- 02.01.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Deutsches Jobwunder leider nur auf Zeit - von Sissi Eigruber
Mehr Jobs trotz Rezession wird es nicht auf Dauer geben
Wien (OTS) - Positive Meldungen lassen uns in Krisenzeiten
besonders aufhorchen: Beschäftigungsrekord in Deutschland! 41
Millionen Menschen waren im Jahresschnitt 2011 unselbstständig
beschäftigt und damit so viele wie nie seit der Wiedervereinigung,
gab das Statistische Bundesamt bekannt. So schlimm kann die Krise
also nicht sein, und auch der Euro hat dem Land wohl gute Dienste
erwiesen. Zudem gehen Experten davon aus, dass die Zahl der
Erwerbstätigen auch dieses Jahr weiter steigen wird. Ein neues
Jobwunder? Sind die Gesetze, wonach mehr Beschäftigung nur bei
mindestens zwei, drei Prozent Wirtschaftswachstum möglich ist,
aufgehoben? Der Wirtschaftsboom bis 2008 war zum Teil mit "jobless
growth", also Wirtschaftswachstum ohne Zunahme der Beschäftigung,
verbunden. Es scheint so, als ob nun das Gegenteil der Fall wäre:
"jobs despite recession", also Beschäftigungswachstum trotz
Rezession. Zwar ist die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr 2011 um
rund drei Prozent gewachsen, aber das letzte Quartal war bereits
leicht negativ, und vorsichtige Prognosen rechnen auch für 2012 mit
einer Rezession.
An dieser Stelle sei der Euphorie also Einhalt geboten. Früher oder
später wird die schlechte Wirtschaftsentwicklung auch der Erholung am
Arbeitsmarkt ein Ende setzen. Ausgehend von einem Rezessionsszenario
könnte es mit dem deutschen Jobwunder schon Mitte dieses Jahres
wieder vorbei sein. Dann wird die Zahl der Beschäftigten wieder
zurückgehen. Natürlich gibt es auch optimistischere Prognosen für den
Arbeitsmarkt - die gehen aber zumindest von einem kleinen Zuwachs
beim Bruttoinlandprodukt aus, und ob das eintreffen wird, erscheint
derzeit mehr als fraglich. Das gilt nicht nur für Deutschland,
sondern fast für ganz Europa.
EU-weit betrachtet ist Deutschland mit einer Arbeitslosenrate von 5,5
Prozent (Eurostat-Berechnung vom Oktober) jedenfalls eines der
Länder, das in diesem Bereich vergleichsweise geringe Probleme hat.
Die wahren Problemkinder sind Spanien mit 22,8 und Griechenland mit
18,3 Prozent Arbeitslosenquote, denn dort ist in Sachen Arbeitsmarkt
definitiv keine Besserung in Sicht. Während die Staatsverschuldung
und die Stabilität des Bankensektors im Fokus der europäischen
Politik liegen, ist die Arbeitsmarktentwicklung maximal ein
Randthema. Lediglich bei größeren Demonstrationen oder Unruhen, wie
es sie Mitte des Jahres in England gab, rückt das Thema in den
Blickpunkt der europäischen Politiker. Dabei ist in Ländern wie
Griechenland, Spanien und Großbritannien - verschärft durch die
Sparpakete - eine dramatische Entwicklung absehbar, welche den Boden
für soziale Unruhen nährt. Dieser Gefahr sollten Europas Politiker
deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken. Österreich hat diesbezüglich
die Nase vorne: Wir haben nach wie vor die niedrigste
Arbeitslosenrate in der gesamten EU.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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