Creditreform FIRMENINSOLVENZSTATISTIK 2011: 25 Insolvenzen pro Werktag - ANHANG
Niedrigste Insolvenzzahlen seit 2003; neues Insolvenzrecht zeigt Wirkung
ANHANG zu OTS - Firmeninsolvenzstatistik 2011
Wien (OTS) - Die endgültigen Zahlen der Creditreform
Firmeninsolvenzstatistik für das Gesamtjahr 2011 zeigen eine
besonders erfreuliche Entwicklung. Die Unternehmensinsolvenzen sind
auf den niedrigsten Stand seit 2003 zurückgegangen, um 7,0% auf 6.194
Verfahren. Die Anzahl an eröffneten Verfahren ist um 6,6% auf 3.289
Unternehmen gesunken. In 2.905 Fällen (-7,4%) wurden die
Insolvenzanträge mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen. Die
seit 1 1/2 Jahren geltende neue Insolvenzordnung zeigt ebenfalls
positive Auswirkungen: Fast jedes 5. Verfahren ist bereits ein
Sanierungsverfahren in dem versucht wird, das schuldnerische
Unternehmen zu retten und die Gläubiger eine Mindestquote von 20 bzw.
30% erhalten.
Die Hauptursachen für das Scheitern der Unternehmen liegen in
Managementfehlern wie z.B. einer mangelhaften Buchhaltung und
fehlendem Risikomanagement, in einer unzureichenden
Kapitalausstattung und in der allgemeinen Wirtschaftslage. Dazu
Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform: "Die
Insolvenzrechtsnovelle ist zum idealen Zeitpunkt gekommen. Es bietet
den krisenbehafteten Unternehmen ein geeignetes Instrument
rechtzeitig im Rahmen des Sanierungsverfahrens den Turn-around zu
schaffen. Trotz oder gerade wegen der (Staats-)Schuldenkrise findet
eine Entstigmatisierung der Insolvenz statt. Wer unverschuldet in
eine Notlage geraten ist, soll eine zweite Chance erhalten.
Substantiell gut aufgestellte Unternehmen sollen gerettet werden
können."
Bundesländervergleich
Der Blick auf die Bundesländer zeigt, dass in Vorarlberg (-29,4%),
im Burgenland (-16,3%) und in Salzburg (-13,6%) die Insolvenzen am
stärksten zurückgegangen sind. Lediglich Niederösterreich (+3,8%) und
die Steiermark (+0,9%) weisen eine steigende Entwicklung auf.
Die höchste relative Insolvenzbetroffenheit herrschte in Wien mit
23 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen. Österreichweit wurden im
Durchschnitt fast 17 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen gezählt.
Branchenvergleich
Die am stärksten betroffenen Branchen sind die Branche "Bauwesen"
und die Branche "Verkehr- und Nachrichtenübermittlung" mit jeweils
über 34 Insolvenzen je 1.000 Branchenunternehmen. Am stärksten sind
die Insolvenzen in den Branchen "Kredit- und Versicherungswesen"
(-23,0%), "Sachgütererzeugung" (-14,1%) und "Unternehmensbezogene
Dienstleistungen" (-10,4%) zurückgegangen.
Conclusio 2011
2/3 der österreichischen Unternehmen waren 2011 von zumindest
einer Insolvenz als Gläubiger betroffen. Ca. 2,5 Mrd. Euro betrugen
die Verbindlichkeiten der Schuldner. Dank der seit 2010 sukzessive
an-/aufgebrauchten Eigenkapitalpolster und dem
verantwortungsbewussten Umgang der Banken ist die Mehrzahl der
Unternehmen gut durch das Jahr 2011 gekommen. Nunmehr verfügen laut
einer Umfrage von Creditreform im Herbst 2011 unter 7.000 KMU nur
noch 33,6% über eine hohe Eigenkapitalquote von über 30%. Im Jahr
davor waren dies noch 37%. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil an
Unternehmen, die mit einer Eigenkapitalquote von unter 10% als
schwach kapitalisiert gelten um 3% auf 29,7%. Diese Entwicklung
sollte die Regierung bei ihren Steuerplänen berücksichtigen und
Unternehmen besser ent- als weiter belasten. Ohne gewinnbringende
Unternehmen keine gut bezahlten Arbeitsplätze, ohne Jobs keine
konjunkturbelebenden Konsumenten.
Erfreulich sind die schon stattliche Zahl an Sanierungsverfahren
sowie der Rückgang der mangels Vermögen abgewiesenen Verfahren. Darin
kann man die positiven Effekte der Insolvenzrechtsreform von 2010
erkennen. Unternehmen sollen durch positive Anreize (neue
Verfahrensarten, niedrigere Mindestquote, Eigenverwaltung) zur
rechtzeitigen Insolvenzbeantragung motiviert werden. Je früher man
eine Krise erkennt und gegensteuert, umso besser für alle Beteiligte.
Dazu bedarf es aber eines professionellen Risikomanagements als
Unternehmens- und Krisenradar - nicht nur in wirtschaftlich
anspruchsvollen Zeiten. Ein ordentlich und verantwortungsvoll
geführtes Unternehmen muss neben dem Wettbewerb, der Investition in
Innovation und Effizienzsteigerung stets seine
betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Blick haben, um gegebenenfalls
sofort reagieren zu können. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei
alle Zahlen rund um die Themen Bonität, Kapitalausstattung und
Liquidität. Denn spätestens seit 2011 wissen alle, Bonität ist ein
hohes und wertvolles Gut.
Mag. Gerhard M. Weinhofer,
Leiter der Öffentlichkeitsarbeit
Creditreform Wirtschaftsauskunftei Kubicki KG
Tel.: +43-1-218 62 20-551
mailto: g.weinhofer@wien.creditreform.at
www.creditreform.at















