OTS0018   19. Jan. 2012, 09:00

Allianz Studie: Zahl der Demenzkranken verdoppelt sich in Österreich bis 2050


Die Zahl der Demenzkranken wird im Zuge der höheren
Lebenserwartung weltweit von heute 36 Millionen bis zum Jahr 2050 auf
115 Millionen ansteigen. Auch Österreich ist betroffen: nahezu jeder
zehnte Über-60-Jährige wird an Alzheimer erkranken. Gleichzeitig
verändern sich die Familienstrukturen und sinken die
Sozialleistungen. Damit steigt der Bedarf nach finanzieller
Absicherung.

"Der demografische Wandel ist ein struktureller Trend mit
potenziell dramatischen Auswirkungen: Die steigende Zahl von
Demenzerkrankungen zählt dabei wohl zu den traurigsten Entwicklungen
der Bevölkerungsalterung", kommentiert Dr. Wolfram Littich,
Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich, die
Ergebnisse des aktuellen Allianz Demographic Pulse.

Österreich bei Anstieg über Europa-Trend

Wirft man einen Blick auf die Prognosen, so zeichnet sich ein
düsteres Bild: Alle Staaten Europas sind mit einer steigenden Zahl an
Demenzkranken konfrontiert. Wird keine Heilungsmöglichkeit gefunden,
dürfte sich die Zahl der Demenzkranken bis Mitte des Jahrhunderts von
heute rund zehn Millionen Menschen auf knapp 19 Millionen Menschen
nahezu verdoppeln. Dabei verzeichnet Irland den stärksten relativen
Anstieg: So wird es im Jahr 2050 mit rund 130.000 Demenzkranken dort
dann dreimal so viele Demenzfälle geben wie heute (40.000), gefolgt
von Zypern (plus 209 Prozent) sowie Luxemburg (plus 183 Prozent). Der
geringste Anstieg ist in Bulgarien zu erwarten (plus 38 Prozent), wo
die Zahl der Alzheimer-Patienten auf 127.000 ansteigen dürfte. In
Österreich ist aufgrund der älter werdenden Bevölkerung mit mehr als
einer Verdoppelung der Fallzahlen von derzeit 120.000 auf 269.000
Demenzkranke zu rechnen.

Pflege in Österreich: Kosten von rund 1.000 bis 4.000 Euro pro Monat

Auch die volkswirtschaftlichen Kosten der Krankheit sind
beträchtlich: Leistungen durch die formale Pflege sowie Pflege durch
Angehörige belaufen sich derzeit hochgerechnet auf mehr als 450
Milliarden Euro weltweit, so die Allianz Studie. Vergleicht man die
Kosten pro Patient und Jahr, zeigt sich ein differenziertes Bild: in
den USA liegen die durchschnittlichen Kosten bei rund 45.000 Euro,
gefolgt von Schweden mit 37.000 Euro und Australien mit 26.000 Euro.
Der Schnitt der EU-27 liegt bei ca. 24.000 Euro. In Österreich liegt
der Durchschnitt bei 17.000 Euro, wobei die Bandbreite zwischen
häuslicher und stationärer Pflege sehr groß ist: Denn die
Gesamtkosten pro Patient und Jahr belaufen sich derzeit laut
konservativer Berechnung auf durchschnittlich 10.000 Euro in
häuslicher Pflege und auf bis zu 43.000 Euro in stationärer Pflege -
Tendenz: steigend.

Häusliche Pflege in Zukunft immer seltener durch Angehörige

Im Jahr 2050 werden mehr als 3 Millionen Österreicher älter als 60
Jahre alt sein, davon dürfte fast jeder Zehnte von Demenz betroffen
sein. Wie hoch künftig die Kosten für die Pflege eines Demenzkranken
sein werden, hängt nicht zuletzt von dessen familiärer Situation ab.
Gegenwärtig wird der Großteil von Demenzkranken zuhause von den
eigenen Angehörigen gepflegt. Angesichts künftig sinkender
Sozialleistungen und gleichzeitig steigender Anforderungen an die
berufliche Mobilität dürfte jedoch die Bereitschaft abnehmen, den
Beruf komplett aufzugeben und die Betreuung oder Pflege der
Angehörigen dauerhaft selbst zu übernehmen. Darüber hinaus fühlen
sich Betroffene und Angehörige bei Fragen, wie der Verlauf der
Krankheit gemildert, der Alltag eigenständig bewältigt oder ein
geeigneter und insbesondere finanzierbarer Pflegeplatz gefunden
werden kann, häufig allein gelassen.

Krankheit unheilbar, finanzielle Absicherung möglich

Seit der erstmaligen Beschreibung der Krankheit im Jahre 1906
wurden zwar erhebliche Fortschritte bei der Erforschung der
Wirkungszusammenhänge erzielt, eine dauerhafte Linderung oder gar
Heilung von Demenz ist bislang jedoch nicht möglich. Bei einer
frühzeitigen Diagnose kann der Ausbruch bzw. das Fortschreiten der
Krankheit durch die Gabe von entsprechenden Antidementiva
hinausgezögert werden. Auch geistige und gezielte sportliche
Aktivitäten können präventiv wirken oder den Verlauf der Krankheit
mildern.

Versicherungen stellen sich zunehmend auf die Herausforderungen
durch die stark steigende Bedeutung dieser Krankheit ein. Die
Pflegeversicherung der Allianz erbringt während der
Pflegebedürftigkeit - ab Stufe 3 - eine monatliche Leistung, auch im
Falle von Demenz. "Demenz ist ein schwieriges Thema, bei dem alle -
Staat, Unternehmen aber auch jeder Einzelne - gefordert sind. Es
gilt, Defizite in der medizinischen Versorgung und der Pflege für
Demenzkranke zu verbessern. Letztendlich muss sich jeder Einzelne so
früh wie möglich mit dem Thema beschäftigen", so Littich
abschließend.

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