betrachtet
wird der eingeschlagene Weg zu Freiheit und Demokratie natürlich
bejubelt, Jubel alleine wird diesen Ländern allerdings nicht auf die
Beine helfen.
Die Revolution hat die Region wirtschaftlich viel gekostet. In
Ägypten ist die ökonomische Lage stark angespannt, es braucht
dringend Investitionen. Nicht zuletzt der Tourismus, ein wichtiger
Wirtschaftsfaktor für das Land, hat sich halbiert. Im Frühjahr des
Vorjahres hatten die G8-Staaten noch Kreditzusagen über 20 Milliarden
$ gemacht, doch geflossen ist bisher noch relativ wenig. Inzwischen
musste sich Ägypten aufgrund der angespannten Devisensituation an den
IWF wenden. Auch Tunesien, das mittlerweile seit Monaten weitgehend
friedlich ist, ist wirtschaftlich noch nicht wirklich angesprungen,
und das, obwohl es ein investitionsfreundliches Klima gibt. Auch die
Touristen bleiben noch weitgehend aus. Gerade für Tunesien ist Europa
ein wichtiger Wirtschaftspartner, denn das Land macht drei Viertel
des Außenhandels mit der EU. Besser steht Libyen da, das vor allem
von seinen großen Rohstoffvorkommen profitiert. Zudem haben einige
westliche Firmen ihre Aktivitäten vor Ort wieder aufgenommen.

Was diese Region also dringend braucht, ist wirtschaftliche
Unterstützung, denn sonst könnte der Demokratisierungsprozess
gefährdet sein. Da sind einerseits natürlich die westlichen Staaten
gefordert, die über die Probleme der Eurokrise Nordafrika nicht
vergessen sollten. Anderseits ist aber auch die Privatwirtschaft
gefordert. Doch gerade hier liegt die Krux an der Sache, denn für
Investoren bietet diese Region mittelfristig wenig Sicherheit und
Stabilität. Die Investitionen ausländischer Unternehmen sind versiegt
und für Finanzinvestoren ist Nordafrika von der Landkarte
verschwunden. Dabei könnten sich gerade in dieser Region
Investitionen langfristig sehr lohnen. Goldman Sachs hat vor ein paar
Jahren etwa Ägypten auf die Liste der Next 11 gesetzt und dem Land
damit viel Potenzial einräumt. Diese Region hat eine junge
Bevölkerung, verfügt über viele Bodenschätze und bricht in eine
demokratische Zukunft auf. Nicht zuletzt über Investitionen kann
politischer Druck ausgeübt werden, damit institutionelle und
rechtliche Strukturen geschaffen werden, die die Marktöffnung
gelingen lassen. Dann könnte die Region zu einem echten
Wachstumsträger werden.

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OTS0258 2012-01-24 18:15 241815 Jän 12 PWB0002 0384



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