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"Die Presse" - Leitartikel: Lasst Strache und sein Team arbeiten!, von Michael Fleischhacker
Ausgabe vom 21.01.2012
Wien (OTS) - Eine Regierungsbeteiligung der FPÖ, am besten an der
Seite der SPÖ, wäre auf jeden Fall nicht schlimmer als eine
Fortsetzung der Großen Koalition.
Heinz-Christian Strache will Kanzler werden. Und er hat kürzlich
angedeutet, dass das noch nicht das Ende der Karriereleiter sein
muss, die ihm die Herren Faymann, Spindelegger und Co. jeden Tag
höchstpersönlich halten, auf dass er es beim Aufstieg bequem haben
möge. Da muss die wohlgeschmierte Angstlustmaschine des
österreichischen Durchschnittsantifaschisten nicht lange arbeiten, um
zu wissen, was Sache ist: Wenn er es erst einmal auf demokratischem
Weg ins Kanzleramt geschafft hat, wird er die Demokratie ausschalten
und als unerbittlicher Diktator vom Wiener Heldenplatz aus Krieg und
Verderben über die Welt bringen. Das bisschen Hitler, das der
österreichische Durchschnittsantifaschist braucht, um sich fürchten
zu können, macht er sich gern selbst, und Herr Strache, der wo ein
ganz ein Lieber ist, hilft gern dabei.
Schließlich haben sie ja beide was davon: Strache profitiert von der
Überhöhung, der durchschnittliche österreichische Antifaschist fühlt
sich durchschnittlich aufrecht und auch ein wenig mutig. Ohne
einander hätten es die beiden viel schwerer.
Mit der Realität hat das eher wenig zu tun. Wohl ist Heinz-Christian
Strache ein ehemaliger Neonazi, aber das ist lange her, und man darf
davon ausgehen, dass sein politisches Ziel nicht das Ausschalten der
Demokratie ist, sondern das Einschalten der Lichter im
Bundeskanzleramt. Auch und vor allem böse Jungs wollen geliebt
werden, ihre Bosheit hat oft nur eine Botschaft: "Mögt mich!"
Ob er die Andeutung mit der Karrierestufe über dem Bundeskanzler
bewusst gemacht hat, oder ob sie ihm einfach passiert ist, wie ihm
viele sehr witzige Formulierungen passieren, weil er dazu neigt,
schneller zu sprechen, als Herbert Kickl denken kann, wissen wir
nicht. So oder so dient sie aber dazu, den Irrtum zu verfestigen, der
die Grundlage seines Erfolgs bildet: dass es in der politischen
Auseinandersetzung mit der FPÖ darum geht, in Bezug auf die
nationalsozialistische Vergangenheit Flagge zu zeigen und dem
späteren Weltenbrandstifter schon jetzt mutig entgegenzutreten (hätte
es nur vor 70 Jahren so viele mutige Menschen gegeben wie heute!).
Der Hauptgrund für die Attraktivität der Strache-FPÖ ist die
Tatsache, dass ein gutes Viertel der österreichischen
Wahlberechtigten die Politikerdarsteller, die das
sozialpartnerschaftlich-großkoalitionäre Reinhardt-Seminar für
Nebenrollen hervorbringt, einfach nicht mehr sehen kann. Wenn der
durchschnittliche österreichische Antifaschist sein schläfriges
Geistesleben mit ein wenig Angst vor der Wiederkehr des Gefreiten in
der Gestalt des Zahntechnikers aufpeppt, hilft das Heinz-Christian
Strache doppelt: Die Handvoll Nazi-Psychopathen, die es immer noch
gibt, findet ihn toll, und die vielen, die von Spindelmann die Nase
voll, aber auch mit Strache eigentlich nichts am Hut haben,
solidarisieren sich vielleicht sogar mit ihm gegen die dämliche
Antifa-Nummer.
Dass er kein Programm im herkömmlichen weltanschaulichen Sinn hat,
ist wahr. Und in einem Punkt haben die Angstlüstlinge sogar recht: In
den klassischen Begrifflichkeiten ist das, was Straches Partei in
einzelnen Fragen vertritt, am ehesten eine Art nationaler
Sozialismus.
Für allfällige Koalitionsverhandlungen nach der nächsten Wahl bietet
die ideologische Schlüpfrigkeit der FPÖ jedenfalls geradezu ideale
Voraussetzungen: Sie hat sowohl mit der ÖVP als auch mit der SPÖ
genug Gemeinsamkeiten, um eine Koalition zustande zu bringen, und
genug Unterschiede, um später einen Wahlkampf bestreiten zu können,
und sie belästigt das staatsgläubige Volk ebenso wenig mit liberalen
Ideen wie der Rest der Parteienlandschaft.
Logischer, kompakter und effizienter wäre vermutlich eine aus FPÖ und
SPÖ gebildete Regierung: Der eingefleischte Antiliberalismus beider
Parteien wäre stark genug, das Werk der wohlmeinenden Entmündigung
der Bevölkerung endgültig zu vollenden.
Man wüsste dann wenigstens, woran man ist. Nicht zuletzt deshalb ist
eine Regierungsbeteiligung der FPÖ auf jeden Fall nicht schlimmer als
eine Fortsetzung der Großen Koalition.
Rückfragehinweis:
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