Innenministerium: 521 Verkehrstote im Jahr 2011

Um 31 oder 5,6 Prozent weniger Opfer als im Jahr davor - rückläufiger Trend hält bereits das zwölfte Jahr in Folge an

Wien (OTS) - Das Bundesministerium für Inneres gibt bekannt, dass im Jahr 2011 neuerlich ein Rückgang um 5,6 % gegenüber dem Vorjahr und somit erneut die niedrigste Zahl an Verkehrstoten seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1950 verzeichnet werden konnte. "Jeder Tote auf Österreichs Straßen ist einer zuviel. Dennoch zeigt uns die positive Bilanz zum Jahresende, dass die österreichischen Straßen für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer immer sicherer werden. Das freut mich, denn die Polizistinnen und Polizisten leisten mit ihren Kontrollmaßnahmen einen wichtigen Beitrag dazu", sagt Innenministerin Mag. Johanna Mikl-Leitner.
Im Jahr 2011 sind im österreichischen Straßenverkehr bei 491 tödlichen Unfällen insgesamt 521 Personen getötet worden. Mit diesem Tiefststand setzt sich zudem der langfristig rückläufige Trend bei den Verkehrstoten auf den Straßen weiter fort.

Dieses vorläufige Ergebnis bedeutet gegenüber dem Jahr 2010 mit 552 Verkehrstoten einen Rückgang von 31 tödlich verunglückten Menschen oder 5,6 %. Bei längerfristiger Betrachtung der Unfallentwicklung ist die Zahl der Verkehrstoten in Österreich im Jahresvergleich somit seit dem Jahr 1999 bereits zum zwölften Mal in Folge gesunken. Da aber jeder schwere Verkehrsunfall mit viel Leid für die Opfer und deren Angehörigen verbunden ist, ist größtmögliche Verkehrssicherheit ein ganz wichtiges Anliegen für die Polizei und das BMI. Neben der zielgerichteten Überwachung und Kontrolle ist auch die Prävention und Bewusstseinsbildung eine wesentliche Aufgabe zur Verhinderung von Unfällen im Vorfeld.

Geringste Zahl von Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen

Insgesamt betrachtet ist dies die bisher absolut geringste Zahl von Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen im BM.I vor 61 Jahren (1950). Gegenüber 1972, dem bisher schwärzesten Jahr in der Unfallstatistik (2948 Tote) sind dies nahezu ein Sechstel der Todesopfer von damals, obwohl sich der Fahrzeugbestand seither beinahe verdreifacht hat. Noch vor zwölf Jahren, im Jahr 1999, gab es in Österreich mehr als 1000 Tote (1079) im Straßenverkehr. Der Rückgang seit damals beträgt fast 52 %.

Bei den Gesamtunfällen mit Personenschaden und den dabei Verletzten gab es bis Ende Oktober 2011 (aktuellere Daten sind noch nicht verfügbar) ebenfalls Rückgänge um 1,5 % bzw. 2,3 %.

Bundesländerstatistik

Burgenland 21 Verkehrstote (2010: 20), Kärnten 32 (42), Niederösterreich 158 (163), Oberösterreich 102 (117), Salzburg 44 (41), Steiermark 72 (79), Tirol 44 (39), Vorarlberg 26 (22) und Wien 22 (29).

Zunahmen gab es dabei in Tirol (+5 Getötete), Vorarlberg (+4), Salzburg (+3) und Burgenland (+1). Hier ist anzumerken, dass in Tirol, Salzburg und Burgenland im Jahr 2010 historische Tiefststände registriert wurden. In Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Wien konnten nicht nur im Jahr 2011 Rückgänge verzeichnet werden, in diesen Bundesländern gab es im abgelaufenen Jahr auch die bisher geringste Zahl an Verkehrstoten seit 45 Jahren.

