• 18.01.2012, 11:00:32
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Weg frei für Mehrweggetränkeverpackungen

Die besten Abfälle sind die, die gar nicht entstehen

Wien (OTS) - Eine internationale Studie der Deutschen Umwelthilfe
(DUH) bietet eine gute Basis und beste Argumentation für die
Verbesserung und Weiterentwicklung der Getränke-Verpackungssysteme.
Die klassische Mehrwegflasche ist Einweg-Getränkeverpackungen nicht
nur ökologisch, sondern unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten auch
ökonomisch und sozial deutlich überlegen. Die Studie wurde von der
Deutschen Umwelthilfe bei Pricewaterhouse Coopers beauftragt und wird
erstmals in Österreich vorgestellt.

Die Vermeidung von Abfällen ist der oberste Grundsatz im
europäischen und österreichischen Abfallrecht. Der stark angestiegene
Anteil von Einweg-Getränkeverpackungen in Österreich steht jedoch im
Widerspruch zu dieser obersten Priorität der Abfallpolitik.

"Wir treten für nachhaltigen Umweltschutz auch im Bereich des
Verbrauchs von Ressourcen ein. Und Einwegplastikflaschen für Getränke
sind eine Vergeudung von Ressourcen. Bis zum nicht mehr diskutierten
Beweis des Gegenteils, gehen wir davon aus, dass die Mehrwegflaschen
ökologisch günstiger sind - sie brauchen weniger Ressourcen und
verursachen weniger Abfall", erläutert Bürgermeister Josef Moser,
Obmann der ARGE Abfallwirtschaftsverbände.

Mehrweganteil im Sinkflug

Neben den ökologischen Vorteilen entlang des ganzen Lebenszyklus
einer Mehrweggetränkeflasche im Vergleich zu Einweggebinden wie Dosen
oder PET-Einwegflaschen, stellen Mehrweggebinde eine echte
Abfallvermeidung dar. Der Anteil der Mehrweggetränkeverpackungen ist
jedoch in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Der
aktuelle Umsetzungsbericht zur Nachhaltigkeitsagenda der
Österreichischen Getränkewirtschaft zeigt die ungebremste Fortsetzung
dieser Entwicklung: Bei Wasser, Bier, Limonade, Fruchtsaft und Milch
(exklusive Fass und Container) ist der Mehrweganteil seit 2007 von
24,2 Prozent in nur drei Jahren auf 18,3 Prozent gesunken. "Vier von
fünf Plastikflaschen landen im Müll. Diese Verschwendung von
Rohstoffen und Energie bei gleichzeitigem Anwachsen der Müllmenge ist
anachronistisch und zeigt deutlich, dass das im
Abfallwirtschaftsgesetz festgeschriebene Prinzip der Abfallvermeidung
nicht ausreichend umgesetzt wird. Statt freiwillige, wirkungslose
Vereinbarungen brauchen wir tragfähige, gesetzlich festgelegte
Mehrwegquoten", stellt Alfred Brezansky für die Österreichischen
Umweltanwaltschaften fest.

Mehrwegflaschen sind kosteneffizienter und ökologisch vorteilhafter

Mehrwegflaschen sind kosteneffizienter und ökologisch
vorteilhafter als Einweggetränkeverpackungen, so die Ergebnisse der
Pricewaterhouse Coopers (PwC) in einem umfassenden
Nachhaltigkeitsvergleich für Verpackungssysteme zu Sammlung und
Recycling von Getränkeverpackungen und Pfandsysteme. Eine
Lenkungsabgabe könnte die ökologisch vorteilhaften Verpackungen
stärken. "Das Mehrwegsystem ist dem Einwegsystem mit Pfanderhebung in
allen drei Säulen der Nachhaltigkeit (ökologische, ökonomische und
soziale Wirkungskategorien) überlegen. Ein umfassender
Nachhaltigkeitsvergleich der Verpackungssysteme, der über die
bisherigen rein ökologischen ("Ökobilanzen") oder ökonomischen
Betrachtungen hinausgehe, sei angesichts der wachsenden Notwendigkeit
einer effizienten Ressourcennutzung und Abfallvermeidung überfällig
gewesen", erklärt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Freiwillige Vereinbarungen gescheitert

Die österreichische Politik hat im vergangenen Jahrzehnt aber
ausschließlich auf freiwillige Maßnahmen der Getränkewirtschaft zur
Sicherung des Mehrweganteils gesetzt. Dass diese freiwilligen
Vereinbarungen in Hinblick auf Mehrweg gescheitert sind und keine
Wirkung zeigen, sieht man besonders deutlich am Beispiel
Mineralwasser, bei dem der Mehrweganteil seit 2000 von 64,6 Prozent
auf 16,3 Prozent abgestürzt ist. Auch das aktuelle
Sozialpartnerabkommen wird daran nichts ändern - es fehlen
verbindliche - sanktionierbare Ziele, um die Wahlfreiheit der
KonsumentInnen im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel
wiederherzustellen. "Ziel des vorgeschlagenen Ökobonusmodells ist es,
unter Einsatz eines effektiven ökonomischen Instrumentes, den Anteil
der Mehrwegverpackungen von Getränken sofort wieder auf 30 Prozent zu
erhöhen. Damit könnten KonsumentInnen in Österreich endlich wieder
zwischen Einweg und Mehrweg wählen", meint Univ.-Prof. Gerhard Vogel,
Institut für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement, WU Wien.

Verbindliche Maßnahmen zur Rettung von Mehrweg gefordert

Die Forderung der Landesumweltreferentenkonferenz nach
"verbindlichen Rahmenbedingungen für den Erhalt und Ausbau von
Mehrwegsystemen (inklusive konkreter und sanktionierbarer Ziele)",
die Minister Berlakovich in seiner damaligen Funktion als
Umweltlandesrat des Burgenlandes 2008 mitbeschlossen hat, ist
angesichts des weiterhin dramatischen Rückgangs der Mehrweggebinde
dringlicher denn je. "Eine Fortführung der bisherigen Mehrweg-Politik
auf Basis zahnloser freiwilliger Selbstverpflichtungen wäre
unverantwortlich. Wir fordern Minister Berlakovich daher dringend
auf, das im Auftrag des Lebensministeriums erarbeitete
ÖkoBonus-Modell oder vergleichbare rechtlich verbindliche Maßnahmen
mit konkreten und sanktionierbaren Zielen zur Sicherung von
Mehrweggebinden in Österreich endlich umzusetzen", sagt Christian
Pladerer, Vorstand des Österreichischen Ökologie-Instituts,
abschließend.

Rückfragehinweis:

PID-Rathauskorrespondenz:
   www.wien.gv.at/rk/
   DI Christian Pladerer
   Österreichisches Ökologie-Institut
   Institutsleitung, Kompetenzfeld Ressourcenmanagement
   Mobil: 0699 1523 6101
   E-Mail: [email protected]
   
   Romana Uhyrek
   Wiener Umweltanwaltschaft
   Telefon: 01 379 79-88985
   Mobil: 0676 8118 88985
   E-Mail: [email protected]
   www.wua-wien.at

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