- 16.01.2012, 12:59:53
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Erzdiözese Wien nimmt nächsten Schritt im Reformprozess
Pilotprojekt in Wien-Favoriten bringt Strukturreformen bis September 2013 - Schönborn: "Wir müssen auf die veränderte Kirchengestalt angemessen reagieren" - "Kein zurück zum business as usual"
Wien, 16.01.12 (KAP) Die Erzdiözese Wien nimmt unbeirrt den nächsten
Schritt auf ihrem Reformweg. So wurde das Dekanat 10
(Wien-Favoriten) von Kardinal Christoph Schönborn in einem
Pilotprojekt am Wochenende beauftragt, im Laufe des Jahres einen
Neuordnungsprozess in Form einer Reorganisation von Pfarren und
Gemeinden zu entwickeln. Die Strukturreformen sollten dabei jedoch
stets unter der Vorgabe eines missionarischen Aufbruchs und neuer
pastoraler Initiativen stehen, erläuterte Schönborn das Ziel des
Projekts bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien. Bis Sommer
soll ein Zwischenbericht vorgelegt werden, bis 1. September 2013
sollen die neuen Strukturen dann umgesetzt werden. Zugleich soll das
Favoritener Pilotprojekt zum Vorbild für weitere Reformen in den
anderen Wiener Dekanaten werden.
Die Zeit, in der die Kirche die alles bestimmende gesellschaftliche
Realität war, sei heute vorbei. Man leben "in einer Kultur der
Freiheit. Und das ist sehr gut", so der Wiener Erzbischof. Zugleich
müsse man auf die damit einhergehende "veränderte Kirchengestalt"
angemessen reagieren - es könne "kein Zurück zum business as usual
mehr geben".
Konkret sollen neben einer Verschlankung der pfarrlichen Strukturen
kleinere christliche Gemeinschaften gefördert oder neu aufgebaut
werden. Zu den Rahmenvorgaben im Projektauftrag für das Stadtdekanat
Wien Favoriten gehören u.a., dass eine Pfarre zukünftig mindestens
über 4.000 Katholiken verfügen müsse, fünf Prozent des Pfarrbudgets
für neue Initiativen und Projekte gewidmet sein müssen, die Kosten
für den Pfarrhof und das Pfarrheim nicht mehr als 20 Prozent der
erwirtschafteten Einnahmen ausmachen dürfen und die
Instandhaltungskosten der Sakralbauten ohne diözesane Zuschüsse
auskommen können müssen. Nicht ausgeschlossen wird laut Rahmenplan
auch eine alternative Nutzung von nicht erhaltbaren Kirchen.
Dabei gebe es laut Kardinal Schönborn "nicht nur Ab- sondern auch
zahlreiche Aufbrüche" in der Diözese. So habe sich etwa die Zahl der
katholischen Privatschulen seit seinem Amtsantritt im Jahr 1995
verdreifacht. Auch die Caritas sei ein starkes kirchliches
Wachstumssegment - hier habe sich etwa die Zahl der Mitarbeiter in
dieser Zeit verdoppelt, so der Wiener Erzbischof.
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