• 19.01.2012, 09:57:12
  • /
  • OTS0042 OTW0042

Lawinengefahr: 150.000 Hektar Bundesforste-Schutzwald helfen

Wildverbiss als größte Bedrohung für Schutzwald - Tirol: Laufende Novellierung des Jagdgesetzes als große Chance

Wien/Purkersdorf (OTS) - Als Gebirgsland ist Österreich von
Naturgefahren wie Lawinen, Muren oder Steinschlag besonders
betroffen. "Zum Schutz vor Elementargefahren im alpinen Raum spielen
Schutzwälder eine wichtige Rolle", erklärt Georg Erlacher,
Vorstandssprecher der Österreichischen Bundesforste (ÖBf). Sie bilden
einen natürlichen Wall und schützen Siedlungen und Infrastruktur wie
Straßen, Stromleitungen oder Bahngleise vor zerstörerischen
Naturgewalten. "Durch Temperaturanstieg, Wetterextreme, aber auch
Wildeinfluss", sagt der Vorstandssprecher, "stehen die Schutzwälder
in Österreich heute stärker unter Druck als je zuvor - ganz besonders
in alpinen Regionen wie Tirol, Vorarlberg oder Salzburg." Umso
wichtiger sind die nachhaltige Betreuung und der Erhalt dieser so
wertvollen Wälder insbesondere in den Gebirgstälern Tirols, wo dieser
Tage der Entwurf zum überarbeiteten Landesjagdgesetz in Begutachtung
geht. "Die anstehende Novellierung des Jagdgesetzes in Tirol", betont
Erlacher, "ist eine große Chance zum Erhalt des Schutzwaldes. Wir
hoffen, dass sie mit dieser Novelle auch genutzt wird". Allein in
Tirol betreuen die Bundesforste rund 42.000 Hektar Schutzwald.

Wildverbiss gefährdet Schutzwald

Klimatische Veränderungen, Elementarereignisse und vor allem
Wildverbiss sind die wichtigsten Einflussfaktoren, die auf
Schutzwälder einwirken. "Schadinsekten dringen", berichtet Erlacher,
"in immer höhere Lagen vor und schwächen Schutzwälder. Geringer
Niederschlag und hohe Temperaturen - so genannter Trockenstress -
setzen den Bäumen zu." Hinzu kommen Schädigungen durch Wild - Verbiss
hindert das Aufkommen von Jungbäumen, durch Schälungen wird die Rinde
abgenagt, das Fegen der Geweihe schädigt die Stämme. Ist die
Schutzfläche einmal zerstört, vergehen Jahrzehnte, bis der Wald
wieder seine volle Schutzfunktion entfaltet. "Vor allem der
Wildverbiss macht dem Wald zu schaffen", stellt Erlacher fest, "der
Wald überaltert immer mehr, da durch den starken Wildverbiss
vielerorts kein Jungwald aufkommen kann." In Zeiten des Klimawandels
mit vermehrt auftretenden Wetterextremen, Starkniederschlägen,
Lawinen oder Murenabgängen werden Schutzwälder immer wichtiger. Doch
der natürliche Nachwuchs der Wälder nimmt ab, die Anzahl an von
selbst nachwachsenden Jungbäumen geht deutlich zurück. Dies gilt
insbesondere für hoch gelegene, extreme Lagen, in denen die Bäume
ohnehin schwierige Wuchsbedingungen vorfinden und sehr langsam
wachsen. "Ohne zusätzliche Aufforstung geht es nicht", sagt Erlacher.
"Wir müssen die Natur unterstützen."

600.000 Jungbäume für Österreichs Schutzwälder

"Allein im letzten Jahr haben wir 600.000 Jungbäume in
Schutzwäldern gesetzt", sagt der Vorstandssprecher. Rund 16% des
österreichischen Waldes, das sind 780.000 Hektar, sind Schutzwald.
Die ÖBf bewirtschaften 514.000 Hektar Waldfläche, davon ist etwa ein
Drittel, rund 150.000 Hektar, Schutzwald. "Jeder fünfte Quadratmeter
Schutzwald", so Erlacher, "wird von den Bundesforsten betreut." Die
meisten Schutzwälder betreuen die Bundesforste neben Tirol (42.000
ha) in Salzburg (35.000 ha), der Steiermark (28.000 ha) und
Oberösterreich (27.000 ha). "Die Schutzwälder", so Erlacher, "können
nicht nur Lawinen und Vermurungen verhindern, sie schützen auch vor
Bodenerosion und Steinschlag."

83 Schutzwald-Projekte - Schwerpunkt Salzburg und Tirol

"Durch die großen Stürme der letzten Jahre - Kyrill, Paula und
Emma - sind viele Kahlflächen entstanden", berichtet der
Vorstandssprecher. "Derzeit haben wir 83 Schutzwaldprojekte in
Umsetzung, die meisten - aufgrund der Siedlungsdichte und den steilen
Hanglagen - in Salzburg und Tirol." 31 Projekte laufen derzeit etwa
in Salzburg - viele entlang der Felbertauernstraße oder der
Tauernautobahn, so bei Zederhaus und St. Michael, und in touristisch
stark erschlossenen Regionen wie dem Großarltal oder dem Gasteiner
Tal. Auch in Tirol werden in 30 Schutzwäldern, darunter im Brixental,
im Zillertal oder bei Ischgl, Maßnahmen zum Erhalt der wertvollen
Wälder gesetzt. Gepflanzt werden neben Fichten vor allem Baumarten
wie Lärche, Zirbe oder Tanne, die die Wälder stabiler machen. "Die
Fichte eignet sich für den Lawinenschutz besonders gut. Die Bäume
stehen dicht, der Schnee bleibt in den Kronen hängen, während die
Lärche, die im Winter keine Nadeln trägt, besonders sturmfest und
steinschlagresistent ist", führt Erlacher aus.

Forschung für den Schutzwald

Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur haben die
Österreichischen Bundesforste ein Forschungsprojekt zu Schutzwäldern
ins Leben gerufen. Dabei werden die Widerstandsfähigkeit und die
Gefährdung der Wälder unter den geänderten Klimabedingungen
untersucht und zukünftige Maßnahmen zur Schutzwalderhaltung
entwickelt. Ein Projekt, das sich langfristig jedenfalls bezahlt
macht: "Das Kostenverhältnis von Schutzwäldern im Vergleich zu
baulichen Schutzmaßnahmen liegt bei 1:10:100", erklärt Erlacher. "Die
Sanierung eines Schutzwaldes kostet gegenüber einer normalen
Bewirtschaftung etwa 10 Mal so viel. Die Kosten für eine technische
Verbauung liegen um ein Hundertfaches darüber", so Erlacher
abschließend.

Pressefotos unter www.bundesforste.at

Rückfragehinweis:
Österreichische Bundesforste
Pia Buchner, Unternehmenskommunikation
Tel.: 02231-600-2123
E-Mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OBF

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel