- 11.01.2012, 08:56:48
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Fluchtkind des Jahres 1938 protestiert gegen Mikl-Leitners "Ankerkind"-Rhetorik
Ehemaliges unbegleitetes Flüchtlingskind entsetzt über Aussagen der Innenministerin
Wien (OTS) - Ein unbegleitetes minderjähriges Flüchtlingskind des
Jahres 1938 ist an SOS Mitmensch herangetreten, um ihre Geschichte zu
erzählen und heftige Kritik an den Aussagen der Innenministerin zu
üben. Die Kampagne der Innenministerin gegen junge Schutzsuchende
stößt Dora Schimanko, die aus Österreich fliehen musste und selbst
einmal Schutzsuchende war, bitter auf.
"Ich fühle mich persönlich betroffen, wenn gerade eine
österreichische Innenministerin sich über Eltern hermacht, die ihre
jungen Kinder unbegleitet ins Ausland schicken. Ich war nämlich 1938
ein KINDERTRANSPORTKIND!", so das vormalige Fluchtkind Dora
Schimanko, die jetzt wieder in Wien lebt. Und Schimanko fügt hinzu:
"Das unbegleitete ins Ausland Schicken hat damals vielen von uns das
Leben gerettet!"
"Was sagt die Innenministerin zu einem ehemaligen unbegleiteten
minderjährigen Flüchtling, die fassungslos darüber ist, wie
herabwürdigend heutzutage von Seiten höchster politischer
VertreterInnen über Asylsuchende gesprochen wird? Was sagt
Mikl-Leitner zu jemandem, die weiß, dass Flucht Leben retten kann und
die auch weiß, dass Eltern sich niemals leichtfertig von ihren
Kindern trennen?", fragt Alexander Pollak, Sprecher von SOS
Mitmensch.
Ein Teil von Dora Schimankos Familie wurde von den Nazis ermordet,
ein anderer Teil vertrieben. Im Alter von 6 Jahren kam die kleine
Dora zu ihrem Großvater nach London. Im Jahr 1946 kehrte sie nach
Wien zurück. Dora Schimanko veröffentlichte 2006 das Buch "Warum so
und nicht anders" über die Geschichte ihrer Großfamilie.
"Es ist an der Zeit, dass unsere Politik innehält und darüber
nachdenkt, wie sie über Menschen spricht, die alles aufgeben und ihr
Leben riskieren, nur um ihre leibliche Existenz zu retten und
woanders ein neues Leben aufzubauen. Niemand begibt sich gerne auf
die Flucht! Niemand engagiert gerne FluchthelferInnen! Flucht ist
kein Verbrechen, sondern ein Menschenrecht! Es ist unser aller
Menschenrecht, und das muss gewahrt und mit Respekt behandelt
werden!", betont Pollak.
SOS Mitmensch fordert die Innenministerin dazu auf, von ihrem
untragbaren Kurs der Diskreditierung und Herabwürdigung Asylsuchender
abzurücken. Stattdessen soll sich die Innenministerin einer
menschengerechten und respektvollen Asylpolitik widmen.
Rückfragehinweis:
Alexander Pollak
SOS Mitmensch
0664 512 09 25
[email protected]
www.sosmitmensch.at
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