• 18.01.2012, 19:33:23
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vorzeitiger Namenerguss und seine fatalen Folgen" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 19.1.2012

Graz (OTS) - In Monty Pythons köstlichem Film "Die Ritter von der
Kokosnuss" gibt es ein Schwertduell. Der hoffnungslos Unterlegene
verliert zuerst einen Arm, dann ein Bein, aber er gibt nicht auf. Am
Schluss besteht er nur noch aus Rumpf und Kopf und faucht seinen
Bezwinger drohend an: "Wir sehen uns wieder!"

Gegen Schluss des Scharmützels Wrabetz/Pelinka gegen den Rest der
Welt fühlte man sich an diese Szene erinnert. Nachdem der ORF-General
eine Evocatio praecox, also einen vorzeitigen Namenerguss hatte und
Niko Pelinka als seinen neuen Bürochef verkündete, hagelte es interne
und mediale Schwerthiebe: Die ZiB-Journalisten revoltierten offen,
die Redakteursversammlung protestierte brieflich mit 1.316
Unterschriften. Faktisch alle Printmedien, auch jene, die dem
Super-Alex sonst aus der Hand naschen und ihren Super-Inserenten
Werner Faymann blindlings dauerhuldigen, gingen gegen die
SP-getriebene Personalie auf Distanz.

Zumal Alexander Wrabetz nicht als Kämpfer gilt und Niko Pelinka
hartnäckig unter Schnöselverdacht gestellt wurde, wollte sie offenbar
einmal echtes Durchhaltevermögen demonstrieren. Und der SPÖ-Chef
hoffte wohl, dass die realen Schrecken der Krise das Küniglberger
Gewitter bald verblasen würde.

So kann man sich täuschen: Der jüngste Hieb der ORF-Redakteure war
tödlich. Ihre am Montag auf YouTube gestellte (www.youtube.com,
Suchbegriff ORF) Protestlitanei wurde bis gestern Abend von fast
einer halben Million Nutzern aufgerufen. Da wurden selbst Failmann &
Co. nervös und zogen die Reißleine. Aktion Niko abgeblasen, heute
soll es offiziell mitgeteilt werden.

Der junge Mann wird es verkraften, er ist ja nicht untüchtig.
Schlimmer sieht es da schon für den ORF-General aus. Seine Autorität
ist nachhaltig beschädigt, die wird er auch nicht mit Lob für die
somit demonstrierte Unabhängigkeit der Redakteure so schnell
wiederherstellen können. Und als souveräner Krisenmanager hat er sich
auch nicht erwiesen.

Zudem sitzt Wrabetz jetzt wirklich in Geiselhaft der SPÖ: Da er einen
gestandenen ÖVP-Mann zum Tiroler ORF-Direktor, einen weiteren
Schwarzen zum Chefkoordinator küren ließ und für einen FPÖ-Schützling
einen neuen Spitzenposten erfand, aber das rote Wunschkind Pelinka
mit dem Bad ausgegossen hat, werden seine roten Freunde sehr böse
sein.

Es gibt Kapitulationen, die kommen einfach zu spät. Sie verfehlen
ihre Wirkung und bringen nicht einmal Mitleid. Dies ist so eine.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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