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OTS0054   4. Jan. 2012, 10:33

Italiens "Chefintellektueller" Umberto Eco wird 80

Eco wurde u.a. durch den Bestseller "Der Name der Rose" weltbekannt - Hochkarätige Kontroverse mit Kardinal Martini über Frage "Woran glaubt, wer nicht glaubt?"


Wien, 04.01.12 (KAP) Umberto Eco, weltweit bekannter italienischer
Philosoph und Erfolgsautor, wird am Donnerstag 80 Jahre alt. Der
1932 in Alessandria im Piemont geborene Eco promovierte bereits mit
22 Jahren über die Ästhetik bei Thomas von Aquin. Als
Semiotikprofessor an der ältesten Universität Europas, in Bologna,
wo schon Dante Alighieri und Francesco Petrarca studierten,
veröffentlichte Eco mehr als 50 kulturhistorisch bedeutsame Bücher
(u.a. "Das offene Kunstwerk", 1962, "Apokalyptiker und Integrierte"
1964, später "Die Geschichte der Schönheit" 2004, "Die Kunst des
Bücherliebens", 2006, und "Die Geschichte der Hässlichkeit", 2007).

Über Fachkreise hinaus berühmt wurde der mit 33-Ehrendoktoraten
ausgezeichnete Eco durch seinen 1980 erschienenen Roman "Il nome
della rosa" (dt. "Der Name der Rose", 1982). Weitere erfolgreiche
fiktionale Texte folgten, etwa "Das Foucaultsche Pendel" (1988),
"Die Insel des vorigen Tages" (1994), "Baudolino" (2000) und zuletzt
"Der Friedhof in Prag" (2011).

Heute gehört der leidenschaftliche Büchersammler und Herr über eine
rund 30.000 Bände zählende Privatbibliothek zu den renommiertesten
und streitbarsten Persönlichkeiten Italiens. Eco schloss sich nie in
den Elfenbeinturm der reinen Wissenschaft ein und war als
spitzzüngiger Zeitungskolumnist einer der profiliertesten Kritiker
Silvio Berlusconis.

Aufsehen erregte 1995 Ecos Briefwechsel mit Kardinal Martini. Ihre
geistreiche Diskussion über die Frage "Woran glaubt, wer nicht
glaubt?" trugen der Kirchenmann und der Schriftsteller öffentlich in
der italienischen Zeitschrift "liberal" aus; 1998 erschien der
Austausch als eigene Publikation. Sich selbst bezeichnet Eco als
Agnostiker, der Gott für nicht erkennbar hält. Andererseits äußerte
er sich in seinen Briefen skeptisch gegenüber einer atheistischen
Weltanschauung: Es sei inkonsequent, die Existenz Gottes zu
bestreiten, aber gleichzeitig fest an die Beweisbarkeit seiner
Nicht-Existenz zu glauben.

2009 plädierte Eco in der "Welt am Sonntag" für die Aneignung
religiösen Wissens, ohne das es kein Kulturverständnis gebe. "Grob
geschätzt lassen sich drei Viertel der westlichen Kunst nicht
verstehen, wenn man nicht weiß, was Altes und Neues Testament und
die Heiligengeschichten erzählen", so Eco.

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