- 10.01.2012, 13:19:28
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Konjunktur im Gewerbe und Handwerk trübt sich leicht ein
Schwierige Situation für Kleinstbetriebe bis 10 Mitarbeiter - Forderung: Normungs- und Zertifizierungsprozess auf Wirtschaftlichkeit abstellen
Wien (OTS/PWK009) - "Betrachtet man die Konjunkturentwicklung
in Gewerbe und Handwerk, liegen wir mit einer nominellen Entwicklung
von 0,7 Prozent in den ersten drei Quartalen 2011 bei weitem nicht so
gut wie der Handel (5,9 Prozent) oder die Sachgütererzeugung (14,4
Prozent). Das Stimmungsbarometer trübt sich langsam ein und 2012 wird
insbesondere für die Kleinstbetriebe mit bis zu 10 Mitarbeitern ein
schwieriges Jahr", betonte heute, Dienstag, der Obmann der
Bundessparte Gewerbe und Handwerk (G+H), Abg. z. Nr. Konrad Steindl,
in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Direktor der KMU
Forschung Austria, Walter Bornett, und dem Geschäftsführer der
Bundessparte G+H, Helmut Heindl.
Vor diesem Hintergrund erteilte der Spartenobmann einer möglichen
kommenden Substanzbesteuerung eine klare Absage: "Wir haben eine der
höchsten Steuer- und Abgabenquote in Österreich und die heimischen
Betriebe haben schon bisher den Großteil der Substanzsteuern gezahlt.
Wir verwehren uns klar gegen neue Vermögenssteuern. Denn das wäre ein
Anschlag auf die Substanz der kleinen und mittleren Unternehmen."
Ein Anliegen ist der Bundessparte der Normungs- und
Zertifizierungsprozess. Hier stehen insbesondere die KMU aufgrund der
ständig zunehmenden Zahl an neuen Normen und Zertifizierungen vor
einem echten Bürokratie- und Kostenproblem, so Steindl. Zudem würden
die ständige Ausdifferenzierung von Normen und Zertifizierungen dazu
führen, dass KMU mit ihren Produkten gegenüber Großherstellern
deutlich benachteiligt sind (Etwa wenn ein Tischler eine
Maßanfertigung einer Tür zertifizieren lassen müsste, im Gegensatz zu
Massenproduktionen von Eingangstüren).
Langer Qualifizierungsprozess für die heimischen Betriebe
"Österreichs Gewerbe und Handwerksbetriebe unterliegen durch die
Ausbildung vom Lehrling zum Meister sowie nachgelagerten Prüfungen
und Kenntnisnachweisen bereits einem deutlich sichtbaren
Qualifizierungsprozess. Das Ausmaß des Normungsprozesses solle
jedenfalls auf seine Wirtschaftlichkeit überdacht werden. Zudem solle
der Zugang zu Normen ebenso kostenfrei sein wie der Zugang zu
Gesetzen, so Steindl. "Wir haben die Befürchtung, dass aufgrund der
derzeit bestehenden Situation die Dynamik und Individualität in
unseren Betrieben verloren gehen könnte. Deshalb müssen insbesondere
auf EU-Ebene die Anliegen der KMU in dieser Angelegenheit mehr gehört
werden", so Heindl.
Als Beispiel nannte der Spartengeschäftsführer die sogenannte
Stahlbaunorm EN 1090, zu deren Zertifizierung die heimischen Betriebe
nur bis 1. Juli 2012 Zeit hätten. Ohne diese Kennzeichnung können
betroffene Betriebe der Stahlbaubranche (Schlosser) nicht mehr im Bau
von Stahltragwerken tätig werden. Der Zertifizierungsprozess sei aber
zeitaufwändig und kostspielig und würde schlussendlich auf eine
Zertifizierung des Status quo hinauslaufen, so Heindl. Deshalb drängt
die Sparte hier auf eine Verlängerung der Frist über 2012 hinaus, um
betroffenen Betrieben zumindest zeitlich mehr Chancen auf die
Zertifizierung einräumen zu können.
Konjunktur: Betriebe pessimistischer als zuletzt
Zur Konjunktursituation in G+H betonte Bornett, dass sich die
Stimmung wieder abgekühlt habe. So seien die Betriebe sowohl was die
Auftragseingänge und Umsätze als auch die Personalplanung betrifft,
pessimistischer als zuletzt. "Unsere Sorgenkinder sind jene Betriebe
mit weniger als 10 Mitarbeitern, aber das sind 88 Prozent der
gewerblichen Wirtschaft", mahnte Bornett. Sorgenfalten habe man
zudem, was die Finanzierungssituation der Betriebe betreffe. Sollte
eine Kreditklemme tatsächlich kommen, wäre das fatal für die vielen
KMU. Denn Investitionsbedarf sei gegeben, "schon allein damit die
Betriebe am Ball bleiben können", so Bornett.
11 Prozent der Unternehmen planen die Zahl der Mitarbeiter um fast
ein Viertel zu reduzieren und 79 Prozent wollen den Personalstand
konstant halten, 10 Prozent beabsichtigen eine Aufstockung um knapp
20 Prozent. "Damit ergibt sich im Schnitt eine Verringerung des
Beschäftigtenstandes um 2,3 Prozent, womit der Personalbedarf unter
dem Niveau des 1. Quartals 2011 liegt", so der Direktor der KMU
Forschung Austria.
Was die Geschäftserwartungen betrifft, erwarten 18 Prozent der
Betriebe für das 1. Quartal 2012 steigende Auftragseingänge bzw.
Umsätze. 19 Prozent rechnen mit Rückgängen. Die Geschäftslage im 4.
Quartal 2011 wird von den Firmen klar nicht mehr so gut bewertet wie
im Jahr davor. 24 Prozent der Betriebe beurteilen die Geschäftslage
mit "gut", 58 Prozent mit "saisonüblich" und 18 Prozent mit
"schlecht". (us)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Gewerbe und Handwerk
Mag. Helmut Heindl
Tel.: T:(+43) 0590 900-3291, F:(+43) 0590 900-217
mailto:[email protected]
http://wko.at/bsgh
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