Verkehrsbeteiligung

Bei den tödlichen Verkehrsunfällen im Jahr 2011 verloren 282 PKW-Insassen, 17 Lkw-Insassen (davon elf in einem Klein-LKW), 68 Motorrad-Fahrer, 17 Moped-Fahrer, 42 Radfahrer (davon zwei mit Elektro-Fahrrad), 86 Fußgänger (davon 35 durch ihr eigenes Fehlverhalten und 51 durch Fremdverschulden), vier Traktor-Lenker/Mitfahrer, zwei Lenker von Arbeitsmaschinen, zwei Microcar-Lenker/Mitfahrer und ein Lenker eines Elektro-Behindertenfahrzeuges ihr Leben.

Zurückgegangen auf die bisher niedrigsten je erfassten Werte sind die getöteten Pkw-Lenker und Insassen sowie die Fußgänger. Angestiegen gegenüber dem Vorjahr ist die Anzahl der getöteten Radfahrer. Von den 42 Radfahrern starben 25 durch ihr eigenes Fehlverhalten und 17 durch Fremdverschulden. Vier Radfahrer verunglückten auf einer Radfahrüberfahrt und je zwei auf einem Radweg bzw. auf einem Gehsteig/Gehweg.

Schwerster Unfall

Der schwerste Unfall im vergangenen Jahr ereignete sich am 20. März 2011 gegen 13 Uhr bei Villach in Kärnten. Bei einem Frontalzusammenstoß zweier Pkw auf der Bundesstraße 83 starben vier Personen, darunter drei Mädchen im Alter von sieben bis zehn Jahren.

Hauptunfallursachen

Als vermutliche Hauptunfallursachen dieser tödlichen Verkehrsunfälle mussten nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit (29,5 %), Vorrangverletzung (17,7 %), Unachtsamkeit/Ablenkung (13,6 %), Überholen (9,0 %), Fehlverhalten von Fußgängern (7,1 %), Übermüdung (3,3 %) und Herz-/Kreislaufversagen/Krankheit (2,2 %) festgestellt werden. Unfallkausale Alkoholisierung war bei 37 oder 7,5 % der tödlichen Unfälle gegeben. Bei sieben dieser Unfälle war eine Alkoholisierung des Fußgängers unfallkausal.

Im abgelaufenen Jahr wurden gegenüber 2010 anteilsmäßig mehr Unfälle durch Vorrangverletzungen, Unachtsamkeit/Ablenkung und Alkoholisierung der Fahrzeuglenker verursacht. Deutlich weniger Unfälle ereigneten sich aufgrund von nicht angepasster Fahrgeschwindigkeit.

Die Zahl der getöteten Kinder unter vierzehn Jahren ist im Vorjahr wieder angestiegen: Dreizehn Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren kamen im Straßenverkehr im Jahr 2011 ums Leben, die meisten davon (7) als Pkw-Insassen (5 davon waren mittels Kindersitz gesichert), als Fußgänger (5) und als Radfahrer (1).

Im Jahr 2010 verunglückten zehn und im Jahr 2009 15 Kinder tödlich. Im Jahr 2011 ereignete sich kein tödlicher Verkehrsunfall auf dem Schulweg.

Insgesamt betrachtet machen die Getöteten nach Altersgruppen bei den unter 30- jährigen (144 Verkehrstote) und den über 60-jährigen (175) die größten Gruppen aus. Die Opferzahl bei den Jugendlichen ist dabei rückläufig, die bei den Älteren dafür ansteigend. Knapp die Hälfte der getöteten Fußgänger (42 von 86) und mehr als 70 % der getöteten Radfahrer (30 von 42) waren über 60 Jahre alt.

20 Getötete auf Bahnübergängen, 16 Fußgänger starben auf Schutzwegen

20 tödliche Unfälle ereigneten sich auf Eisenbahnkreuzungsanlagen (2010: 15). 14 der 20 Getöteten auf Bahnübergängen kamen bei Kollisionen mit Eisenbahnen auf Gemeindestraßen und fünf auf Landesstraßen ums Leben. Zehn tödliche Unfälle ereigneten sich bei Signalanlagen mit Rotlicht, sechs Unfallstellen waren mittels Stopptafel und Andreaskreuzen gesichert und bei vier Unfällen war eine Schrankenanlage vorhanden.

