OTS0008   1. Jan. 2012, 09:59

Bünker: "Wünsche mir, dass Solidarität, Gerechtigkeit und Menschlichkeit sich durchsetzen"

TV-Neujahrsansprache des evangelisch-lutherischen Bischofs


Auf die "dramatische" Zunahme des Hungers in
der Welt hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael in seiner
Neujahrsansprache auf ORF 2 hingewiesen. "Zehntausende Menschen
verhungern jeden Tag." Hunger sei aber kein Schicksal, sondern habe
ganz konkrete Ursachen, "die auch geändert werden könnten, wenn der
politische Wille dafür nur da wäre". Es mangle nicht an
Nahrungsmitteln, es mangle an Solidarität und Gerechtigkeit: "Die
Güter auf der Welt sind äußerst ungerecht verteilt", konstatierte
Bünker in seiner Ansprache, die er vor einem gefüllten Brotregal
hielt: "Jeden Tag wollen die Menschen frisches Brot, knusprige
Semmeln und würzige Weckerln, und das von früh am Morgen bis zum
späten Abend. Der Markt verlangt es so, heißt es. Gleichzeitig wird
bei uns Brot weggeworfen", sagte der Bischof. In Wien beispielsweise
werde täglich so viel Brot weggeworfen, wie an einem Tag in Graz
verbraucht werde. "Das Brot, das den Menschen in früheren Zeiten
heilig war, ist zu einer industriell hergestellten Ware, eben oft
leider auch zu einer Wegwerf-Ware geworden."

Jeder und jede kann helfen

Der Bischof zeigte sich überzeugt, dass jeder und jede einen ganz
wirkungsvollen Beitrag leisten könne, den Hunger zu überwinden: "Zum
Beispiel dafür eintreten, dass Österreich die 0,7 Prozent der
Gesamtwirtschaftsleistung für die Entwicklungszusammenarbeit, die
schon lange vereinbart und zugesagt sind, endlich freigibt. Derzeit
erreichen wir - und das ist für eines der reichsten Länder der Erde
wirklich schandbar - nicht einmal die Hälfte davon." Beim Einkaufen
und beim Essen könne jeder auf fair gehandelte Produkte und
biologisch hergestellte Lebensmittel achten, "auch wenn das ein
bisschen mehr kosten sollte". Ebenso sei es hilfreich, Aktionen zu
unterstützen, die den Hungernden direkt vor Ort helfen. Er sei froh,
so Bünker, dass die Evangelische Kirche und die Diakonie mit der
Aktion "Brot für die Welt" im neuen Jahr 2012 zeigen könne, wie diese
Hilfe zur Selbsthilfe konkret aussieht. "Ich bedanke mich bei allen,
die diese Aktion unterstützen." Bünker zitierte die "wunderbare
Geschichte" von der Brotvermehrung in der Bibel, die an die
Verantwortung appelliere, die Menschen füreinander tragen: "Diese
Geschichte erinnert daran, dass wir, wenn wir Menschlichkeit und
Zuwendung teilen, immer Solidarität und Gerechtigkeit erfahren."

Abschließend wünschte sich der Bischof, "dass in Österreich auch im
Jahr 2012 Solidarität, Gerechtigkeit und Menschlichkeit sich
durchsetzen und das letzte Wort behalten, und ich will mich gemeinsam
mit vielen anderen dafür einsetzen, so gut ich es kann".

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0008 2012-01-01 09:59 010959 Jän 12 EPD0001 0415




Rückfragehinweis: epdÖ
Dr. Thomas Dasek
Tel.: Tel.: 0664 22 395 11
epd@evang.at
http://www.evang.at

Aussendungen von epdÖ abonnieren: als RSS-Feed per Mail