• 24.01.2012, 11:00:37
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AK: 5-Punkte-Paket für faire Chancen und sozialen Zusammenhalt

Tumpel: Kenntnisse, die MigrantInnen mitbringen, besser nutzen

Wien (OTS) - "Wir müssen die Chancen der Zuwanderung sehen und den
sozialen Zusammenhalt fördern", sagt AK Präsident Herbert Tumpel.
Rund 1,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in
Österreich. Eine neue Studie der AK zu den Chancen und Problemen von
MigrantInnen auf dem Arbeitsmarkt zeigt: Die Beschäftigten mit
Migrationshintergrund bringen viele Kenntnisse und Fertigkeiten mit.
Aber nur ein Teil dieser Kompetenzen wird wirklich genutzt. "Hier
müssen wir ansetzen", so Tumpel. "Wenn ein Ingenieur oder eine Ärztin
als Hilfsarbeiter oder Pflegekraft eingesetzt wird, ist das eine
Vergeudung von Kenntnissen und Fähigkeiten, die wir uns nicht mehr
leisten können." Tumpel fordert ein 5-Punkte-Paket für faire Chancen
und sozialen Zusammenhalt: schnellere, gezielte Anerkennung von im
Ausland erworbenen Kenntnissen. ZuwanderInnen sollen auf ihre
persönliche Situation maßgeschneiderte Beratung und eine Einschätzung
ihrer Kompetenzen bekommen. Berufliche Bildung und Weiterbildung
müssen dies ebenso ergänzen wie ein Schulsystem, das gleiche Chancen
für alle Kinder bietet und ein gezieltes Vorgehen gegen Lohn- und
Sozialdumping. "Damit sich schnell etwas ändert braucht es aber auch
ein besser abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern und Gemeinden
sowie die aktive Mitarbeit der Unternehmen", so Tumpel.

MigrantInnen in Wien sprechen meist mehrere Sprachen, viele haben
akademische Abschlüsse. Aber 33 Prozent werden weit unter ihrem
Qualifikationsniveau eingesetzt. Zum Vergleich: 11 Prozent der
Beschäftigten mit österreichischen Wurzeln arbeiten unter ihrem
Qualifikationsniveau.

Zwei Drittel haben eine Ausbildung im Ausland abgeschlossen. Aber
weniger als ein Fünftel der ZuwanderInnen mit Bildungsabschluss im
Ausland beantragt die Nostrifikati-on der Ausbildung. Die Regeln
dafür sind unübersichtlich und viele Ausbildungen kön-nen gar nicht
nostrifiziert werden. Auch Nostrifizierung führt nur in praktisch
jedem zweiten Fall zu tatsächlich ausbildungsadäquatem Einsatz auf
dem Arbeitsmarkt in Österreich. Das wirkt sich auf das Einkommen von
MigrantInnen aus: Fast 60 Prozent der MigrantInnen kommen bei einer
Vollzeitarbeit auf einen Verdienst von höchstens 1.400 Euro netto.
Bei den Beschäftigten ohne Migrationshintergrund sind es knapp 20
Prozent. Und auch die Gefahr arbeitslos zu werden, ist für
MigrantInnen höher: In den letzten 10 Jahren waren über 40 Prozent
der MigrantInnen zumindest einmal von Arbeitslosigkeit betroffen,
unter den Beschäftigten ohne Migrationshintergrund waren es 12
Prozent.

Frauen, die zuwandern, müssen mit doppelter Benachteiligung
kämpfen, als Frauen und als Migrantinnen: 36 Prozent der Frauen mit
Migrationshintergrund üben eine Hilfstätigkeit aus, unter den Männern
mit Migrationshintergrund sind es 20 Prozent. Zum Ver-gleich: Unter
den Beschäftigten ohne Migrationshintergrund üben 4 Prozent der
Frauen und 3 Prozent der Männer eine Hilfstätigkeit aus. Die AK will
deshalb mehr gezielte Unterstützung für Frauen etwa bei der
Wiedereingliederung in den Beruf.
Die AK fordert deshalb Bund, Länder und Gemeinden sowie die
Unternehmen zu mehr Anstrengungen in der Integrationspolitik auf und
präsentiert ein 5-Punkte-Programm:

+ Etwa 20 Prozent der MigrantInnen in Wien bringen akademische
Abschlüsse mit, können diese aber oft nicht verwerten, da ihre
Abschlüsse nicht anerkannt werden oder die Anerkennung, insbesondere
die Nostrifikation akademischer Abschlüsse ein komplizierte
Hürdenlauf durch verschiedene Behörden und Ministerien ist. Deshalb
muss ähnlich wie schon in Deutschland oder den Niederlanden eine
zentrale Anlaufstelle für Anerkennung und Nostrifikation
ausländischer Abschlüsse geschaffen werden. Für informelle
Qualifki-kationen braucht es ein Zertifizierungssystem, dass
Kenntnisse und Fähigkeiten anerkennt und dazu ergänzende Wege zu den
in Österreich anerkannten Berufsqualifizierenden Abschluss aufzeigt.
Das hilft MigrantInnen und NichtmigrantInnen.

+ Wer neu ins Land kommt, verliert zu viel Zeit mit der Orientierung
am Arbeitsmarkt. Mit maßgeschneiderten "Integrationspaketen" sollte
jede ZuwanderIn ein für sie passendes individuelles Beratungspakt
erhalten mit Information über Österreich, eine individuelle
Kompetenzenanalyse und einen Qualifikations-und Eingliederungspfad
in den Arbeitsmarkt. Der Österreichische Integrationsfonds biehte
viele Hilfen, aber die ist bis jetzt nicht flächendeckend
standardisiert und akkordiert.

+ Über 40 Prozent der MigrantInnen gegenüber 12 Porzent bei
NichtmigrantInnen waren seit 2000 zumindest einmal arbeitslos. Das
hängt auch mit ungenügenden Weiterbil-dungsangeboten zusammen, die
zudem zersplittert sind (AMS, VHS-AK, WAFF,ÖIF) und daher nicht
effektiv genug sind. Das Bildungssystem, aber auch das AMS, müssen
entsprechende berufliche Weiterbildungsangebote ausbauen.

+ Frauen mit Migrationsghintergrund sind doppelt benachteiligt: 36
Prozent der Migrantinnen üben eine Hilfstätigkeit aus. Damit Familie
und Beruf, aber auch die Weiterbildung für den (Wieder-)Einstieg in
einen Beruf für sie möglich werden, braucht es mehr Angebote für
eine ganztägige Kinderbetreuung.

+ Wenn fast jeder dritte Beschäftigte mit Migrationshintergrund unter
der von ihm erworbenen Qualifikation eingesetzt wird, führt das zu
Lohndumping. Denn von vielen wird eine höherwertige Leistung
gefordert, aber nicht bezahlt. Um Lohn- und Sozialdumping zu
verhindern, muss das bestehende Lohn- und Sozialdumpinggesetz
konsequent angewandt werden. Unterentlohnung durch Betriebe ist kein
Kavaliersdelikt.

Rückfragehinweis:

AK Wien Kommunikation
   Ute Bösinger
   Tel.: (+43-1) 501 65-2779
   0664 845 4202
   mailto:[email protected]
   wien.arbeiterkammer.at

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