• 23.12.2011, 17:26:53
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Abend ja, heilig: nein"

Ausgabe vom 24. Dezember 2011

Wien (OTS) - Nur wer ans Christkind glaubt, regt sich über die
Bestellung Niko Pelinkas zum Büroleiter des ORF-Chefs auf. Besonders
unglaubwürdig ist die Empörung, die aus dem ORF selbst kommt. Das
öffentlich-rechtliche Medienunternehmen wird seit Jahrzehnten von den
politischen Parteien kontrolliert. Roter Kanzler, roter ORF-Chef.
Schwarzer Kanzler, schwarzer ORF-Chef. Alles daneben und darunter ist
eine Art fein ziselierte Proporz-Redaktion. Schwarzer Chefredakteur
da, roter Chefredakteur dort - und so weiter.

Wo blieb denn der Aufschrei, als erst vor wenigen Monaten die
Landeshauptleute die Direktoren der ORF-Landesstudios selbst
aussuchen konnten?

Die nun so empörte ÖVP spielte dabei recht routiniert mit. Und dass
der Finanzchef des ORF ein Schwarzer ist, dürfte ja wohl auch etwas
mit Politik zu tun gehabt haben. Dass sich der Generaldirektor eines
für österreichische Verhältnisse großen Unternehmens jemanden in
seine unmittelbare Umgebung setzt, dem er vertraut und der den
Betrieb kennt - das ist ja wohl keine große Überraschung.

Die Aufregung um Niko Pelinka hat also viel mit der Lust zur Intrige
zu tun, und wenig mit der Lust zu gestalten. Beim ORF gäbe es
wahrlich einiges besser zu machen, und ob es klug war, dem
Unternehmen die Gebührenerhöhung (an der auch die Länder
mitverdienen) zu bewilligen, das wäre eine intensive Debatte wert
gewesen.

Und während sich die politische Republik an der Bestellung eines
Büroleiters reibt, wird sang- und klanglos die Telekom Austria einem
Spekulanten zum Fraß vorgeworfen. Die Finanzministerin, die Pecik
zuerst lobte, nennt ihn nun - nach massivem Druck - unfreundlich. Wie
geht es weiter? Niemand weiß es.

Der Pelinka-Aufreger erinnert an die jüngste
Töchter-in-die-Hymne-Debatte. Eher zufällig entstanden, beteiligten
sich alle mit großer Verve daran (auch der ORF). Mit den
tatsächlichen politischen Herausforderungen des Landes hat das alles
herzlich wenig zu tun. Es ist nur ein erneuter Beweis, dass die
Qualität des politischen Diskurses eher mittelgut ist. Über die
Feiertage verdrängen wir das am besten ...

www.wienerzeitung.at/leitartikel

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
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Tel.: +43 1 206 99-474
mailto:[email protected]
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