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OTS0207   11. Jan. 2012, 19:46

"Kleine Zeitung": Kommentar: "Der erste Nichtraucher mit Nikotinvergiftung" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 12.01.2012


Vom bayerischen Busch-Philosophen Herbert
Achternbusch stammt der wunderbare Rat: "Du hast keine Chance, also
nütze sie!" Wenn man ihn derzeit jemandem geben kann, dann dem
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der hat sich in eine Lage
begeben, die Brettspieler als Doppelmühle bezeichnen. Sprich: Was
immer er jetzt noch machen kann, es wird falsch sein.

Kurzer Rückblick: Wann immer er und der damalige SP-Fraktionsführer
im ORF-Stiftungsrat, Niko Pelinka, nach einer allfälligen
Übersiedelung des Letzteren ins Unternehmen gefragt wurden,
dementierten beide entschieden.

Bis zum 23. Dezember: Da ließ Wrabetz verlauten, Pelinka werde sein
Büroleiter (und somit engster Mitwisser). Was sich wiederum für einen
engen Vertrauten des SP-Chefs und Bundeskanzlers nicht geziemt.

Statt Weihnachtsglöcklein ertönten im ORF die Alarmsirenen.
Betriebsräte und Redakteursvertreter wehr(t)en sich heftig, eine
diesbezügliche Protestnote wurde in den letzten Tagen von 1316 (!)
Mitarbeitern unterschrieben.

Dummerweise hatte der promovierte Jurist Wrabetz übersehen, dass die
Stelle ausschreibungspflichtig ist, und ließ das nachholen.

Etwas hintersinnigere Zeitgenossen vermuteten, Wrabetz habe auf diese
Art den ihm in Wirklichkeit von der SPÖ aufgenötigten Pelinka
loswerden wollen. Ein nicht ganz blöder Masterplan. - Aber nein:
Obwohl ihm der junge Mann eigener Aussage nach erst dieser Tage
seinen Verzicht angeboten hat, lehnte Wrabetz dies ab.

Nun sind die bisher loyalsten, weil seit Gerd Bacher wohl auch
unabhängigsten Journalisten, in Aufruhr. Und werden dabei von außen
zunehmend verdächtigt, Parteisklaven zu sein. Selten hat ein
Generaldirektor in so kurzer Zeit sein eigenes Unternehmen dermaßen
beschädigt wie nun Wrabetz.

Mittlerweile langten an die 200 seriöse Bewerbungen auf dem
Küniglberg ein. In einem offiziellen Hearing sollen rund 20
Kandidatinnen und Kandidaten persönlich begutachtet werden.
Selbstverständlich auch Niko Pelinka.

Jetzt wird es besonders unlustig: Geht irgendjemand anderer als
Sieger hervor, ist Wrabetz buchstäblich der begossene Pudel. Und
Niko, ein an sich tüchtiger, junger Mann mit etwas wenig Augenmaß,
wäre beruflich waidwund.

Kürt er Pelinka vor aller anderer Konkurrenz dennoch, ist das blanke
Demokratieverhöhnung. Und seine hausinterne Autorität wäre endgültig
weg.

Alexander Wrabetz ist wohl der erste Nichtraucher mit einer schweren
Nikotinvergiftung.****

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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