• 12.01.2012, 14:03:20
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ATV Am Punkt: Wirtschaftsforscher wirft den EU-Regierungen "kollektive Dummheit" vor

Warnung vor strikten Sparprogrammen und Schuldenbremsen

Wien (OTS) - Das Motto der Stunde in Österreich und den anderen
EU-Staaten heißt Sparen. Für den renommierten Wiener
Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister ist aber gerade damit eine
schwere Wirtschaftskrise vorprogrammiert. Besonders harsch kritisiert
er die geplante Schuldenbremse: "Die europäische Wirtschaft ist auf
dem Weg in eine Rezession", sagte Schulmeister gestern in der
ATV-Diskussionssendung "Am Punkt", "auf dem Weg in eine Rezession
darf der Staat seine Nachfrage, seine Ausgaben nicht kürzen. Dass die
Dummheit kollektiv von 26 Regierungschefs beschlossen wird, ändert an
der Dummheit nichts."

Wenn die österreichische Regierung jetzt ein Sparpaket schnüre,
werde den Menschen das Geld weggenommen, mit dem sie den
Wirtschaftskreislauf in Gange hielten, so Schulmeister: "Wenn die
Menschen darauf reagieren, indem sie den Konsum wieder einschränken,
und wenn die Unternehmer gleichzeitig ihre Investitionen zurückfahren
- und das ist eigentlich die normale Kettenreaktion -, dann wird sich
die Krise ganz massiv vertiefen."

Der Finanzsprecher der SPÖ Kai Jan Krainer verteidigte in "Am
Punkt" die Pläne der Regierung. Ziel sei ein ausgewogener "Mix" aus
ausgaben- und einnahmeseitigen Sparmaßnahmen, so dass Geld für
Investitionen übrig bleibe. Erneut forderte Krainer eine
Vermögenssteuer: "Wir haben in Österreich ein Problem, dass die
Steuern und Abgaben auf Arbeit auch im internationalen Vergleich zu
hoch sind, wohingegen die Steuern und Abgaben auf Kapital und
Vermögen sehr niedrig sind." Wenn Vermögende einen größeren Beitrag
leisteten, würde das der Wirtschaft keinesfalls schaden, so der
SPÖ-Politiker.

In der ATV-Diskussionssendung ging es um die Frage, ob Sparen oder
Investieren das bessere Rezept gegen die Krise sei. Die Konsumenten
haben sich offensichtlich für Letzteres entschieden: das
Weihnachtsgeschäft florierte und die Autobranche meldet
Absatzrekorde. Für die Konsumforscherin Christine Buchebner ist eine
Erklärung, dass die Menschen angesichts ständiger Warnungen vor der
Krise diese einfach ignorierten: "Das ist so, wie wenn ich jeden Tag
sage "Fürchte dich nicht vor dem bösen Wolf!" Wir stumpfen ab, die
Krise hat ihren großen Schrecken verloren."

Rückfragehinweis:
ATV Privat TV GmbH & Co KG
Christoph Brunmayr, Pressereferent
Tel.: +43-(0)1-21364 - 751
mailto: [email protected]
www.atv.at

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