• 24.01.2012, 11:13:21
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Start des innovativen Webservice MathInBraille

Einzigartiges Serviceangebot der Hilfsgemeinschaft und Universität Linz für visuell beeinträchtigte Menschen revolutioniert Zugang zu mathematischen Inhalten

Wien (OTS) - Die Darstellung mathematischer Formeln mit ihrer
Vielzahl von Symbolen gehört zu den schwierigsten Aufgaben im Bereich
der Brailleschrift. Durch das neu entwickelte Onlineportal
www.mathinbraille.at haben blinde Menschen jetzt die Möglichkeit,
bislang unzugängliche mathematische Inhalte einfach und kostenlos in
lesbare Braille- und Sprachformate zu konvertieren.

Weltweit existiert noch immer kein einheitliches Braillesystem für
die Darstellung von Mathematik, auch wegen der nationalen
Unterschiede zwischen den Brailleschriften in verschiedenen Sprachen.
Blinde und sehbehinderte Menschen haben daher große Schwierigkeiten
beim Lesen mathematischer Inhalte. Diesem Problem widmete sich das
Projekt MathInBraille, das 2010 von der Hilfsgemeinschaft der Blinden
und Sehschwachen Österreichs in Kooperation mit dem Institut
Integriert Studieren der Johannes Kepler Universität Linz ins Leben
gerufen wurde.

"Der Zugang zu Texten in Brailleschrift hat sich in den letzten
Jahren entscheidend verbessert. Anders ist die Situation bei
mathematischen Formeln, die meist nicht oder nur unzulänglich
bereitgestellt werden", fasst Univ.-Prof. Dr. Klaus Miesenberger die
Ausgangssituation zusammen. "Mit MathInBraille haben wir eine
einfache, internetbasierte Lösung zur Verfügung gestellt, die bei
Bedarf in der Praxis, also im Alltag, in der Schule, an der
Universität schnell und einfach anzuwenden ist", erläutert der
Projektleiter das Potenzial des Onlineportals.

Aufwändige Entwicklungsarbeit

Bei der aufwändigen Entwicklung des innovativen Webservice galt es
komplexe Herausforderungen zu bewältigen. So musste ein
8-Punkte-Braillesystem für mathematische Inhalte neu definiert
werden, das sich zum Lesen auf der Braillezeile am Computer eignet.
Die visuelle Darstellung von zweidimensionalen Formeln, wie z. B.
Wurzel aus (a zum Quadrat + 4)gebrochen durch 8 wurde auf die
lineare, eindimensionale, taktile Ebene von Brailleformaten
heruntergebrochen. Um eine brauchbare Sprachausgabe generieren zu
können, musste ein verbales Mathematiksystem definiert werden. Das
ist eine Vorschrift, wie mathematische Inhalte vorgelesen werden
müssen, um überhaupt verständlich zu sein. Informatiker der
Universität Linz entwickelten die Softwaremodule zur Implementierung
in die frei zugängliche Konvertierungsdatenbank MathInBraille.

Blinde und sehbehinderte User können jetzt mithilfe des neuen
Onlineportals ganz einfach die Heronsche Flächenformel oder den Satz
des Pythagoras in Braille- oder Sprachformate konvertieren.

Beitrag zur inklusiven Bildung

Die Onlineplattform ist ein gelungenes Beispiel, wie das Internet
zum Abbau von Barrieren verwendet werden kann: "MathInBraille ist ein
wichtiger Beitrag zum Abbau der digitalen Kluft und ein innovativer
Schritt in Richtung inklusive Bildung", ist Mag. Irene Vogel,
Geschäftsführerin der Hilfsgemeinschaft, überzeugt. Schüler und
Studierende, aber auch alle anderen blinden und sehbehinderten
Personen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit mit Sach- und
wissenschaftlicher Literatur beschäftigen, können von MathInBraille
profitieren.

Die Projektmitarbeiter der Hilfsgemeinschaft, Mag. Klaus Höckner
und Mag. Daniele Marano, sind mit den bisherigen Ergebnissen sehr
zufrieden und weisen auf die großen Vorteile des webbasierten,
kostenlosen Services hin: "Der Benutzer muss keine zusätzliche
Software auf seinem Computer installieren, um mathematische Formeln
zu konvertieren. Von jedem PC mit Internetanschluss können
mathematische Texte in einem für die Braillezeile bzw. Sprachausgabe
geeigneten Format erzeugt werden."

Finanzierung durch die IPA

Das Förderprogramm Netidee 2010 der gemeinnützigen Internet
Foundation Austria (IPA) hat das Projekt MathInBraille finanziert.
Dabei handelt es sich um ein Folgeprojekt des ebenfalls von der IPA
geförderten, äußerst erfolgreichen Webservice RoboBraille-Deutsch
(www.robobraille.at). Nichtkommerzielle Anwender können damit
kostenlos elektronische Dokumente in Blindenschrift oder synthetische
Sprache konvertieren. Dadurch wird der Zugang zu Information und
Bildung für visuell beeinträchtigte Menschen und Personen mit
Lese-/Schreibschwäche wesentlich erleichtert. Der RoboBraille-Service
ist derzeit in 15 Sprachen verfügbar.

Rückfragehinweis:
Mag.(FH) Agnes Dürhammer, Tel. 01/330 35 45-23,
E-Mail: [email protected]

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