- 15.01.2012, 11:10:45
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Gedenkveranstaltung für Hans Marsálek
Wien (OTS) - In Erinnerung an einen der letzten österreichischen
Überlebenden des KZ Mauthausen und langjährigen Leiters der
KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Hans Marsálek, fand am Freitag im bis auf
den letzten Platz gefüllten Kongress-Saales des Bundeskanzleramtes
eine Gedenkveranstaltung statt. Zahlreiche Ehrengäste und Dutzende
junger, engagierter Menschen erwiesen dem Widerstandskämpfer und
Mahner vor der wieder aufflammenden rechten Gefahr ihre Ehre.
In seiner Begrüßung würdigte Staatssekretär Dr. Josef Ostermayer
nicht nur Hans Marsáleks Verdienste um die Aufarbeitung der
Ereignisse rund um das KZ Mauthausen, in dem er drei Jahre von den
Nazis gefangen gehalten wurde, sondern hob besonders hervor, dass er
als "unermüdlicher Mahner gegen Faschismus, Rassismus und
Rechtsextremismus die gesamte Entwicklung der Gedenkkultur in
Österreich maßgeblich beeinflusste".
In ihrer Rede betonte Nationalratspräsidentin Mag.a Barbara
Prammer Hans Marsáleks unermüdliches Engagement gegen Faschismus und
Rechtsextremismus auf "Basis eines Internationalismus, eines Europas
ohne Grenzen und ohne Behinderung von Minderheiten, was uns vor dem
Hintergrund anhaltender Polemik gegen ein gemeinsames Europa, vor dem
Hintergrund dauernder Hetze gegen Menschen, gegen Migranten,
Minderheiten und Religionsgemeinschaften erneut bewusst macht, wie
wichtig es ist, gegen diese Ideologie und gegen nationalistische
Kleinstaaterei aufzutreten."
Der frühere Diözesanbischof von Linz und Mitbegründer des
Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), Dr. h.c. Maximilian Aichern,
erinnerte daran, dass Marsálek durch seine Widerstandstätigkeit im
Konzentrationslager ein "Beispiel der Hilfsbereitschaft, der
gegenseitigen Unterstützung und der Menschlichkeit gegeben hat. Die
entscheidende Anerkennung (seines Wirkens) wird es sein, wenn wir
sein Anliegen wirksam weiterführen und uns gemeinsam, ohne Hass und
mit entschiedener Kraft für Frieden, Menschenwürde und Menschlichkeit
einsetzen."
Der Präsident des Internationalen Mauthausen Komitee, Dusan
Stefancic, erinnerte an die gemeinsamen Ziele, die sie auch
Jahrzehnte nach der Befreiung stets verbunden hatten: "Im Zentrum
seiner Bemühungen standen die Aufklärung und Sensibilisierung der
Jugend gegen Faschismus, gegen Alltagsrassismus und gegen
Nationalismus. So wie Hans Marsálek aber stets gesagt hat, geht es
nicht nur darum, gegen etwas zu sein - wir müssen auch Angebote für
etwas machen. Für mehr Toleranz, für mehr Menschlichkeit und für mehr
Zivilcourage unter den jungen Menschen."
Willi Mernyi, der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Österreich,
kündigte daher einen "Hans Marsálek Preis für Zivilcourage" an. "Der
Preis soll Jugendliche unterstützen und motivieren, zivilcouragierte
Projekte umzusetzen."
Hans Marsálek verstarb am 9. Dezember 2011 im Alter von 97 Jahren
in seiner Geburtsstadt Wien. Sein Leben war geprägt vom Widerstand
gegen Faschismus und Rechtsextremismus. 1941 wurde er aufgrund seiner
Aktivitäten gegen die Nazis verhaftet und 1942 in das KZ Mauthausen
überstellt. Da er von Beruf Schriftsetzer war, wurde er schließlich
als Lagerschreiber eingesetzt, eine Position, die es ihm ermöglichte,
das Leben zahlreicher Mithäftlinge zu retten. Nach der Befreiung
Österreichs war er maßgeblich am Aufbau von Archiv und Museum der
KZ-Gedenkstätte beteiligt. Seine Chronik der "Geschichte des
Konzentrationslagers Mauthausen" ist heute noch das Standardwerk zu
diesem Thema.
Rückfragehinweis:
Willi Mernyi
0664-1036465
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