• 28.12.2011, 18:15:31
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Wirtschaftsblatt-Leitartikel: Brei explodiert nicht, aber er kann übergehen - von Eva Konzett

Auch die Rumänen haben einen gehörigen Beitrag geleistet

Wien (OTS) - Wer Rumänien kennt, weiß, dass dieses Land für
Überraschungen gut sein kann. Diese war dann aber doch
außergewöhnlich: Das britische Magazin "The Banker" kürt den
rumänischen Finanzminister Gheorghe Ialomitianu zum europäischen
Finanzminister des Jahres. Der Grund: Ialomitianu habe eisern an
einem Ziel festgehalten, der Budgetdisziplin - im Rahmen des
Abkommens mit den internationalen Kreditgebern rund um den IWF.
Besonders hervorgehoben hat das Magazin dabei die Tatsache, dass
Rumänien die letzte Tranche eines Stand-by-Kredits von 2009 nicht
abgerufen und ebenso wenig die Zusammenarbeit mit dem IWF nach
Auslaufen dieser Linie aufgegeben hat. Im März 2011 vereinbarte
Bukarest einen neuen Kredit mit dem Währungsfonds - allerdings mit
präventivem Charakter. Diese Kreditlinie bedient demnach weniger eine
akute finanzielle Notlage, sondern mittelfristig das Vertrauen der
Investoren. Dass diese solches wiedererlangt haben, hat die Rückkehr
Rumäniens auf den Eurobondmarkt im Juni bewiesen, als Staatsanleihen
in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an den Investor gebracht wurden. Die
Kategorie "sicheres Investment"- von Fitch vergeben - folgte kurz
darauf.

Bestätigt wird die Anerkennung jetzt durch aktuelle Budgetzahlen. So
weist Rumänien mit Ende November ein Budgetdefizit von drei Prozent
auf - deutlich unter der für das gesamte Jahr mit dem IWF
vereinbarten Marke von 4,4 Prozent. Die Haushaltseinnahmen sind indes
im selben Zeitraum erkennbar gestiegen - um 8,3 Prozent. Dazu
beigetragen hat u.a. die Mehrwertsteuererhöhung auf gegenwärtig 24
Prozent.

Nicht zuletzt haben demnach neben dem Finanzminister auch die Rumänen
selbst einen gehörigen Beitrag geleistet. Sie schultern die
Mehrwertsteuer ebenso wie die im öffentlichen Dienst empfindlich
gekürzten Gehälter und insgesamt den Sparkurs des Landes. Dass die
Bürger diese gerne als "schmerzlich" titulierten Maßnahmen ohne
größere Proteste hinnehmen, wird oft auf die hohe Leidensfähigkeit
der Rumänen zurückgeführt. Schließlich besagt ein rumänisches
Sprichwort, dass Maisbrei, das Grundnahrungsmittel der rumänischen
Küche, nicht explodiert.

Beobachter machen für die Ruhe allerdings eher die Zerstrittenheit
der Gewerkschaften verantwortlich.

Präsident Traian Basescu jedenfalls hat die Rumänen in seiner
Weihnachtsansprache aufgefordert, die Hoffnung auf eine bessere
Zukunft nicht aufzugeben. Wohl auch, weil Maisbrei zwar nicht
explodieren, aber durchaus übergehen kann.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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