• 09.01.2012, 12:32:00
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Religionswissenschaftler: "Chaos und Hysterie" in Ungarn

Theologe Mate-Toth von der Universität Szeged: Regierung Orban "diktiert ein ungesundes Tempo"

Budapest, 09.01.12 (KAP) "Chaos und Hysterie" prägen nach Ansicht
des Religionswissenschaftlers Andras Mate-Toth derzeit die Stimmung
in Ungarn. Wie der katholische Theologe von der Universität Szeged
in einem "Kathpress"-Interview erklärte, brauche jede Umformung der
Gesellschaft "so etwas wie einen gesunden Rhythmus" - auch die in
Ungarn erforderliche Wandlung. Die Regierungskoalition aus Fidesz
und christdemokratischer KDNP "diktiert ein ungesundes Tempo", darum
gebe es eine andauernde "Fibrillation" - also unkoordinierte
Zuckungen - in der Gesellschaft. Zusätzlich sei die Stimmung durch
die Medien "hysterisiert, ein jeder ist voller Angst und
Unsicherheit", so Mate-Toth. Zugleich räumte er ein, dass der
Eindruck, wonach die von Viktor Orban angeführte Regierung "etwas
autistisch" agiere, nicht von der Hand zu weisen sei.

Auf die Frage, ob durch die mit 1. Jänner in Kraft getretene neue
Verfassung bzw. Maßnahmen wie die umstrittene Justizreform oder das
Notenbankgesetz die demokratische Kultur Ungarns in Gefahr gerate,
antwortete Mate-Toth differenziert: Man müsse unterscheiden zwischen
den institutionellen Grundlagen der Demokratie und einer
demokratischer Kultur, die die jeweilige Regierung, aber auch die
Opposition und Zivilgesellschaft prägten. Die Grundlagen sehe er
nicht in Gefahr, so Mate-Toth; die Amtsführung der jetzigen
Regierung jedoch bringe Ungarn an den Randbereich der in Westeuropa
üblichen demokratischen Kultur.

Zur Rolle der Kirchen sagte der Theologe, der sich u.a. in
Zusammenarbeit mit dem Wiener Theologen Paul Zulehner mehrfach mit
religionssoziologischen Entwicklungen in den postkommunistischen
Ländern Europas beschäftigte, die katholische Hierarchie habe ihre
"Position zur lautlosen Befürwortung der Regierungspolitik
gewechselt". Die protestantischen Kleinkirchen dagegen seien
enttäuscht und äußerten sich zum Teil sehr kritisch.

Mehr auf www.kathpress.at (ende) rme/gut/

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