Gesundheitsberufe: Weg vom Standardpatienten - hin zur personalisierten Medizin 2
Gesundheitsberufe brauchen Personalaufstockung - Dorner will Gesundheitskompetenz in Bevölkerung erhöhen - Stöger sieht Einsparung durch Prozessverbesserung - Förderpreis nach Graz
Wien (OTS) - Die prominent besetzte Podiums- und
Publikumsdiskussion auf dem zweiten "Tag der Gesundheitsberufe"
drehte sich am Donnerstag um unterschiedliche Aspekte des Themas
"Altersgerechte Behandlung und Pflege". Dabei waren sich die
Diskutanten darin einig, dass Gesundheitsberufe in Zukunft stärker
kooperieren müssen und ihnen neue Herausforderungen bevorstehen.
Gleichzeitig müsse der Patient in den Mittelpunkt gestellt werden,
und auch die Rolle der Prävention dürfe nicht unterschätzt werden. Im
Bereich der Pflege bedürfe es einer Aufstockung der
Personalressourcen - bis 2020 werden demnach 17.000 zusätzliche
Pflegekräfte benötigt, wobei eine qualifizierte Aus-, Fort- und
Weiterbildung von allen Diskussionsteilnehmern begrüßt wurde. Um ein
Mehr an Patientensicherheit zu erreichen, sei es unabdingbar, die
Angehörigen der gesetzlich anerkannten Gesundheitsberufe
verpflichtend zu registrieren und so eine klare Abgrenzung zu den
gewerblichen Gesundheitsdienstleistern und "Wunderheilern" ohne
qualifizierte Ausbildung zu schaffen.
Dorner: Vom Standardpatienten lösen
Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner,
betonte die Bedeutung der personalisierten Medizin und die dringend
notwendige Loslösung vom Standardpatienten: "Der Patient muss als
Partner in der Krankenbehandlung gesehen werden", hielt Dorner fest.
Sowohl die Personalressourcen als auch die Rahmenbedingungen und die
Versorgungsgerechtigkeit müssten unter einen Hut gebracht werden.
Dorner: "Ich weiß, das ist die Quadratur des Kreises - und es ist
Aufgabe der Politik, dies zu ermöglichen." Gleichzeitig müsse die
Gesundheitskompetenz der Bevölkerung erhöht werden, und nicht zuletzt
sei die Prävention ein wichtiges Instrument, um Krankheiten in Schach
zu halten, so der Ärztechef.
Auch das in den vergangenen Wochen vielfach diskutierte Sparpaket war
Thema der Diskussion. Gesundheitsminister Alois Stöger hielt dazu
fest, dass man durch eine Verbesserung der Qualität bzw. der
Behandlungsprozesse Einsparungen treffen könne, etwa im Bereich der
präoperativen Diagnostik. Manche Untersuchungen müssten wiederholt
werden, es sei aber notwendig, hier das richtige Maß zu finden. Eine
differenzierte Meinung äußerte Stöger zu der seit Jahren immer wieder
vorgetragenen Forderung der ÖÄK, in den Krankenhäusern
Doumentationsassistenten zu installieren, die dem ärztlichen Personal
den stetig wachsenden Administrationsaufwand abnehmen könnten: "Dafür
gibt es genügend ausgebildete Leute, die etwa aus den
Handelsakademien kommen. Dieses Problem zu lösen, ist eine Frage der
Organisation im Spital."
Förderpreis an Grazer Institut für Pflegewissenschaft
Im Anschluss an die lebhafte Diskussion wurde der Förderpreis der
Gesundheitsberufekonferenz vergeben. Als klarer Sieger ging ein
Projekt von Studierenden der Medizinischen Universität Graz, Institut
für Pflegewissenschaft, zum Thema Dekubiutsprävention hervor. Mittels
einer Informationsbroschüre und eines Schulungskonzepts soll
pflegenden Angehörigen ein Instrumentarium an die Hand gegeben
werden, um das Wundliegen der Patienten zu verhindern bzw. um besser
und effektiver mit professionellen Pflegern zusammenarbeiten zu
können. Platz zwei ging an die Schule für psychiatrische Gesundheits-
und Krankenpflege der Nervenklinik Linz für das Pilotprojekt
"Information an Schulen zum Thema Epilepsie". Mit einer Studie zum
Einfluss von Ernährungsberatung auf die Substitution von
Pankreasenzymen (Bauchspeicheldrüsenenzyme) bei geriatrischen
Patienten sicherte sich schließlich Lucia Jörg, Fachhochschule
Innsbruck, den dritten Platz. Überreicht wurden die Preise von Martha
Böhm, Präsidentin des Berufsverbands Kinderkrankenpflege Österreich
und derzeitige Vorsitzende der Gesundheitsberufekonferenz. (Schluss)
(sl/ms)
Mag. Martin Stickler
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