Humane und sozial gerechte Medizin: Gesundheitsberufe präsentieren Lösungen
Herausforderungen der Zukunft gemeinsam bewältigen - Patientenbedarf im Vordergrund
Wien (OTS) - Mehr Humanität, Berücksichtigung individueller
Bedürfnisse, ausreichende Personalressourcen, die Sicherung des hohen
Versorgungsniveaus und eine Einbeziehung der gesetzlich anerkannten
Gesundheitsberufe in die bevorstehende Gesundheitsreform: Die im Jahr
2009 gegründete Gesundheitsberufekonferenz wartet mit einigen
Vorschlägen zur Verbesserung des österreichischen Gesundheitswesens
auf. Im Rahmen eines Hintergrundgesprächs wurden am Dienstag
bevorstehende Herausforderungen, Problemstellungen und Lösungsansätze
präsentiert.
Die medizinische Versorgung müsse sich in Zukunft mehr am
Patientenbedarf orientieren und stärker auf die Bedürfnisse der
Patienten eingehen, erklärte der Präsident der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner. "Medizin muss auf Zuwendung
basieren, sie muss human sein, und sie darf keinen Unterschied
zwischen Arm und Reich oder Alt und Jung machen", betonte Dorner. Die
individuelle Betreuung von der Geburt bis ins hohe Alter sei das
Gebot der Stunde, man müsse sich auch endlich von der Vorstellung
eines "Standardpatienten" lösen. Dorner: "Uns steht ein
Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen bevor - Veränderungen müssen
jedoch patientenorientiert vorgenommen werden. Und wir müssen danach
trachten, den humanen und sozialen Charakter des Gesundheitssystems
zu bewahren."
Die demografische Entwicklung müsse in Zukunft stärker berücksichtigt
werden, ergänzte die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits-
und Krankenpflegeverbands, Ursula Frohner: "Derzeit sind 23 Prozent
der Bevölkerung 60 Jahre oder älter. Bis zum Jahr 2020 wird diese
Gruppe 26 Prozent der Bevölkerung ausmachen, im Jahr 2030 werden es
bereits 30 Prozent sein." Das bedeute einen beständig wachsenden
Anteil an pflegebedürftigen Menschen, gleichzeitig ginge aber der
Anteil pflegender Angehöriger zurück. Zudem gebe es zu wenig
Pflegepersonal: "Bestehende Personalressourcen können den steigenden
Bedarf an Leistungen von Pflegefachkräften jetzt schon nicht decken",
warnte Frohner. Die Gesundheitsberufe seien gefordert, sich mit dem
Bedürfnissen alternder Menschen auseinanderzusetzen und Lösungen zu
finden, ergänzte Ulla Konrad, Präsidentin des Berufsverbands
Österreichischer PsychologInnen.
Mehr Mitbestimmung seitens der Gesundheitsberufe sei ebenfalls
gefragt, forderte die Präsidentin des Dachverbands der gehobenen
medizinisch-technischen Dienste, Gabriele Jaksch. Zugleich sei ein
Mehr an Patientensicherheit dringend erforderlich: "Wir brauchen eine
offizielle Registrierung der Mitglieder gesetzlich anerkannter
Gesundheitsberufe - damit ist für die Patienten klar ersichtlich, ob
es sich um einen qualifizierten Behandler oder um einen gewerblichen
Gesundheitsberuf handelt", so Jaksch. Mehr Patientenfreundlichkeit
forderte auch Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen
Apothekerkammer: "Einsparungen dürfen keine Verschlechterungen für
die Patienten nach sich ziehen. Man kann den Bereich Gesundheit auch
in der heutigen Zeit effektiver organisieren", so Körner. Die
Gesundheit dürfe jedenfalls nicht der Profitgier und Gewinnmaxime
geopfert werden, erklärte Günter Flemmich von der Arbeiterkammer
Wien. (sl)
Mag. Martin Stickler
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