WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Deutsches Jobwunder leider nur auf Zeit - von Sissi Eigruber

Mehr Jobs trotz Rezession wird es nicht auf Dauer geben

Wien (OTS) - Positive Meldungen lassen uns in Krisenzeiten
besonders aufhorchen: Beschäftigungsrekord in Deutschland! 41 Millionen Menschen waren im Jahresschnitt 2011 unselbstständig beschäftigt und damit so viele wie nie seit der Wiedervereinigung, gab das Statistische Bundesamt bekannt. So schlimm kann die Krise also nicht sein, und auch der Euro hat dem Land wohl gute Dienste erwiesen. Zudem gehen Experten davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen auch dieses Jahr weiter steigen wird. Ein neues Jobwunder? Sind die Gesetze, wonach mehr Beschäftigung nur bei mindestens zwei, drei Prozent Wirtschaftswachstum möglich ist, aufgehoben? Der Wirtschaftsboom bis 2008 war zum Teil mit "jobless growth", also Wirtschaftswachstum ohne Zunahme der Beschäftigung, verbunden. Es scheint so, als ob nun das Gegenteil der Fall wäre:
"jobs despite recession", also Beschäftigungswachstum trotz Rezession. Zwar ist die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr 2011 um rund drei Prozent gewachsen, aber das letzte Quartal war bereits leicht negativ, und vorsichtige Prognosen rechnen auch für 2012 mit einer Rezession.

An dieser Stelle sei der Euphorie also Einhalt geboten. Früher oder später wird die schlechte Wirtschaftsentwicklung auch der Erholung am Arbeitsmarkt ein Ende setzen. Ausgehend von einem Rezessionsszenario könnte es mit dem deutschen Jobwunder schon Mitte dieses Jahres wieder vorbei sein. Dann wird die Zahl der Beschäftigten wieder zurückgehen. Natürlich gibt es auch optimistischere Prognosen für den Arbeitsmarkt - die gehen aber zumindest von einem kleinen Zuwachs beim Bruttoinlandprodukt aus, und ob das eintreffen wird, erscheint derzeit mehr als fraglich. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern fast für ganz Europa.

EU-weit betrachtet ist Deutschland mit einer Arbeitslosenrate von 5,5 Prozent (Eurostat-Berechnung vom Oktober) jedenfalls eines der Länder, das in diesem Bereich vergleichsweise geringe Probleme hat. Die wahren Problemkinder sind Spanien mit 22,8 und Griechenland mit 18,3 Prozent Arbeitslosenquote, denn dort ist in Sachen Arbeitsmarkt definitiv keine Besserung in Sicht. Während die Staatsverschuldung und die Stabilität des Bankensektors im Fokus der europäischen Politik liegen, ist die Arbeitsmarktentwicklung maximal ein Randthema. Lediglich bei größeren Demonstrationen oder Unruhen, wie es sie Mitte des Jahres in England gab, rückt das Thema in den Blickpunkt der europäischen Politiker. Dabei ist in Ländern wie Griechenland, Spanien und Großbritannien - verschärft durch die Sparpakete - eine dramatische Entwicklung absehbar, welche den Boden für soziale Unruhen nährt. Dieser Gefahr sollten Europas Politiker deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken. Österreich hat diesbezüglich die Nase vorne: Wir haben nach wie vor die niedrigste Arbeitslosenrate in der gesamten EU.

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