16 Fußgänger kamen im Vorjahr im Bereich von Schutzwegen ums Leben; zehn bei ungeregelten und sechs bei geregelten Schutzwegen, davon drei Fußgänger als sogen. "Rotgeher" bei einer Lichtsignalanlage. Im Jahr 2010 kamen 15 Menschen auf Schutzwegen ums Leben.

Zehn Tote mussten im abgelaufenen Jahr in Straßentunneln beklagt werden (2010: 10), davon sechs im hochrangigen Straßennetz (Autobahnen und Schnellstraßen).

Im Bereich von Bahn- oder Bushaltestellen verunglückten im Vorjahr zehn Menschen und im Bereich von Kreisverkehrsanlagen fünf Menschen tödlich.

Im Zuge von Wende- oder Umkehrmanövern bzw. beim Ausparken oder Zurückschieben kam es zu acht tödlichen Unfallereignissen. Bei elf letalen Unfällen kann eine Blendung des Lenkers durch den Gegenverkehr bzw. durch die tiefstehende Sonne als Mitursache angenommen werden.

Bei Verkehrsunfällen mit Geisterfahrern kam im vergangenen Jahr kein Verkehrsteilnehmer ums Leben (2010: 1).

Straßenarten

48 Verkehrstote mussten auf Autobahnen und elf auf Schnellstraßen verzeichnet werden, diese Zahlen bedeuten - zusammengezählt 59 -einen neuen Tiefstwert für das hochrangige Straßennetz (bisher niedrigster Wert aus 2009 mit 75 Opfern) und machen einen Anteil von etwa 11 % an allen Verkehrstoten aus. Der Großteil der tödlichen Unfälle ereignet sich auf den ehemaligen Bundesstraßen (217 Getötete), Landesstraßen (149), Gemeindestraßen (78), Güterwegen (12) und sonstigen öffentlichen Verkehrsflächen (6). Gegenüber dem Vorjahr ist hier ein Anstieg auf den Landesstraßen L zu verzeichnen. Nahezu drei Viertel aller tödlichen Unfälle (350) ereigneten sich im Freiland, 141 im Ortsgebiet.

In Baustellenbereichen ereigneten sich im Vorjahr sechs tödliche Verkehrsunfälle (2010: 5), davon vier auf Autobahnen und Schnellstraßen.

Bei zehn Unfallereignissen (davon sechs auf Autobahnen) kam es zu Folgeunfällen durch Auffahren von nachkommenden Fahrzeuglenkern nach vorangegangenen Pannen oder Vorausunfällen auf der Fahrbahn, welche für zwölf Menschen tödlich verliefen. Drei Menschen starben dabei auf dem Pannenstreifen bzw. in einer Pannenbucht. (2010: 9 Tote bei Vorausunfällen, davon vier auf Pannenstreifen).

Sechs tödliche Unfälle wurden von 17-jährigen Pkw-Lenkern verursacht, davon vier mit vorgezogener Lenkberechtigung (L 17). 2010 waren es fünf tödliche Unfälle. Zwei Getötete waren 15-jährige Moped-Lenker, einer davon hatte keinen Moped15-Ausweis. (2010: 7 Getötete).

181 oder 36,8 % aller tödlichen Unfälle sind Alleinunfälle, das heißt es ist nur ein einziges Fahrzeug am Unfall beteiligt. 62 tödlich verletzte Fahrzeuginsassen waren nicht angegurtet.
19 Verursacher von tödlichen Verkehrsunfällen begingen Fahrerflucht, 14 Fahrzeuglenker waren nicht im Besitz einer gültigen Lenkberechtigung. Die Delikte "Fahrerflucht" und "Fahren ohne Lenkberechtigung" sind hier gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen.

Fünf Kraftfahrzeuge von Unfalllenkern waren nicht zum Verkehr zugelassen. Drei getötete Moped-/Motorradlenker verunglückten ohne Sturzhelm. Bei neun tödlichen Verkehrsunfällen kam es zu Fahrzeugbränden.

86 der 521 Verkehrstoten (16,5 %) waren ausländische Staatsangehörige, der Anteil der ausländischen Verursacher von tödlichen Verkehrsunfällen beträgt 16,7 % (82 von 491).

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