OTS0217   17. Jan. 2012, 17:00

"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Keine finsteren Mächte"

Mit Emotionen lassen sich Wahlen gewinnen, aber keine Reformen umsetzen.


Der Mann wirkte auf gut Neudeutsch "extra dry":
Moritz Krämer, Europa-Chef der gerade heftig angefeindeten
US-Ratingagentur Standard & Poor's, verteidigte Montagabend in der
ZiB 2 kühl die Herabstufung Österreichs. Vieles sei "doch schon seit
Monaten bekannt". Die Agentur bewerte Kreditrisiken, und zwar seit
150 Jahren. Österreich sei lediglich von einer "Eins plus" auf eine
"glatte Eins" korrigiert worden.
Auch wenn das im Moment unpassend erscheint: Man würde sich mehr
solch Emotionslosigkeit in der Politik, auch der heimischen,
wünschen. Nüchtern betrachtet braucht Österreich ja gar keine
Ratingagentur, um zu wissen, welche Reformen bitter nötig sind.
Und was die Banken betrifft: Sie haben in Ost- und Mitteleuropa
prächtig verdient und werden es längerfristig hoffentlich wieder tun.
Dazwischen gab es aufgrund gestiegener Risiken Wertberichtigung und
seriösere Kreditabsicherung. Das Ergebnis von S & P wurde quasi
vorweggenommen. Dementsprechend unaufgeregt hat nun auch der Markt
auf die Abstufung reagiert.
Daher: Bitte in Zukunft weniger billige Schuldzuweisungen!
Natürlich muss die Politik in Wahlzeiten emotionalisieren. Aber
dazwischen sind kühle Kopf- statt Bauchentscheidungen gefragt.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0217 2012-01-17 17:00 171700 Jän 12 PKU0001 0195




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